Das Plakat ist ein Blickfang: oben ein knallpinker Balken mit dem Claim «radikal sozial», unten auf weissem Hintergrund der Name Alternative Liste in voller Breite. Das Plakat, das für die Parteiliste im Hinblick auf die Gemeindewahlen wirbt, ist an verschiedenen Orten in Zürich zu sehen.
Dass die AL in der Stadt Zürich auf Plakaten wirbt, ist bemerkenswert. Die Partei hatte im Herbst eine Diskussion ausgelöst, als sie bekannt gab, dass der Aussenwerbungsvermarkter Goldbach Neo seine Kampagne abgelehnt hatte (persoenlich.com berichtete). Die Firma hatte den Entscheid damit begründet, dass die AL-Motion ihr Überleben infrage stelle. Sprecherin Michelle Sameli hatte es als «grotesk» bezeichnet, dass die Partei ein Medium nutzen wolle, das sie anderen verbieten wolle. Die Plakatgegner hatten eine antidemokratische Zensur kritisiert.
Von der Stadt verpflichtet
Goldbach Neo hat seinen Standpunkt nicht geändert. Dass die Kampagne ausgerollt werden kann, ermöglicht der andere grosse Werbeflächenvermarkter APG|SGA. Kommunikationschefin Nadja Mühlemann bestätigt auf Anfrage, dass die AL-Plakate bei ihnen ausgerollt wurden. Es habe zwar intern ähnliche Diskussionen wie bei Goldbach Neo gegeben. Die Ausgangslage sei aber für die APG|SGA eine andere. Die Stadt Zürich gebe Kontingentierungen für politische Werbung vor. In Bahnhöfen gäbe es ebenfalls eine Verpflichtung aufgrund eines Bundesgerichtsentscheids.
Warum aber greift die AL auf ein Medium zurück, das sie einschränken will? «Die AL lehnt Plakataushänge nicht grundsätzlich ab», erklärt sie auf Anfrage. «Wir befürworten ausdrücklich den Aushang und die Beschriftung von Geschäften vor Ort, Werbung für lokale Veranstaltungen, für unkommerzielle Angebote sowie für Zwecke der politischen Meinungsfindung – einschliesslich Wahlplakaten.» Ihre Kritik richte sich gezielt gegen Werbung, die eine klimaschädliche Konsumkultur fördere, wie etwa Fast Fashion oder Flugreisen.

