30.06.2025

Verbandspartner

«Wirkung entsteht dort, wo sie gebraucht wird»

Fünf Fragen an Manuel Kunzelmann, CEO der Migros Bank, und an Britta Friedrich, Leiterin des Migros-Pionierfonds, zu Verantwortung, Fortschritt und dazu, warum Finanzierung ein Schlüssel für gesellschaftlichen Wandel ist.
Gesellschaftliches Engagement der Migros: «Wirkung entsteht dort, wo sie gebraucht wird»
Manuel Kunzelmann und Britta Friedrich im Gespräch.

Was bedeutet heute Verantwortung im Kontext Ihrer Arbeit konkret – als Bank beziehungsweise Förderinstitution?
Manuel Kunzelmann: Verantwortung heisst für uns, Menschen und Unternehmen auf ihrem Weg zu begleiten. Oft stehen dabei weitreichende Lebensentscheidungen im Mittelpunkt – etwa der Erwerb von Wohneigentum, die Vorsorgeplanung oder der Schritt in die Selbstständigkeit. Auch Unternehmen befinden sich regelmässig an Wendepunkten, etwa bei der Finanzierung grosser Investitionen. Unser Anspruch ist es, in finanziellen Belangen Orientierung zu bieten. Wir befähigen unsere Kundinnen und Kunden, fundierte und vorausschauende Entscheidungen zu treffen – im privaten wie im unternehmerischen Kontext.

Britta Friedrich: Unser Blick richtet sich über individuelle Bedürfnisse hinaus auf die Gesellschaft als Ganzes. Die Grundhaltung ist die gleiche: Wir wollen Menschen und ihre Ideen stärken. Daher fördern und begleiten wir mit gezielten Anschubfinanzierungen sogenannte Impact Entrepreneur*innen. Wir investieren in Geschäftsideen, die wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich relevant sind, indem sie die Zukunftsfähigkeit der Schweiz stärken.

Kann man Wirtschaft und Gesellschaft gedanklich überhaupt voneinander trennen?
Britta Friedrich: Wirtschaft ist weit mehr als ein Ort der Gewinnmaximierung. Sie ist eine gestaltende Kraft – treibend für Innovation, Garantin für Wohlstand und die Entwicklung unserer Gesellschaft. Impact Entrepreneurship zeigt, wie sich unternehmerisches Handeln mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden lässt. Unsere Förderprojekte wollen die Lebensqualität verbessern, indem sie Nachhaltigkeit fördern und den Wohlstand langfristig sichern. Das sieht man zum Beispiel am Projekt VaLoo. Es arbeitet an einem zirkulären Abwassersystem, das Abwasser so aufbereitet, dass es wiederverwendet werden kann. So werden Frischwasser und Energie gespart und wertvolle Nährstoffe zurückgewonnen.

Manuel Kunzelmann: Banken sind ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaft. Indem sie Geldströme steuern, beeinflussen sie Entscheidungen, die nicht nur einzelne Transaktionen betreffen, sondern auch Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes haben. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Bank nicht nur stabil und gut kapitalisiert sind – was wir mit einer Eigenmittelquote von über 20 Prozent sind – sondern dass wir auch unserer Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft gerecht werden. Denn ökonomische Stärke allein genügt nicht: Erst das Vertrauen der Gesellschaft macht unser Geschäftsmodell dauerhaft tragfähig.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit Menschen und Unternehmen die Zukunft in die Hand nehmen?
Britta Friedrich: Mut und Rückendeckung. Viele Gründerinnen und Gründer kommen mit einer klaren gesellschaftlichen Vision zu uns. Ihnen fehlen aber häufig die nötige finanzielle Sicherheit, der Zugang zu relevanten Netzwerken oder das betriebswirtschaftliche Know-how, um aus ihrer Idee ein wirksames Geschäftsmodell zu entwickeln. Genau hier setzen wir an. Wir unterstützen bei Businessplänen, achten frühzeitig auf Anschlussfinanzierungen und bringen unsere Erfahrung aus über 140 Projekten gezielt ein. Wirkung entsteht nicht im Elfenbeinturm, sondern dort, wo sie gebraucht wird – im Markt, im Austausch, in der Realität des unternehmerischen Handelns.

