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NZZ: Weisser Rauch von der Falkenstrasse

Es gibt Ereignisse, deren Ausgang im Überirdischen liegt. Die Wahl des Papstes gehört dazu, aber auch diejenige des NZZ-Chefredaktors. Wobei beim Ersteren weisser Rauch das Resultat verkündet, beim Letzteren lediglich eine simple Pressemitteilung wie am Mittwochmorgen.

Im Gegensatz zu den Bundesratswahlen, in denen die Kandidaten oder im aktuellen Fall die Kandidatin zumindest als solche bekannt sind, tappt man aber sowohl im Vatikan als auch an der Falkenstrasse vielfach im Dunkeln. «Weltwoche»-Medienkritiker Kurt W. Zimmermann muss man rückwirkend prophetische Fähigkeiten attestieren, zumal er Anfang Oktober den Namen des frisch gekürten Mark Dittli erstmals aus der Tiefe des Raums hervorzauberte und dem verblüfften Publikum als möglichen Nachfolger Eric Gujers präsentierte. Was damals noch unwahrscheinlich und als ein Produkt Zimmermannscher Fantasie erschien, da Mark Dittli die NZZ in seiner kurzen Funktion als Republik-Chefredaktor noch als Blatt «voll von schriller, geschichtstheologisch aufgeladener Faschismus-Rhetorik» bezeichnet haben soll.

Doch Zeiten ändern sich und Funktionen auch. Positiv zu vermelden ist aber, dass Dittli den Verwaltungsrat mit seinen publizistischen und führungsmässigen Qualitäten trotz dieses Zitats überzeugt haben muss. Oder – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – vielleicht gerade deswegen.

Der publizistische Erfolg der NZZ und die Reinkarnation als Weltblatt sind vor allem das Verdienst ihres jetzigen Chefredaktors Eric Gujer. Gerade in Deutschland stösst die Marke in bürgerlichen Kreisen auf immer grössere Sympathie und wird sogar im Kanzleramt gelesen. Im Frankfurter Hauptbahnhof – so konnte sich der Schreibende bei einem Kurzbesuch selbst überzeugen – liegt die gedruckte NZZ im wichtigsten Kiosk zuvorderst auf der Auslegestelle – und eben nicht die FAZ, was eigentlich naheliegend wäre 

In Anlehnung an Augsteins geniales Bonmot «Sagen, was ist» hat Guyer aus der schweizerischen NZZ ein brillantes Deutschland-Versteherblatt gemacht, das ohne Beisshemmung über die Brandmauer oder die AFD schreiben kann, ohne von einer publizistischen Moralkeule erschlagen zu werden. Oder frei nach Augstein: «Sagen, was andere nicht können.» Dass dies dem Verwaltungsrat trotz Erfolgsmeldungen manchmal auch unheimlich ist und Schamröte erzeugt, könnte ein Indiz für die Wahl Dittlis sein, der – wie seine Zeit als Republik-Chefredaktor zeigte – eine links-urbane Schlagseite hat.

Schade jedenfalls ist es für den ursprünglichen Kronfavoriten, den jetzigen NZZ-Auslandchef, ehemaligen Feuilletonleiter und Ex-Berlin-Korrespondenten Benedict Neff, der lange als logischer Nachfolger Guyers gehandelt wurde. Neff ist nicht nur ein brillanter Schreiber, er verfügt auch über jene publizistische Weitsicht, die für diesen Job unerlässlich ist. Das einzige Makel Neffs ist, dass er vielleicht zu lange als Kronfavorit gehandelt wurde. Solche Attribute können angreifbar machen. Wobei wir mit grossem Stolz vermerken, dass Neff seine journalistische Karriere vor 15 Jahren als Praktikant bei persoenlich.com startete.

Wir gratulieren jedenfalls dem neuen NZZ-Chefredaktor Mark Dittli zu dessen neuem Job. Im Gegensatz zum Papst wird seine Erfolgsbilanz aber nicht in geistlichen Sphären bemessen, sondern mit WEMF- und Klickzahlen. Und wie beim Weltblatt NZZ seit Eric Gujer üblich auch mit Reaktionen aus der ganz grossen Politik.

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