Peter Röthlisberger, zum ersten Mal seit seiner Freistellung als Eishockey-Natitrainer hat Patrick Fischer ein längeres Interview gegeben (persoenlich.com berichtete). Wie kam es dazu?
Die Agentur Signorell GmbH von Riccardo und Dayana Signorell ist von Patrick Fischer für die Produktion des Interviews angefragt worden. Riccardo ist ehemaliger Hockeyprofi. Ausserdem kommt ihr Dokfilm «Spirit of Hockey» im Herbst in die Kinos. Also die richtige Adresse. Wir kennen uns gut und haben bereits zusammen gearbeitet. Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut.
Also ist Patrick Fischer der Auftraggeber des Interviews?
Ja. Patrick wollte seine Sicht der Dinge darlegen. Fairerweise erst nach der Eishockey-WM, damit niemand vom grossen Ziel abgelenkt wird.
Kannten Sie sich schon vor dem Interview persönlich?
Nein, wir kannten uns nicht.
Ombudsfrau Esther Girsberger ist seit Jahren für das Referats-Management von Patrick Fischer zuständig. War sie auch involviert?
Ja*. Patrick Fischer und sie arbeiten zusammen.
Ich nehme an, die Fragen, die Sie stellen konnten, waren eng mit Patrick Fischer abgestimmt …
Ich hatte grosse Freiheiten. Patrick hat seine Sicht in einem Vorgespräch dargelegt, ich habe die Fragen für das Interview formuliert. Patrick und sein Management haben kaum etwas daran geändert. Sie sind sehr offen und souverän an die Situation herangegangen.
Konnten Sie kritische Nachfragen stellen?
Ja, klar. Für niemanden wäre eine reine Auftragsarbeit spannend. Auch Patrick Fischer würde sie nichts bringen.
Wurden Stellen aus dem geführten Interview vor der Publikation herausgeschnitten?
Wir haben eine Stunde Videomaterial aufgezeichnet. Dem Team um Riccardo Signorell ist es gelungen, den Talk so zu schneiden, dass nichts von der Substanz verloren gegangen ist.
In Ihnen schlägt auch ein Journalistenherz. Sie hatten nie das Gefühl, dass Sie PR für Patrick Fischer machen?
Nein. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die Affäre medial sehr einseitig dargestellt wurde. Was sich im Interview auch deutlich zeigt. Das ist journalistische Aufklärungsarbeit.
Welche Antwort von Patrick Fischer hat Sie am meisten überrascht?
Dass es eine E-Mail von SRF-Journalist Pascal Schmitz an Finn Sulzer, Medienchef des Schweizer Eishockeyverbands, gibt, in dem er von einer Off-the-Record-Vereinbarung schreibt**. Das verändert die ganze Geschichte.
Was für einen Eindruck hatten Sie von Fischer?
Patrick Fischer ist sehr souverän und extrem angenehm in der Zusammenarbeit. Auch aus diesem Grund ist er sportlich so weit gekommen.
Hat sich Ihre Meinung zum Fall Fischer nach dem Interview verändert?
Eine kleine Anekdote dazu: Ich war mit fünf befreundeten Journalisten in Paris, als Patrick Fischer freigestellt wurde. Wir haben diskutiert, wer die Geschichte gebracht hätte zu diesem Zeitpunkt. Nur einer von uns hätte es getan. Ich nicht. Ich habe auch als Blick-Chefredaktor nie alles zu einer Geschichte gemacht, das an mich herangetragen wurde. Zur Aufgabe eines Journalisten gehört auch die Abwägung, was eine Geschichte bringt und wem sie schadet. Und wann man sie bringt. Meine Meinung zum Fall hat sich durch das Interview nicht geändert. Ich finde es nach wie vor sehr schade, dass Patrick Fischer sein Team nicht coachen durfte an der WM.
* Die Aussage von Peter Röthlisberger ist missverständlich. Esther Girsberger sagt auf Anfrage von persoenlich.com, dass sie nicht an der Entstehung des Interviews beteiligt war und grundsätzlich keine PR-Aufgaben für Patrick Fischer übernimmt.
** Auf Anfrage von persoenlich.com hat SRF die Darstellung Fischers widersprochen. SRF hält fest, dass Schmitz in der E-Mail lediglich auf eine nachträgliche Forderung des Verbands Bezug genommen habe – eine vorgängige Off-the-Record-Vereinbarung sei damit nicht bestätigt worden.
Peter Röthlisberger hat die Fragen schriftlich beantwortet.

