Die Gegner der SRG-Initiative setzen auf KI-Technologie als Trainingsmöglichkeit, um Menschen auf reale Gespräche im Abstimmungskampf vorzubereiten. Dazu hat die Stiftung für direkte Demokratie einen Chatbot entwickelt, wie sie in einem Blog-Beitrag auf ihrer Website schreibt.
Wer sich auf Debatten zur Halbierungsinitiative vorbereiten will, kann künftig mit drei virtuellen Personen diskutieren: Tina, Katrin und Marco stehen als KI-gesteuerte Gesprächscoaches rund um die Uhr zur Verfügung. Die von den Initiativgegnern lancierte Plattform soll Bürgerinnen und Bürger im Argumentieren für ein Nein zur Senkung der Medienabgabe trainieren. Ziel der Kampagne ist es, bis zum Abstimmungssonntag 100'000 persönliche Gespräche unter Menschen zu führen (persoenlich.com berichtete).
Drei unterschiedliche Charaktere
Die drei Coaches verkörpern unterschiedliche Persönlichkeiten und Schwierigkeitsgrade. Tina (25), eine Hebammen-Studentin aus Baden, gibt sich politisch interessiert, aber unsicher. Katrin (48), Bibliothekarin aus Köniz, argumentiert sachlich und lässt keine Widersprüche durchgehen. Marco (63), Betreiber eines Bed & Breakfast in Samedan, ist rhetorisch gewandt, liebt seinen Stammtisch und diskutiert pointiert, direkt und mit Humor – «bei ihm ist ein Patt schon ein Erfolg», wie es heisst.
Die Macher bezeichnen das Projekt als Pilotversuch. «Wir wollen herausfinden, wie KI heute eingesetzt werden kann, um politische Meinungsbildung in einer direkten Demokratie zu unterstützen – transparent, verantwortungsvoll und lernend», schreibt Daniel Graf von der Stiftung für direkte Demokratie. Die verwendeten System-Prompts, welche das Verhalten der virtuellen Coaches definieren, werden öffentlich zugänglich gemacht.
KI-Modelle von OpenAI im Einsatz
Technisch basiert das System auf verschiedenen KI-Modellen von OpenAI: gpt-4o-realtime für Echtzeit-Sprache, gpt-4.1 für Faktensuche und gpt-4o für die Bewertung der Gespräche. Die Coaches nehmen bewusst die Rolle von Befürwortern der Initiative ein und bringen Pro-Argumente wie «335 Franken sind einfach zu viel» oder «Die SRG ist aufgebläht und ineffizient».
Die Gespräche selbst werden nicht aufgezeichnet, es werden lediglich anonymisierte Metadaten wie Anzahl und Dauer erfasst. Inhaltlich stützen sich die KI-Coaches auf das offizielle Abstimmungsbüchlein sowie auf Argumente und Gesprächsleitfäden aus dem Trainingsbereich der Kampagne. (nil)

