10.10.2012

Buchmesse

Blick in die Zukunft der Mediennutzung

Tablets werden E-Reader ablösen.

Wer dieser Tage durch die Frankfurter Buchmesse spaziert, bekommt unter anderem eine Ahnung davon, wie Mediennutzung künftig aussehen könnte.

Da gibt es zum Beispiel das amerikanische Unternehmen Slicebooks: Es bietet die Möglichkeit, einzelne Passagen aus E-Books sozusagen herauszuschneiden, mit anderen Textbausteinen zu kombinieren und so ein individuelles Buch zusammenzustellen. Interessant dürfte das Angebot vor allem für Leser von Sach- oder Fachbüchern sein, die sich für spezialisierte Themengebiete interessieren. Total Boox, eine israelische Firma, die im Januar 2013 an den Start geht, bietet Lesern an, nur für die Seiten zu zahlen, die sie auch tatsächlich gelesen haben. Dafür wurde eine Technik entwickelt, nach der das Bezahlsystem erst aktiviert wird, wenn sich jemand länger als fünf Sekunden auf einer Seite aufhält. Acht Techniker hätten ein Jahr lang an der Idee gearbeitet, erzählt Geschäftsführer Yoav Lorch.

Bislang haben vor allem kleine und mittlere Verlage ihre Zusammenarbeit mit Total Boox signalisiert. "Unser Modell ist gut für den Leser und nicht unbedingt gut für Verlage", weiss Lorch. Dahinter stecke die Idee: "Wenn Sie ein Buch nur halb lesen, zahlen Sie auch nur die Hälfte." Der Unternehmer glaubt, dass sich das Konzept für den Kunden vor allem bei Fachbüchern anbietet. Lesen nach Mass Der US-Buchhändler Barnes & Noble bringt gerade zwei neue Nook-Tablets auf den Markt, die auch als Lesegeräte genutzt werden können. Verschiedene Nutzer können dort ihr jeweils eigenes Profil anlegen.

Eine Kontroll-Funktion erlaubt Eltern, den Medienkonsum ihrer Kinder zu überwachen und beispielsweise eine Kostenobergrenze festzulegen, um zu verhindern, dass der Nachwuchs allzu sorglos kostenpflichtige Inhalte herunterlädt, wie Claudia Romanini Backus von Nook sagt.

Tablets, da ist sich die Branche sicher, werden in den nächsten Jahren herkömmliche E-Reader ablösen. Das stellt auch Verlage vor neue Herausforderungen. Ihre Kunden wollen womöglich eine Geschichte nicht nur lesen, sondern auch einen kurzen Film dazu sehen, Musik hören und sich über die Geschichte austauschen, etwa in sozialen Netzwerken. Verlage könnten entsprechende Links auf ihren Websites zur Verfügung stellen. Auf die Vielzahl der Möglichkeiten sind viele Firmen unzureichend vorbereitet. Sie habe sich die Internetseiten einiger Verlage angeschaut und fast überall festgestellt: "Der Verlag teilt mir wenig mit", sagt Sonja Vogt, die mit ihrer Firma Content Kitchen Konzepte für Ausstellungen entwickelt. (sda/dpa)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen