Gründerin Jolanda Spiess gab die Auflösung am Mittwoch in einem Interview mit Radio SRF bekannt. Als Grund nennt der Verein die rasante technologische Entwicklung: «Wir sind von der Technologie überrannt», sagte Spiess. Generative KI produziere Hass, Deepfakes und Identitätsmissbrauch in einem Tempo, das mit den Mitteln eines privaten Vereins nicht mehr zu bewältigen sei. «Wir wissen nicht, wie wir uns als privater Verein da noch wehren sollen.»
NetzCourage war 2016 als erste spezialisierte Beratungsstelle für Betroffene von Cybermobbing, Deepfake-Pornografie und Identitätsmissbrauch in der Schweiz gegründet worden. Zu den Mitgründerinnen gehörte die ehemalige Zuger Grünen-Kantonsrätin Jolanda Spiess, die den Verein auch nach aussen hin vertrat. Laut eigenen Angaben hat NetzCourage in diesen Jahren mehrere hundert Betroffene beraten und Workshops sowie Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Vereinspräsident war Hansi Voigt.
Als weiteren Grund für die Auflösung nannte Spiess, dass der Verein selbst zur Zielscheibe von Angriffen geworden sei: «Wer sich mit uns gezeigt hat, geriet dann auch gleich wieder in den Fokus der Hater.» Partnerinstitutionen und Sponsoren seien mit Belästigungen konfrontiert worden, sobald eine Zusammenarbeit kommuniziert worden sei. Die Vereinsstruktur mit rund 1200 Mitgliedern und Spendenfinanzierung bezeichnete Spiess als ungeeignet für die gewachsene Aufgabe: «Die Bekämpfung von digitaler Gewalt kann unmöglich die Aufgabe eines privaten Vereins sein.»

