15.05.2011

Eurovision Song Contest

Aserbaidschan gewinnt

Schweiz ist Schlusslicht.

Das Duo Ell und Nikki aus Aserbaidschan hat den Eurovision Song Contest 2011 gewonnen. Die Baslerin Anna Rossinelli wurde abgeschlagen letzte. Wie die am Sonntag veröffentlichten Zahlen belegen, war auch ihr bejubelter Einzug ins Finale nur ganz knapp erfolgt. Rossinelli qualifizierte sich mit ihrem Song "In Love for a While" im ersten Halbfinal mit 55 Punkten vor Malta und Armenien mit 54, die damit knapp nicht weiterkamen.

Der letzte Platz im Final war dennoch ungerechtfertigt und dem Umstand zu verdanken, dass die Schweiz seit Jahren im ESC keine Verbündeten hat. Punkte gab es 10 von Grossbritannien, 5 von Serbien und 4 von der Slowakei. Deutschland und Österreich schaufelten sich gegenseitig Höchstwerte zu, liessen die Schweiz aber links liegen. Andere Allianzen wie Skandinavien, Mittelmeerraum und Osteuropa funktionierten gut. Für die drei Erstplatzierten Aserbaidschan, Italien und Schweden spielten sie aber eine untergeordnete Rolle: Diese Länder bekamen Punkte aus allen Gegenden Europas.

Der Sieg für Aserbaidschan kam nicht unerwartet; seit der ersten ESC-Teilnahme 2008 war das Land immer unter den Top Ten, 2009 sogar auf dem dritten Schlussrang. Auch in den Wetten wurde ihrer Pop-Ballade "Running Scared" ein Platz unter den Top Ten prophezeit, ebenso wie dem Schweden Eric Saade, der mit "Popular" den dritten Schlussrang belegte. Dem zweitplatzierten Italien, das nach 14 Jahren Abstinenz zum ESC zurückgekehrt ist, traute hingegen niemand einen vorderen Platz zu. Die Piano- Swingnummer "Madness of Love" von Raphael Gualazzi ist eigentlich zu anspruchsvoll für die Träller-Europameisterschaft.

Eine Überraschung war auch der vierte Platz für die Ukraine. Mehr als Mika Newtons Song "Angel" dürfte die Zuschauer die Sandmalerei von Ksenija Symonowa fasziniert haben, die live auf das Bühnenbild projiziert wurde.

Enttäuschte Favoriten

Zu den bösen Überraschungen gehört der 15. Platz für Frankreich. Das korsisch gesungene "Sognu" des angeblich "weltweit jüngsten Berufstenors" Amaury Vassili führte die Wetten seit Beginn an. Dass die in den letzten Tagen gehypten irischen Zwillinge Jedward mit ihren Staubwedel-Frisuren und Space-Glamour-Kostümen nur achte wurden, war musikalisch schon eher gerechtfertigt.

Mit dem zehnten Platz wurde auch die deutsche Titelverteidigerin Lena in ihre Schranken verwiesen. Die düster geschminkte "femme fatale" nahm man der 19- Jährigen nicht ab und auch stimmlich überzeugte sie - im Gegensatz zur Schweizerin Rossinelli - nicht.

Mitternachtsparty

Für Rossinelli und ihre Mitmusiker Georg Dillier und Manuel Meisel ist der Fall umso schmerzlicher, weil seit ihrem Finaleinzug am Dienstag - dem ersten für die Schweiz seit 2006 - die Medien übermässig Erfolgsdruck ausübten. Selbst Stefan Raab habe ihnen einen Platz unter den Top Ten prophezeit, sagte Rossinelli "20 Minuten". Waren die drei ursprünglich schon mit der Qualifikation glücklich, wollten sie schliesslich gewinnen, wie sie "20 Minuten" sagten. "Ich habe geweint", vertraute Rossinelli dem "Tages-Anzeiger" an.

Dass der Entscheid, das Trio an den ESC zu schicken, richtig war, hat das Schweizer Fernsehen schon vor dem Final anerkannt: Für den nächsten Wettbewerb wird dasselbe Mischverfahren aus Internet- und Jury-Abstimmung angewendet wie letztes Jahr. Der Schweizer TV-Vorentscheid ist für den 10. Dezember 2011 programmiert. Der nächste ESC findet in Baku statt - voraussichtlich am 22., 24. und 26. Mai 2012. Die kleine Republik am Kaspischen Meer liegt in der Zeitrechnung drei Stunden vor Mitteleuropa. Sollte man an der Sendezeit ab 21 Uhr MEZ festhalten, würde das Live-Event um Mitternacht Ortszeit beginnen. (sda)


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