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28.06.2018

Fussball-WM

Deutsche trotz Debakel hip

Auf dem Spielfeld waren die Deutschen ein Flop. In den WM-Übertragungen sind sie total trendy.
von René Hildbrand

Was für ein dramatischer Mittwoch: Die Schweiz hat ihr Ziel erreicht – Achtelfinal! Für Titelverteidiger Deutschland ist die WM zu Ende. Mit ihrer erbärmlichen Leistung gegen Südkorea haben es unsere Nachbarn nicht besser verdient. Es ist die grösste Blamage in der deutschen WM-Geschichte. Ein Albtraum für Millionen von Fussballfans. «Wer jetzt noch etwas schönredet, nimmt Medikamente», sagte ZDF-Moderator Oliver Welke nach der historischen Niederlage der Deutschen.

Damit wären wir beim Fernsehen. Und da gehören ARD und ZDF zu den WM-Siegern. Im Gegensatz zu den verunsicherten deutschen Spielern überzeugen die beiden Sender in ihren Übertragungen und Analysen mit Leichtigkeit und Dynamik. Die meisten ihrer Fussballreporter getrauen sich etwas, sie kommentieren pfiffig, angriffig, selbstkritisch, pointiert. Kommentator Béla Réthy während dem peinlichen Spiel: «Das ist hier alles keine Zeitlupe, das sind reale Bilder.» Beifall auch für die Experten zu – von Oli Kahn bis Philipp Lahm.

Weltklasse: die Heimbasis der beiden Sender. Zum ersten Mal senden ARD und ZDF nicht aus Studios im Gastgeberland, sondern aus einem gemeinsamen, 750 Quadratmeter grossen Sendezentrum in Baden-Baden. Dadurch wir ein Millionenbetrag gespart. Ausserdem soll damit der nötige journalistische Abstand zur Veranstaltung symbolisiert werden. Faszinierend für die Zuschauer: die Augmented-Reality-Technik. Eine sieben Meter lange Krankamera kann 3-D-ähnliche Bilder von allen Spielern und den zwölf Stadien im Studio einblenden. Während eines Spiels hat die Regie die Wahl aus rund 40 verschiedenen Videoquellen in jedem Stadion. Die Leitung zwischen Russland und Deutschland verfügt über eine Leistung von zehn Gigabit – pro Sekunde!

Und wie agiert das Schweizer Fernsehen? Bei Grossveranstaltungen macht die SRF-Sportcrew insgesamt meist einen guten Job – auch diesmal bei der WM in Russland. Nur: Mir macht es halt einfach mehr Spass, bei den Deutschen zuzuschauen. Das Heimstudio am Leutschenbach ist erneut bieder eingerichtet. Manche Experten staubtrocken bis einschläfernd, allen voran Peter Knäbel. Und bei den Reportern in den Stadien sticht nur einer hervor: Sascha Ruefer. Aus dem früher von Zuschauern (sowie einigen seiner Chefs und Kollegen) häufig kritisierten Solothurner ist in den letzten Jahren ein reifer, topqualifizierter Kommentator geworden, der auch mit seinem Wortwitz zugelegt hat.

Schön, dass die Schweizer Fussballfans bislang nicht wehklagen müssen. Der deutsche Innenminister (und Sportminister) Horst Seehofer war nach dem bitteren Ausscheiden der Nationalelf am späten Abend Gast bei Sandra Maischberger und sagte: «Ein schwarzer, ein betrüblicher Tag, schwere Stunden für uns alle. Ich möchte trauern.» Über die Flüchtlinge und den Regierungsstreit redete der CSU-Vorsitzende erst danach.


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