Der Umfang und die Unterschrift unterstreichen die Bedeutung des Dokuments. Auf der letzten von 17 Seiten steht die Signatur von SRG-Generaldirektorin Susanne Wille. Das «Reglement zur Nutzung Künstlicher Intelligenz in der SRG» geht damit deutlich weiter als die vergleichbaren Dokumente privater Medienunternehmen. Die Verlage dokumentierten in erster Linie den redaktionellen Einsatz von KI; wie sie mit maschineller Unterstützung Ideen, Bilder und Texte generieren – und vor allem: wie sie dies dem Publikum gegenüber deklarieren (persoenlich.com berichtete). In diesem für die Öffentlichkeit zentralen Punkt hält es die SRG mit der Mehrheit der anderen Medien: Der KI-Einsatz soll dann offengelegt werden, «wann immer dieser den Inhalt oder dessen Wahrnehmung massgeblich beeinflusst».
Gegen eine «übertriebene Etikettierung»
Diese Transparenz solle immer «der Klarheit und dem Vertrauen dienen und nicht eine übertriebene Etikettierung fördern, die ein falsches Bild erzeugen kann.» Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zur Forderung des Schweizer Presserats oder der Haltung der Republik, die eine konsequente Deklaration fordern, respektive praktizieren.
Der schiere Umfang des KI-Reglements der SRG lässt sich in mehrfacher Hinsicht erklären: Zuerst einmal handelt es sich um ein internes Arbeitsinstrument mit einem hohen Detaillierungsgrad. Weiter ist die SRG als öffentlich finanziertes Unternehmen mit einem Service-public-Auftrag ungleich stärker der Öffentlichkeit gegenüber rechenschaftspflichtig als eine private Firma. Und schliesslich positioniert Generaldirektorin Susanne Wille den Einsatz von KI «künftig auf der strategischen Ebene», wie sie jüngst an einer Personalinformation zum Strategie- und Sparprojekt «Enavant» sagte.
Tendenz zur Zentralisierung
Das Dokument zeugt zudem von der stärkeren Zentralisierung strategischer Prozesse der «neuen» SRG unter Willes Führung. Bisher war der KI-Einsatz auf Ebene von SRF, RTS, RSI und RTR geregelt. Seit 1. Juni gilt das SRG-weite Reglement. Den gleichen Schritt machte das Unternehmen zuvor schon mit den publizistischen Leitlinien, die neu formuliert ebenfalls einheitlich für die Journalistinnen und Journalisten der SRG in allen Sprachregionen gelten.
Das neue KI-Reglement solle es ermöglichen, «Innovationen für das Publikum und den Service Public verantwortungsvoll und in einem sicheren Rahmen voranzutreiben.» Was das genau bedeutet, schlüsselt das Dokument auf seinen 17 Seiten auf mit konkreten Handlungsanweisungen für das gesamte Personal von der Redaktorin bis zum Personalverantwortlichen. So dürfen etwa KI-generierte Bilder zur Beschleunigung interner Prozesse verwendet werden. Die Veröffentlichung KI-generierter fotorealistischer Bilder oder Videos, die echte Situationen darstellen, ist dagegen untersagt.
SRG denkt an Umwelt beim KI-Einsatz
Neben den praktischen Instruktionen für den Arbeitsalltag widmet sich das Reglement ebenso den gesellschaftspolitischen Dimensionen des KI-Einsatzes. Darin unterscheidet sich das SRG-Reglement am deutlichsten von den vergleichbaren Dokumenten der privaten Medienhäuser. Als einziges Unternehmen verankert die SRG den Umweltschutz explizit in ihren KI-Regeln. Das Unternehmen verpflichtet sich auf einer generellen Ebene dazu, «effiziente KI-Lösungen zu finden, zu entwickeln und einzusetzen, um die Umweltbelastung zu reduzieren». Weiter setzt die SRG KI dafür ein, um die Verständlichkeit und die Zugänglichkeit ihrer Angebote für das Publikum zu verbessern, beispielsweise durch automatische Untertitelung.
Und schliesslich will die SRG Doppelspurigkeiten vermeiden. «Der gezielte Einsatz von KI ist hier ebenfalls ein wichtiger Hebel», sagte jüngst dazu Moritz Stadler, seit 2026 Direktor Operationen der SRG. Die KI könne dabei helfen, gewisse repetitive Aufgaben zu automatisieren und das Personal von administrativen Aufgaben zu entlasten und die Prozesse effizienter zu machen, so Stadler weiter.
Die SRG selbst nennt ihr Reglement ein «lebendes Dokument»: Mindestens alle sechs Monate soll es unter der Leitung von Data & AI Business überprüft und weiterentwickelt werden. Die erste Überprüfung steht noch vor Ende Jahr an.

