19.07.2009

Letzte Chance für den "Blick"

Wie viel "Change" benötigt der "Blick" in seinem 50. Lebensjahr? Wenn man das drohende Defizit betrachtet, sehr viel. Doch Ringier hat seinen Obama gelernt. So präsentiert sich unsere Boulevardzeitung wieder als das, was sie per Definition eigentlich sein sollte: als gedruckte Räuberpistole. Vorbei die Zeiten des publizistischen Kuschelrocks, gefragt sind harte Töne: der Grenchner Dreifachmord als Fortsetzungsstory, eine Miss Schweiz, die zur "Miss untreu" mutiert, eine ahnungslose Sozialarbeiterin auf drei Seiten im Sado-Maso-Look. Was im Ringier-Ausland längst Usus, gilt in Krisenzeiten auch an der Heimatfront: Es darf wieder überspitzt und übergesaxt werden. Grenzen, so lehrt die reine Lehre des Boulevards, sind da, um überschritten zu werden. Die Medienkritiker Zimmermann und Rothenbühler jedenfalls freuts, auch die Verkaufszahlen schnellen in die Höhe, hapern tuts nur noch bei den Inseraten. Eine Geschichte mit Happy End? Wohl eher die letzte Chance. Zu verdanken ist die neue Handschrift Ralph Grosse-Bley, dem interimistischen Chefredaktor. Auch ein Paradox: Ausgerechnet im Jubiläumsjahr wird der "Blick" wieder von einem Deutschen repräsentiert. Doch Grosse-Bley ist kein Unbekannter: Er bescherte Ringier vor sieben Jahren – Borer sei Dank – nicht nur den spektakulärsten, sondern auch den teuersten Flop aller Zeiten. Wiederholt sich die Geschichte? Möglicherweise. Denn der "Blick"-Käfer weiss: Auch beim Anwalt der Sado-Maso-Sozialarbeiterin soll es sich um einen alten Bekannten handeln. Den ehemaligen Rechtsvertreter von Thomas Borer.

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