Interview: Mario Tinner Bilder: zVg
Du bist Präsidentin der EFA. Was hat dich motiviert, dieses Amt zu übernehmen?
Ich begann mein Engagement bei der EFA, etwa ein Jahr nachdem ich 2016 als Generalsekretärin bei der Swedish Fundraising Association angefangen hatte. Zunächst als Vorstandsmitglied, später als Vorsitzende des Zertifizierungsausschusses. Dann erschien es mir wie ein natürlicher Schritt, vor zwei Jahren die Nachfolge von Eduard Marcek anzutreten. Dieses Präsidium ist eine grossartige Möglichkeit, Fundraising und Philanthropie in Europa auf strategischer Ebene zu stärken.
Die European Fundraising Association ist ein Netzwerk aus nationalen Fundraising-Organisationen. Warum ist ein solcher Verbund wichtig?
Es ist wichtig, dass wir als Vertreter:innen des Fundraisings und der Fundraiser:innen auch in einem europäischen Kontext gehört werden. Viele Themen, die uns beschäftigen, sind ähnlich, und wir können unser Wissen austauschen. Gleichzeitig gibt es einige Bereiche, in denen wir gemeinsam stärker sind, wenn es um die Interessenvertretung und den Einfluss auf breiterer Ebene geht.
Was sind die Hauptaufgaben der EFA?
Unsere Kernaufgabe ist es erstens, Fundraising in ganz Europa weiterzuentwickeln und zu professionalisieren, indem wir die nationalen Fundraising-Verbände und Fundraising-Organisationen stärken. Zweitens fördern wir das Fundraising, die Philanthropie und die Arbeit von gemeinnützigen Organisationen auf EU-Ebene. Ein weiterer wichtiger Bereich für uns ist in Zukunft die Entwicklung von Wissen über Spenden und Fundraising. Ganz zentral ist zudem die EFA-Zertifizierung, die seit 2007 einen institutionellen Rahmen für die Ausbildung darstellt.
Was sind die Vorteile für die Länderorganisationen als EFA-Mitglied?
Meiner Meinung nach ist der Zugang zu einem europaweiten Netzwerk entscheidend. Hier kann man sich bei Problemen oder Fragen, die man in seinem eigenen Land hat, an andere nationale Organisationen wenden und erhält wertvolle Inputs. Aber unsere Mitglieder tragen auch zum Aufbau kollektiven Wissens bei, zum Beispiel über Umfragen oder Beiträge im Newsletter «Fundraising Europe».
Welche Ziele verfolgt die EFA?
Die Vision der EFA ist es, die europäische Fundraising-Gemeinschaft mit einer Stimme, einem kollektiven Gremium und einem gemeinsamen Ziel zu vertreten, um ein besseres Fundraising zu ermöglichen. Das ist unser Leitmotiv.
Die Veranstaltung EFA Skillshare findet jährlich zusammen mit der Generalversammlung statt. Warum sollten Fundraiser:innen aus ganz Europa daran teilnehmen?
Es ist in erster Linie eine Veranstaltung für Führungskräfte im Fundraising, da wir uns auf strategische Fragen im Bereich Fundraising und Philanthropie konzentrieren. Für diejenigen, die daran interessiert sind, ein wenig über ihre eigene Organisation hinauszudenken, mit und von anderen zu lernen und sich auszutauschen, ist die EFA Skillshare eine ideale Gelegenheit.
Dieses Jahr findet das Treffen in der Schweiz statt. Wie ist es dazu gekommen? Mit anderen Worten: Warum wurde Zürich als Tagungsort gewählt?
Nun, erstens haben wir mit der Schweiz ein grossartiges EFA-Mitglied, und zweitens ist es zwanzig Jahre her, dass die ZHAW mit der Ausbildung in Fundraising-Management begonnen hat, was im europäischen Kontext einzigartig ist. Das Programm ist von der EFA Certification zertifiziert und hat uns bei der Entwicklung unseres Frameworks sehr inspiriert. Daher dachten wir, es wäre eine gute Gelegenheit, unsere Generalversammlung und die Skillshare Conference in Zürich durchzuführen.
Die EFA plant einen Ausbau ihrer Tätigkeit und ihrer Geschäftsstelle. Warum?
Nach mehr als zwanzig Jahren Tätigkeit stellt die EFA nun eine:n Executive Director ein, um die Organisation zu stärken und das Management sicherzustellen, das erforderlich ist, um eine grössere Wirkung in Europa zu erzielen und unsere Mitgliederbasis zu erweitern. Die EFA hat grosses Potenzial für Partnerschaften mit einer Reihe von Organisationen, die ähnliche oder verwandte Ziele wie die Stärkung der Zivilgesellschaft und des Spendenwesens in Europa verfolgen.
Zu Charlotte Rydh
Charlotte Rydh ist Präsidentin der EFA und Generalsekretärin von Give Sweden (ehemals Swedish Fundraising Council). Ursprünglich aus dem Hochschulbereich kommend, begann sie vor gut zwanzig Jahren mit dem professionellen Fundraising. Ihr Schwerpunkt lag vor allem auf Grossspenden, aber sie hat auch mit einer Reihe von Wohltätigkeitsorganisationen zusammengearbeitet, unter anderem in den Bereichen Gesundheitswesen, Forschung, Hochschulbildung, Jugend und Kunst. Im September 2016 trat sie dem Swedish Fundraising Council bei, wurde 2019 in den EFA-Vorstand berufen und ist seit Ende 2021 Präsidentin der EFA. Charlotte leitete zuvor den Zertifizierungsausschuss der EFA.
4. Kulturfundraising-Tagung am 13. November in Luzern
Die vierte Kulturfundraising-Tagung – eine gemeinsame Initiative von Swissfundraising und Zentrum für Kulturmanagement der ZHAW – findet am Mittwoch, 13. November (nachmittags ab 13 Uhr), im Luzerner Theater statt. Als Referent:innen und Gesprächs-partner:innen stehen bereits fest: Ina Karr, Intendantin des Luzerner Theaters, Michael Haefliger (Bild), Intendant des Lucerne Festivals, und Theresa Ackermann, Leiterin Fundraising & Sponsoring des Luzerner Theaters. Weitere Persönlichkeiten sind angefragt. Die Anmeldung ist möglich auf der Webplattform von Swissfundraising: swissfundraising.org


