Gut zwei Wochen nach der Katastrophe auf der Love Parade in Duisburg sind bislang 220 Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Sie richten sich im Wesentlichen gegen Verantwortliche des Veranstalters, die Stadt Duisburg und die Polizei. Dies teilten die Kölner Polizei und die Duisburger Staatsanwaltschaft am Dienstag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. "Wir stehen vor einer Flut von Daten", erklärte Polizeipräsident Klaus Steffenhagen. Daher sei auch die Ermittlungsgruppe um 20 Beamte auf insgesamt 83 aufgestockt worden.
Bis jetzt seien Daten mit einem Volumen von über 50 Terabyte beim Veranstalter, der Stadt Duisburg, der Feuerwehr Duisburg und der Polizei sichergestellt worden. Das seien Millionen von Dokumenten, die ausgedruckt tausende Aktenordner füllen würden. Über 900 Stunden Videomaterial aus Überwachungskameras insbesondere des Veranstalters, Handyvideos von Zeugen und Material von Medien müssten ausgewertet werden. Hinzu komme umfangreiches Fotomaterial unterschiedlichster Quellen. Zudem müssten mehrere hundert Zeugen befragt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits angekündigt, dass die Ermittlungen Monate dauern werden.
Am 24. Juli waren bei einer Massenpanik 21 Menschen getötet und über 500 verletzt worden. In der Kritik stehen die Stadt Duisburg mit Oberbürgermeister Adolf Sauerland und der Veranstalter Rainer Schaller mit seiner Firma Lopavent. Sauerland wird vorgeworfen, Sicherheitsbedenken gegen die Techno-Party ignoriert zu haben. Schaller soll sein eigenes Sicherheitskonzept nicht erfüllt haben. Schaller wie auch Sauerland beschuldigen dagegen die Polizei, Fehler im Einsatz gemacht zu haben. (sda)

