08.07.2013

Literatur

Der Bachmann-Preis bleibt

Sichere Zukunft und würdige Gewinnerin.

Die Proteste der Literaturwelt haben sich bezahlt gemacht. Der Ingeborg-Bachmann-Preis fällt nicht dem Rotstift zum Opfer. Nach dieser frohen Botschaft am Sonntagmittag ging die würdige Preisträgerin 2013, die aus der Ukraine stammende Deutsche Katja Petrowskaja etwas unter.

Der ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eröffnete die Preisverleihung mit den Worten: "Der Bachmann-Preis bleibt." Die Veranstaltung werde weiterhin in Klagenfurt stattfinden und live auf 3sat sowie im Internet übertragen. Der ORF trug bislang die Veranstaltungskosten von rund 350'000 Euro. Sponsoren sollen künftig bei finanzielle Engpässe helfen.

Für viel Applaus und Begeisterung im Publikum sorgte aber nicht nur die sichere Fortsetzung des bekannten Lesefestes. Schon im ersten Wahlgang einigte sich die Jury auf die neue Bachmann-Preisträgerin: Petrowskaja habe in ihrem Text "Vielleicht Esther" eine eindrucksvolle Erinnerungsreise zu einer jüdischen Urgrossmutter ins Kiew von 1941 vorgelegt.

"Gute Literaten zeigen im Individuellen das Allgemeine", sagte die Schweizer Jurorin Hildegard Keller, die Petrowskaja eingeladen hatte. Bei der Lesung habe es Tränen der Rührung im Saal gegeben. Als äusserst gelungene "Aneignung der Vergangenheit durch die Nachgeborenen" beschrieb der Juryvorsitzende Burkhard Spinnen den Text. Petrowskaja sei eine würdige Nachfolgerin der in Russland geborenen Vorjahressiegerin Olga Martynova.

Keine Schweizer Kandidaten
Die 37. "Tage der deutschsprachigen Literatur" brachten noch weitere Gewinner hervor: So bekam die in Berlin lebende Autorin Verena Güntner den Kelag-Preis in Höhe von 10'000 Euro für "Es bringen". Den 3sat-Preis in Höhe von 7500 Euro gewann der in Hamburg lebende Autor Benjamin Maack für "Wie man einen Käfer richtig fängt".

Der Ernst-Willner-Preis der Verlage in Höhe von 5000 Euro ging an den in München geborenen Heinz Helle für "Wir sind schön". Er gab zwar Biel als Wohnort an, weil er dort das Literaturinstitut besucht hatte, startete aber für Deutschland. Schweizer waren erstmals keine im Rennen.

Die Zuschauer kürten in der Online-Abstimmung die Österreicherin Nadine Kegele für "Scherben schlucken" zur Trägerin des Publikumspreises, der mit 7000 Euro dotiert ist.

Und dennoch eine Schweizer Premiere
Der Schweizer Juror Juri Steiner machte bei seiner Premiere in Klagenfurt eine gute Falle: Er zeigte sich eloquent, einfühlsam und begeisterungsfähig. Er äusserte sich auch sehr angetan vom Wettbewerb. Er würde gerne wiederkommen, sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA, "wenn ich eingeladen werde". (sda)


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