Manuel Kunzelmann: Auch wir verstehen uns als Begleiterin und Partnerin auf Augenhöhe. Unser Ziel ist es, dass unsere Kundinnen und Kunden eigenständig und selbstbestimmt entscheiden können. Voraussetzung dafür ist ein grundlegendes Verständnis für finanzielle Zusammenhänge – wir sprechen von Financial Literacy. Unser Anspruch endet nicht bei klassischen Bankdienstleistungen. Wir investieren in Lösungen «beyond banking» – etwa mit Beratung zu energetischen Sanierungen oder mit Maklerdienstleistungen, die den Verkauf von Liegenschaften für Privatpersonen vereinfachen. Denn wer Menschen wirklich befähigen will, muss über den eigenen Tellerrand hinausdenken und Verantwortung dort übernehmen, wo sie gesellschaftlich am meisten bewirkt.

Wie ist die Migros Bank in der Unternehmensfinanzierung engagiert? Und welche Rolle spielen KMU, aber auch junge Unternehmen und Start-ups für die Innovationskraft der Schweiz?
Manuel Kunzelmann: Die kleinen und mittleren Unternehmen sind das Rückgrat 
unserer Volkswirtschaft und zugleich eine treibende Kraft für Innovation. Viele wegweisende Ideen entstehen in genau diesen Betrieben. Wir stehen KMU in ihrer Weiterentwicklung finanziell zur Seite. Wir unterstützen zudem bei Fragen der Unternehmensfinanzierung, haben die Nachhaltigkeit von Unternehmensentscheidungen im Blick und bringen unsere Erfahrung in strategische Weiterentwicklungen ein. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen dazu beitragen, den Wohlstand in der Schweiz nachhaltig zu stärken. Das ist die Grundlage für gesellschaftliche und politische Stabilität.

Britta Friedrich: Wir ergänzen das wirtschaftliche Ökosystem am Anfang der Innovations-kette. Wir unterstützen bewusst im Frühstadium, also zu einem Zeitpunkt, zu dem der Erfolg der Projekte alles andere als garantiert ist. Damit schliessen wir eine Lücke im Markt. Ohne diese Anschubhilfe würden viele aussichtsreiche gesellschaftliche Innovationen nie Realität werden.

Wie steht es denn jetzt um die Innovationskraft der Schweiz?
Britta Friedrich: Die Schweiz blickt auf eine lange Tradition des Fortschritts zurück. Ob die Elektrifizierung der Eisenbahn oder die Entwicklung weltweit anerkannter Hochschulen – Innovation war hierzulande nie Selbstzweck, sondern stets ein Beitrag zum Gemeinwohl. Dieser Gedanke ist tief in der Schweizer DNA verankert. Einen aktiven Beitrag zu dieser Dynamik zu leisten, ist unser täglicher Antrieb. Wir engagieren uns dort, wo aus Ideen konkrete Lösungen werden – zukunftsfähig, verantwortungsvoll und im Dienst einer starken Schweiz.

Manuel Kunzelmann: Innovation gehört seit jeher zu unserem Selbstverständnis. GottliebDuttweiler hatte nicht nur die wirtschaftliche Situation der Konsumentinnen und Konsumenten im Blick, sondern er war auch dem gesellschaftlichen Gemeinwohl verpflichtet. Dieser Grundsatz gilt heute noch: Unsere Kundinnen und Kunden stehen im Zentrum. Ob beim Zahlen, Sparen, Anlegen, Vorsorgen oder Finanzieren – unser Anspruch bleibt derselbe: Wir wollen unsere Finanzdienstleistungen in den Dienst der Menschen stellen und sie für alle erschwinglich machen.


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