Das Taxi bestellen, ein Restaurant reservieren oder Zahlungen tätigen: User erledigen immer mehr alltägliche Dinge auf ihrem Smartphone. Was in der Schweiz verschiedene Apps erfordert, schafft in China eine einzige App: WeChat. Ursprünglich als chinesische Version von Whatsapp gehandelt, hat WeChat mittlerweile den Messenger-Dienst von Facebook punkto Funktionen und Usern überholt: Im März 2018 hat die chinesische App die Marke von einer Milliarde Nutzerkonten geknackt.
Mit WeChat chinesische Kunden abholen
Auch für Schweizer Unternehmen, die in den chinesischen Markt einsteigen möchten, sei ein Auftritt auf WeChat unabdingbar, sagt Markus Gut, CEO von Process. Die Branding-Agentur hat neben Zürich auch je eine Niederlassung in Taipeh und Shanghai. Gut führt aus: «WeChat ist das Kommunikationsmittel Nummer 1 in China. Die Möglichkeiten der App sind dank der bargeldlosen Bezahlfunktion schier unbegrenzt.» Um mit den chinesischen Kunden überhaupt in Kontakt zu kommen, müsse eine Firma auf der App vertreten sein. Denn die Unternehmen könnten mittels WeChat nicht nur über ihre Tätigkeit und ihr Angebot informieren, sondern ihre Produkte dank der integrierten Bezahlfunktion auch direkt verkaufen.
Heikle Datenschutzfrage
WeChat ist in den Schweizer Medien heftig kritisiert worden, weil die Mutterfirma Tencent die Daten ihrer Nutzer zu wenig schütze. Das Risiko sei gross, dass persönliche Informationen direkt bei der chinesischen Regierung landeten – selbst wenn man die App im Ausland brauche, so Patrick Walder, Datenschutz-Experte von Amnesty Schweiz, gegenüber dem SonntagsBlick. Das wirft die Frage auf, ob nicht Betriebsgeheimnisse in die Hände des chinesischen Regimes gelangen würden. Laut Gut ist das eine berechtigte Frage. Doch die gleiche Frage müssten sich auch Unternehmen stellen, wenn sie auf Kanälen von westlichen Anbietern wie Google oder Facebook aktiv seien. Die Frage sei vielmehr: «Will ich dabei sein oder nicht?»
Process unterstützt Firmen bei WeChat-Auftritt
Für Schweizer Unternehmen, die sich für einen WeChat-Auftritt entscheiden, gibt es gemäss Gut einiges zu bedenken. Dies beginne bereits bei der Sprache, denn die ganze App sei auf Chinesisch. Auch die Darstellung müsse auf die chinesischen Kunden zugeschnitten werden: «Ohne Kenntnisse der lokalen Eigenheiten ist es schlicht unmöglich, ein WeChat-Profil zu erstellen und zu pflegen.»
Die Branding-Agentur Process berät in ihrem Büro in Zürich ihre Schweizer Kunden, wie sie die App einsetzen könnten. Beispielsweise sei WeChat geradezu prädestiniert für Content Marketing, sowohl im B2B- als auch im B2C-Marketing. Unternehmen könnten schnell und einfach Kampagnen mit WeChat in Gang bringen und damit sehr viele App-User erreichen. Mit Verlinkungen zu Online-Shops könne über die App ein kompletter Webauftritt gestaltet werden. Neben dem Verlinken sei es auch möglich, einen WeChat-Shop anzulegen.

Die chinesischen Spezialisten von Process erstellen vor Ort das gewünschte Profil für das Schweizer Unternehmen und betreuen anschliessend den WeChat-Account. «Der absolute Vorteil ist, dass Schweizer Unternehmen hier mit uns sprechen können und wir sicherstellen, dass in China alles klappt», so der CEO von Process. Die Agentur hat schon einige Auftritte für Schweizer Unternehmen wie Sulzer und AEG kreiert.
Markus Gut schliesst nicht aus, dass WeChat auch die Schweiz erobern wird: «Wenn der Zahlmodus für WeChat in der Schweiz richtig funktioniert, sehe ich dafür eine grosse Zukunft im Schweizer Markt – mit all seinen Funktionen.» Bereits heute erhält Process immer mehr Anfragen von Schweizer Unternehmen, die für chinesische Touristen in der Schweiz einen WeChat-Auftritt brauchen.

