Herr Schärer, Ihre FDP-Kampagne wurde am Parteitag den Delegierten vorgestellt. Wie waren die ersten Reaktionen?
Die ersten Reaktionen waren sehr gut. Ich habe den Eindruck, die Kampagnenplattform «Für alle, die den Wecker stellen» ist breit akzeptiert. Diese kommt ja aus den Kreisen der FDP und hat sich bereits im letzten Jahr gut etabliert. Dies haben wir auch in den letzten Wochen und Monaten gespürt, etwa in Diskussionen mit dem Parteivorstand oder an der Parteipräsidentenkonferenz. Auch der neue Akzent im Auftritt mit neuer Schrift, Neugewichtung des Farbklangs und natürlich das entschlackte Logo wird sehr gut angenommen. Visuell und inhaltlich sprechen wir von einem Refresh. Es ist ja keine Neupositionierung der FDP, sondern der Fokus auf das Wesentliche.
Nun kommt die Kampagne bereits ein Jahr vor den nächsten National- und Ständeratswahlen. Ist dies nicht ein bisschen gar früh?
Die FDP ist tatsächlich eher früh dran, andererseits soll sich die Kampagne in diesem guten Jahr entfalten können. Ich denke da auch an Wahlen auf kantonaler Ebene, die teilweise früher anstehen. Der Wahlkampfleiter der FDP, Ständerat Damian Müller und Generalsekretär Jonas Projer sprechen immer davon, dass es jetzt darum geht, an die Systemrelevanz der FDP zu erinnern. Ich teile diese Einschätzung und deshalb ist auch das Timing richtig. Am Samstag haben wir natürlich noch nicht alle Massnahmen gezeigt.
Wen wollen Sie damit erreichen?
Im politischen Campaigning und insbesondere bei Wahlen gilt der Grundsatz, dass Sie möglichst viele Menschen erreichen. Ich denke, mit der Kampagnenplattform können sich viele Menschen identifizieren.
Die Message Ihrer Kampagne ist, dass alle, die morgens aufstehen, FDP wählen sollten. Reicht dies als Programm?
Es ist ja kein Programm, sondern eine Kampagnenplattform. Sie erlaubt es, die liberalen Positionen populär zu vermitteln. Zum Beispiel keine neuen Steuern – für alle, die den Wecker stellen. Oder mehr Lohn für alle, die den Wecker stellen.
Nun weiss man, dass die FDP gerade wegen der Europapolitik gespalten ist. Werden Sie dazu in Ihrer Kampagne auch noch eine Aussage machen?
Zur Programmatik müssen Sie die FDP befragen. Die FDP hat als ihre zentralen Themen Arbeit, Sicherheit und Infrastruktur festgelegt. Daran haben wir uns orientiert, als wir zusammen mit Damian Müller und dem FDP-Generalsekretariat unter Leitung von Jonas Projer die Kampagne entwickelten. Die FDP sieht hier aus liberaler Sicht den grössten Handlungsbedarf.
Wo schalten Sie Ihre Kampagne?
Der Film «La Suisse se réveille» wird an Openair-Kinos gezeigt und Adaptionen davon als Display Ads und natürlich in Social Media. Bezüglich allen weiteren Massnahmen, halten wir uns für den Moment noch etwas bedeckt.
Sie haben verschiedene Politkampagnen gemacht, sehr erfolgreiche gegen die Halbierungsinitiative oder für Operation Libero, weniger erfolgreiche wie für den Zürcher Stadtpräsidentenkandidaten Përparim Avdili. Wie viel kann eine Kampagne schlussendlich beeinflussen?
Es kommt drauf an, was man mit Kampagne genau meint. In meinem Verständnis ist eine Kampagne ein Zusammenspiel zwischen Botschaften, Personen und Logistik. Die ist bei der Halbierungsinitiative sehr gut gelungen, wie ich dies auch persoenlich.com im Nachgang an den 8. März sagte. Es geht darum, Atmosphäre und Ton so zu setzen, dass sie anschlussfähig sind, aber gleichzeitig klar positioniert. Letzteres bedeutet immer Abgrenzung. Weil Sie Përparim Avdili ansprechen: Man muss sich rückblickend fragen, ob dies in dieser Konstellation überhaupt hätte gehen können. Keine Kampagne zu führen würde aber bedeuten, der Konkurrenz einfach so das Feld zu überlassen. Um Ihre Frage zu beantworten: Ohne Kampagne geht es in den meisten Fällen nicht.
Wie viel Geld steht Ihnen für die ganze FDP-Kampagne zur Verfügung?
Die Budgets sind noch nicht festgelegt. Klar ist, dass der Löwenanteil von den Kandidatinnen und Kandidaten individuell getragen werden wird. Ihre Wahlkampf-Massnahmen werden im ganzen Land den Grossteil der Sichtbarkeit ausmachen.
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30.06.2026 08:36 Uhr


