11.11.2025

Baden

Werbefreie Plakate spalten Parteien

Noch bis 23. November zeigt die Stadt Baden auf 13 Plakatflächen rund um den Bahnhof keine Werbung. Stattdessen präsentiert sie ein «Schaufenster auf die Stadt». Das Pilotprojekt soll zum Nachdenken über Werbung, Konsum und Klimaschutz anregen.
Baden: Werbefreie Plakate spalten Parteien
Eine der 13 Plakatflächen am Bahnhof Baden mit der Aufschrift «Baden ist. Ohne Werbung?» und dem Hinweis «Ihre Meinung?»​. (Bilder: persoenlich.com-Leser)

Mit dem Pilotversuch «Baden ist. Ohne Werbung?» will die Stadt laut Medienmitteilung veranschaulichen, wie sich Baden mit weniger Werbung anfühlen könnte. Die Plakatflächen zeigen während drei Wochen Motive ohne Werbebotschaften. Das Projekt baut auf Erfahrungen in anderen Städten auf, die mit werbefreien Flächen experimentiert haben. Es ist eine Zusammenarbeit der Stadt Baden, Energiestadt und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Die Stadt begründet die Aktion mit ihren Klimazielen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, ihre energiebedingten Treibhausgasemissionen bis spätestens 2050 auf Netto-Null zu senken. Konsum ist laut Medienmitteilung eine wesentliche Quelle von CO2-Emissionen. Die Stadt will sich deshalb auch mit dem Konsum von Produkten und der Werbung dafür auseinandersetzen. Stadtammann Markus Schneider erklärt: «Werbung prägt das Stadtbild, macht aufmerksam und kann Freude auslösen. Aber sie kann auch Konsumdruck verstärken und öffentlichen Raum vereinnahmen.»

Die Aktion stösst auf scharfe Kritik von bürgerlichen Parteien, wie die CH-Media-Zeitungen berichten. FDP-Fraktionspräsident Maurizio Savastano kritisiert den Einsatz von Steuergeldern für diese «absurde Aktion». Die Mitte Baden bemängelt, dass Werbung von Beginn weg als Problem dargestellt werde. «Werbung ist Ausdruck von Wirtschaftsfreiheit, Unternehmergeist sowie einer aktiven Stadt und gehört nicht verteufelt», teilt die Partei mit. Die SVP spricht von «intellektueller Schlichtheit» der Klimaideologie. Alle drei Parteien verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung von Werbung für das lokale Gewerbe und Kulturschaffende. Die Grünen begrüssen das Projekt. Es rege auf kreative Weise zum Nachdenken an, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben.

Die Kosten für die Miete der Plakatflächen belaufen sich laut Medienmitteilung auf rund 13'000 Franken. Weitere Aufwände für Planung und Evaluation tragen die Projektpartner. Eine Umfrage begleitet das Experiment. (pd/cbe)


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KOMMENTARE

gretener adam
14.11.2025 11:41 Uhr
Ok, Herr Palumbo. Sie denken, dass sei hier eine Verkaufsveranstaltung. Ist es nicht. Es geht mir und vielen Menschen um die schiere Penetranz. Die Branche scheint keinerlei Grenzen oder Skrupel zu kennen. Muss halt die Gesellschaft, wie damals bei der Tabak- und Alkwerbung, eingreifen.
Giuseppe Palumbo
13.11.2025 19:09 Uhr
Vielen Dank, Herr Gretener, für Ihre ehrliche und differenzierte Sicht. Ich verstehe Ihre Bedenken gut und genau deshalb ist mir das Thema wichtig. Aussenwerbung ist kein Selbstzweck und schon gar keine Dauerbeschallung. Sie ist, richtig eingesetzt, ein Teil des urbanen Dialogs, der lokale Wirtschaft, Kultur und Orientierung sichtbar macht. Ich arbeite seit vielen Jahren eng mit dem lokalen Handel, mit Politik und Organisationen zusammen. Dabei erlebe ich täglich, dass Plakatflächen nicht nur Werbeträger, sondern auch Plattformen sind für gesellschaftliche Themen, kulturelle Projekte, soziale Kampagnen und öffentliche Anliegen. Natürlich tragen wir als Branche Verantwortung. Und dieser stellen wir uns mit nachhaltigen Materialien, klimaneutraler Produktion und immer stärkerer Integration lokaler Inhalte. Aussenwerbung prägt das Stadtbild – ja. Aber sie prägt es nicht leer, sondern lebendig. :-)
gretener adam
13.11.2025 11:50 Uhr
@Müller: Ganz schön unverschämt, ich habe Herr Palumbo nur eine Frage gestellt. @Palumbo: Vielen Dank für ihre höfliche Antwort. Ich persönlich sehe das etwas anders. Aussenwerbung hat ein erträgliches Mass schon seit vielen Jahren überschritten. Man kann in der Stadt kaum irgendwohin den Blicke wenden, ohne von Werbung unterbrochen zu werden. Die totale Kommerzialisierung des öffentlichen Raums hat leider übermässige Ausmasse Angenommen. Wenn sich, gerade die APG nicht bald mal selbst Gedanken dazu macht, wird es eben der Stimmbürger. Vielleicht nicht diesmal. Es ist aber nur eine Frage der Zeit. Als Teil des Dialogs und des öffentlichen Raums tragen die Ausenwerber eben auch Verantwortung. Gesellschaftliche Verantwortung. Horchen Sie mal unvoreingenommen in die Gesellschaft rein. Ausserhalb der Werbebubbel.
Werner Müller
13.11.2025 10:44 Uhr
@Adam Gretener: Wenigstens bekennt sich jemand zur freien Marktwirtschaft. Adam geht vielleicht auch ins Ausland ohne Zug in die Ferien. Da bin ich auch dagegen. Darf aber auch nicht verboten werden.
Giuseppe Palumbo
13.11.2025 10:37 Uhr
Danke, Herr Gretener, für die berechtigte Frage. Mit Dialog meine ich den ständigen Austausch zwischen Menschen, Marken und ihrer Umgebung. Werbung im öffentlichen Raum ist Teil dieser Kommunikation. Sie spiegelt, was in einer Stadt passiert, was Unternehmen bewegen, und schafft Orientierung und Wiedererkennung. Aussenwerbung ist also kein Monolog, sondern ein sichtbarer Teil des städtischen Gesprächsflusses.
gretener adam
13.11.2025 08:45 Uhr
Palumbo ist ja von der APG und muss sowas behaupten. Identität, Vielfalt und Dialog durch Aussenwerbung... Aha. Welcher Dialog ganz genau soll denn dank Plakaten entstehen?
Giuseppe Palumbo
12.11.2025 08:21 Uhr
Eine Stadt ohne Werbung ist keine Stadt mit mehr Bewusstsein, sondern mit weniger Leben. Aussenwerbung ist weit mehr als Konsum: Sie steht für Sichtbarkeit, Unternehmertum und lokale Identität. Sie finanziert Kultur, Events und schafft Verbindungen zwischen Menschen, Marken und Orten. Wer Werbung abschaltet, spart kaum CO₂, verliert dafür aber Dialog, Dynamik und Vielfalt. Gerade in Zeiten des Wandels brauchen Städte nicht weniger Kommunikation, sondern authentische, verantwortungsvolle Präsenz im öffentlichen Raum.