Eine Studie der ETH Zürich belegt erstmals eine «starke Korrelation» zwischen politischer Werbung auf Facebook und Instagram und den Ergebnissen eidgenössischer Abstimmungen. Vorlagen, bei denen eine Seite deutlich mehr Werbung schaltete, gewann signifikant häufiger, wie der Tages-Anzeiger berichtet.
Studienautor Arthur Capozzi, Dozent am Departement für Geistes-, Sozial- und Politikwissenschaften der ETH Zürich, wertete dafür einen Datensatz von 40'000 politischen Werbeanzeigen aus den Jahren 2021 bis 2025 aus, die insgesamt 560 Millionen Mal angezeigt wurden. Die Studie wurde bisher nicht peer-reviewed veröffentlicht.
Capozzi betont gegenüber den Tamedia-Zeitungen, der Zusammenhang beweise noch nicht, dass Social-Media-Werbung tatsächlich die Ursache für bessere Abstimmungsresultate sei. Er halte es jedoch für «sehr wahrscheinlich», dass eine Institution mit viel Geld oder eine reiche Person heute in der Schweiz durch Werbung auf Facebook und Instagram tatsächlich Stimmen kaufen könne.
Bei der Halbierungsinitiative vom 8. März etwa liessen die Gegner auf Facebook und Instagram rund 50 Millionen Mal Werbung anzeigen – finanziert vom offiziellen Komitee sowie von Kampagnenorganisationen wie Campax und Operation Libero. Die Befürworter, darunter der Gewerbeverband, kamen auf rund 10 Millionen Anzeigen.
Die Studie zeigt zudem, dass politische Akteure gezielt unterschiedliche Bevölkerungsgruppen ansprechen. Bürgerliche Parteien und insbesondere die SVP richten ihre Werbung mehrheitlich an ältere Männer, während Grüne und SP vorwiegend jüngere Frauen ansprechen. Capozzi sieht darin ein gesellschaftliches Problem: Wenn unterschiedliche Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen politischen Realitäten konfrontiert würden, verlören sie das Verständnis füreinander. (cbe)
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01.03.2026 19:44 Uhr
28.02.2026 22:21 Uhr

