Ein aktueller Bericht der NZZ zeigt, wie KI-Tools in der Schweiz Werbeaufträge schneller und günstiger übernehmen. Livio Dainese von der Agentur Wirz betont, dass Werbung traditionell auf Illusion beruht. Neu sei aber, dass KI einen Menschen vollständig ersetzen könne, ohne reale Vorlage – «vielleicht trifft es uns deshalb stärker», sagt Dainese. Weiterbildung sei essenziell; Entlassungen wegen KI habe es bei Wirz bisher keine gegeben, dennoch brauche es künftig andere Berufsprofile.
Christian Kies, Chief Creative Officer von Jung von Matt Schweiz, hebt hervor, dass KI-Visualisierungen bei Pitches «Gold wert» seien, weil Kunden schneller verstehen, wohin eine Idee führt. Doch der menschliche Faktor bleibe unersetzlich – die Zufälligkeiten und der «menschliche Wahnsinn», die gute Werbung ausmachen, könnten KI-Tools nicht ersetzen. Gleichzeitig entstehe ein neues Problem: Manche Kunden verlieben sich in KI-Bilder, die Agenturen anschliessend real nachbauen müssen.
Automatisierung durch Meta gravierend
Vor allem kleinere Selbstständige spüren laut NZZ den Preisverfall. Viele Auftraggeber erstellen ihre ersten Text- oder Bildentwürfe selbst mit KI. Die Aufgabe der Texter sei dann oft, diese Fassungen zu veredeln – finanziell wenig attraktiv, da sich das stundenbasierte Abrechnungsmodell zunehmend auflöst.
Noch gravierender ist die Automatisierung durch Tech-Plattformen wie Meta: Der Konzern ermöglicht es Unternehmen, Kampagnen auf Facebook weitgehend ohne Agentur zu erstellen. Die KI entwirft Sujets, plant die Ausspielung und optimiert laufend. Für viele kleinere Firmen reicht das aus – klassische Agenturdienstleistungen verlieren in bestimmten Bereichen an Bedeutung. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass bis Ende 2026 vier von fünf Werbeschaffenden KI täglich einsetzen.
Für die Schweizer Werbeszene deutet vieles darauf hin, dass eine Bereinigung bevorsteht: weniger klassische Auftragsmodelle und veränderte Berufsprofile. (cbe)

