21.10.2018

Replay-TV

Zeitversetztes Fernsehen wird erneut angegriffen

Die Fernsehsender fordern vom Nationalrat, das Replay-TV einzuschränken. Der Konsumentenschutz wehrt sich gegen den Vorstoss.
Replay-TV: Zeitversetztes Fernsehen wird erneut angegriffen
Dank Replay-TV die Lieblingssendung dann schauen, wenn es passt: Was die Konsumenten freut, ärgert die TV-Sender. (Bild: pixabay.com)

Das zeitversetzte Fernsehen ist bei Schweizer Konsumenten beliebt. Weil sie dabei allerdings vorwärts spulen können, überspringen sie oftmals die Werbung. TV-Sender wie SRF und RTL haben nun einen erneuten Angriff auf die Funktion gestartet, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt (Artikel kostenpflichtig).

Konsumentenschützerin warnt vor Folgen

An einer Sitzung der Rechtskommission des Nationalrats zum Urheberrechtsgesetz steht kommende Woche ein Antrag auf der Traktandenliste, der das zeitversetzte Fernsehen stark einschränken könnte. Gemäss dem Antrag dürften Telekomanbieter wie Swisscom oder UPC zwar noch zeitversetztes Fernsehen anbieten, dies jedoch «nur noch mit der Zustimmung und unter den Bedingungen der TV-Sender».

Der Inhalt des Antrags ist einem Schreiben zu entnehmen, das die Stiftung für Konsumentenschutz an die Kommission gerichtet hat und der «NZZ am Sonntag» vorliegt. «Die TV-Sender könnten so die Art und Weise definieren, wie das zeitversetzte Fernsehen genutzt wird», warnt Konsumentenschützerin Sara Stalder in der NZZaS.

Hohe Werbeeinbusse wegen Spulmöglichkeit

Stalder befürchtet, dass die TV-Sender verbieten würden, die Werbeblöcke zu überspulen, und dass sie höhere Abgeltungen verlangten. Die Interessensgemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF), zu der Sender wie ARD, ZDF, ORF, RTL, ProSieben, Sat 1 und die SRF gehören, bestreitet, dass sie das Replay-TV einschränken oder gar verbieten wollten. Die Sender hätten «ein grosses Interesse» an dieser Funktion.

Die Spulmöglichkeit führt zu einem hohen Verlust im TV-Werbemarkt. Laut einem von der IRF verfassten Papier betrug die finanzielle Einbusse 2017 110 Millionen Franken. Die Fernsehsender befürchten, dass die Qualität und die Vielfalt unter den sinkenden Werbeeinnahmen leiden würden. Stalder bezweifelt dies in der NZZaS.

TV-Sender nehmen zweiten Anlauf

Es ist der zweite Angriff der TV-Sender auf das zeitversetzte Fernsehen in diesem Jahr. Bereits im Sommer stellten sie eine ähnliche Forderung – zunächst mit Erfolg: Damals stimmte die Fernmeldekommission des Nationalrates einer Regelung zu, die für das zeitversetzte Fernsehen eine Zustimmung der TV-Sender verlangte (persoenlich.com berichtete). Doch nach heftigem Protest machte die Kommission den Passus wieder rückgängig.

Konsumentenschützerin Stalder kündet gegenüber der NZZaS Widerstand an: «Sollten die Sender mit diesem Antrag durchkommen, werden wir alle Hebel in Bewegung setzen, das zeitversetzte Fernsehen zu bewahren.» (pd/as)

 


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KOMMENTARE

Peter Frommenwiler
23.10.2018 11:21 Uhr
Der Ausfall wird noch grösser sein, wenn deswegen niemand mehr Fern sieht ...
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