03.10.2023

Parteien im Wahlkampf

«Unsere Botschaften werden gut gehört»

Von ihrem 1,7-Millionen-Budget für den Wahlkampf investiert die SP 100'000 Franken in die sozialen Medien. Erstmals nutzt die Partei TikTok für den Stimmenfang. Den klassischen Medien misst SP-Mediensprecherin Lena Allenspach jedoch die grössere Bedeutung zu.
Parteien im Wahlkampf: «Unsere Botschaften werden gut gehört»
Mediensprecherin Lena Allenspach hat für die SP unseren Fragebogen beantwortet. (Bild: Keystone/Christian Beutler)
von Nick Lüthi

Fünf Fragen an die SP

Für die Wahlkampagne hat die SP den Starwerber Dennis Lück engagiert. Hätte die Partei diese Kampagne nicht auch selbst hingekriegt?
Wir sind sehr dankbar, dass wir mit Dennis Lück einen absoluten Werbeprofi für die Ausgestaltung unserer Wahlkampagne haben gewinnen können. Dass der SP Schweiz zugetraut wird, eine solch professionelle Kampagne von A bis Z inhouse zu machen, ehrt uns natürlich sehr.

Prämienexplosion bei den Krankenkassen und Kaufkraftverlust sollten der SP in die Hände spielen. Warum wird die Partei trotzdem keinen Riesensprung nach vorn machen?
Im Schweizer Parteiensystem sind «Riesensprünge» doch eher selten. Wir sind sehr zuversichtlich und erwarten ein gutes Resultat bei den Wahlen. Es freut uns, dass die Menschen sehen, dass es die SP ist, welche sich an vorderster Front für bezahlbare Prämien und eine starke Kaufkraft einsetzt.

Die SP darf mit leichten Gewinnen rechnen. Die Grünen dagegen drohen zu verlieren. Wie kann die SP ihrer Partnerin unter die Arme greifen?
Die Grünen sind glücklicherweise etabliert genug, um nicht auf die Hilfe der SP angewiesen zu sein. Natürlich freuen wir uns, wenn die progressiven, umweltbewussten linken Kräfte in der Schweiz als Ganzes gestärkt werden.

Konnte die SP vom Rücktritt von Alain Berset und der Vakanz im Bundesrat im bisherigen Wahlkampf profitieren?
Natürlich erzeugt eine frühzeitige Ankündigung eines Verzichts auf eine erneute Kandidatur für den Bundesrat eine gesteigerte Sichtbarkeit für die entsprechende Partei. Inwiefern diese Sichtbarkeit eine elektorale Auswirkung hat, können Politikwissenschaftler:innen besser beurteilen. Fakt ist, dass Alain Berset im Amt grossartige Arbeit leistet. Wir sind ihm dankbar und werden ihn vermissen.

Soeben hat Jon Pult seine Bundesratskandidatur bekannt gegeben. Wann tut dies Cédric Wermuth?
Das wissen wohl nur die bestbezahlten Augurinnen und Auguren (und allenfalls Cédric Wermuth selbst).



Neun Fragen an alle Parteien

1. Sind Sie mit der bisherigen Medienresonanz auf Ihre Wahlkampfkommunikation zufrieden?
Es ist medienübergreifend zu lesen und zu hören, dass die SP Partei für die Menschen ergreift und sich für den Klimaschutz, die Gleichstellung und die Kaufkraft der Bevölkerung einsetzt. Das freut uns.

2. Welche Wahlkampf-Botschaft Ihrer Partei ist bis jetzt am stärksten in Ihrem Sinn von den Medien aufgenommen worden und welche gar nicht?
Unsere Botschaften werden gut gehört, sei es, dass wir mit unserer Prämienentlastungsinitiative die Kaufkraft stärken oder das Klima mit schnellen Investitionen in erneuerbare Energien schützen und dadurch die Versorgungssicherheit der Schweiz stärken wollen. Gleiches gilt für unseren Einsatz für eine bessere Rentensituation der Versicherten – insbesondere der Frauen.

3. Welche Bedeutung hat die klassische Medienarbeit im Wahlkampf Ihrer Partei?
Eine grosse. Auch wenn die Bedeutung von Social Media stark zugenommen hat: Die Meinungsbildung in der Bevölkerung findet weiterhin zu einem erheblichen Teil über klassische Medienprodukte statt.

4. Ein wichtiges Instrument in der Wahlkampfkommunikation sind seit jeher die APG-Plakate. Welche Rolle spielt die Aussenwerbung heute noch im gesamten Kommunikationsmix?
APG-Plakate sind nach wie vor wichtige Kommunikationsinstrumente im Wahlkampf, um die Kampagne in der breiten Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

5. Welche Rolle spielen Social Media im Wahlkampf Ihrer Partei?
Eine zentrale. Die SP Schweiz hat ihre Onlinepräsenz in den letzten vier Jahren ausgebaut und investiert mehr Ressourcen in den digitalen Wahl- und Abstimmungskampf als früher. Auch bezüglich Werbung sind Social Media interessant für uns. Mit bezahlter Werbung in den sozialen Netzwerken können wir diejenigen Menschen mit Videos und Grafiken erreichen, die unsere Inhalte nicht bereits auf organische Weise sehen.

6. Nutzen Sie im Vergleich zum Wahlkampf vor vier Jahren neue Plattformen oder Kanäle, zum Beispiel TikTok oder Instagram?
Die SP Schweiz ist auf Instagram, TikTok, Twitter und Facebook aktiv. Im Vergleich zu 2019 neu dazugekommen ist TikTok.

7. Die besten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind die Mitglieder. Wie aktivieren Sie die im Wahlkampf?
Bereits im ersten Halbjahr 2023 haben Mitglieder des SP-Präsidiums über 100 SP-Sektionen besucht und sich dort mit den Mitgliedern über die Wahlen ausgetauscht. Seit Wochen und auch jetzt in der Schlussphase des Wahlkampfs sprechen Tausende SP-Freiwillige mit möglichst vielen Wahl­berechtigten in allen Kantonen über die Wahlen. Unser Ziel ist es, bis zum Wahlsonntag über 100'000 Telefon­gespräche zu führen. Hinzu kommen mehrere Hundert Politapéros, an welchen SP-Kandidierende mit Wahlberechtigten über Politik diskutiert und aufgezeigt haben, wie sich die SP für den Klimaschutz, die Gleichstellung und die Kaufkraft der Menschen einsetzt.

8. Setzen Sie auf künstliche Intelligenz, sei es für die Text- und Bildgenerierung oder für das Targeting Ihrer Botschaften?
Momentan nutzt die SP KI vor allem zur halbautomatisierten Erstellung von Untertiteln für Videos. Eine manuelle Nachbearbeitung ist aber immer nötig. Die SP setzt zudem ChatGPT zur Unterstützung bei der Software-Entwicklung ein, um schneller Quellcodes schreiben zu können.

9. Gibt Ihre Partei mehr Geld aus für den Wahlkampf als vor vier Jahren?
Vor vier Jahren betrug das gesamte Wahlkampfbudget der SP Schweiz rund 1,5 Millionen Franken. Dieses Jahr sind es rund 1,7 Millionen Franken. Davon fliessen 250'000 Franken in den digitalen Wahlkampf. Für die sozialen Medien beträgt das Wahlkampfbudget 100'000 Franken.



Alle Folgen der Serie «Parteien im Wahlkampf» finden Sie hierDie SVP wollte unsere Fragen nicht beantworten.



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