Christian Jungen, hatten Sie schon immer davon geträumt, irgendwann als Miteigentümer die volle Verantwortung für das ZFF zu übernehmen?
Ich habe das ZFF schon in den letzten sechs Jahren unternehmerisch geführt. Wir hatten in dieser Zeit einen Eigenfinanzierungsgrad, der zwischen 85 und 93 Prozent lag. Ich träumte tatsächlich schon zu meiner Zeit als Journalist davon, den Schritt vom Angestellten zum Unternehmer zu machen, ich habe auch viele Bücher darüber gelesen. Ich hatte aber als Kulturchef der NZZ am Sonntag einen Traumjob und bin dann zum nächsten Traumjob als Artistic Director beim ZFF gewechselt. Daher gab es keinen Anlass, diesen Schritt zu tun. Nun hat sich die Möglichkeit ergeben, und die habe ich zusammen mit Reta Guetg, Max Loong, Felix E. Müller und Marek Skreta beim Schopf gepackt.
Konnten Sie und Ihre Geschäftspartner dank der langjährigen Verbindung zur NZZ das Festival zu einem Freundschaftspreis übernehmen?
Wir haben einen fairen Preis bezahlt, über die Höhe machen wir keine Angaben.
«Am Markt überleben jene, die ein starkes Angebot haben, das die Leute zufriedenstellt»
Wie gross ist der Druck, weitere Partner zu finden, um das ZFF finanziell stabil aufzustellen?
Der Druck ist gross – und gesund. Am Markt überleben jene, die ein starkes Angebot haben, das die Leute zufriedenstellt. Sponsoringgelder sind generell rückläufig, das bekommt ja sogar König Fussball zu spüren. Mein Herzverein GC hatte letzte Saison keinen Trikotsponsor. Alle Mitglieder unserer Eigentümerschaft werden sich engagieren, und das beste Argument, künftig das ZFF zu unterstützen, wird eine tolle Ausgabe im Herbst 2025 sein.
Bleiben institutionalisierte Verbindungen zur NZZ bestehen?
Die NZZ bleibt noch drei Jahre Main Partner, was ein starkes Signal für andere Partner ist. Auch wird sie Medienpartner bleiben. Aber sie ist jetzt nicht mehr Besitzerin des Festivals. Ich selber hatte 16 sehr bereichernde Jahre im Hause NZZ; zehn davon als Journalist der NZZ am Sonntag und sechs als Direktor des ZFF. Ich verspüre schon ein wenig Trennungsschmerz, denn die drei Buchstaben NZZ sind für mich mehr als nur eine Zeitung: Es ist eine Institution, ein Weltblatt, das ich seit dem Gymi jeden Morgen lese. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich als Arbeiterkind aus dem Block an der Falkenstrasse 11 eine Chance bekommen habe.
Was merkt das Publikum von der neuen Eigentümerstruktur bei der nächsten Ausgabe?
Max Loong wird die Opening Night moderieren und grosse Galapremieren mit Hollywoodstars. Felix E. Müller wird sicher auch einige Diskussionen leiten, und Reta und mich wird man ebenfalls in Aktion sehen. Aber am meisten soll das Publikum merken: Das Programm wird von Leuten verantwortet, die das Kino lieben und die besten Filme des Jahres nach Zürich bringen.
«Wir haben überall Fürsprecher, und viele Filmschaffende wollen gerne nach Zürich kommen»
Das ZFF konnte unter Ihrer Leitung wachsen, trotz Pandemie und Streiks in Hollywood. Ist das ZFF zum Selbstläufer geworden?
Wir fangen bei der Programmarbeit jedes Jahr wieder bei null an. Kein Film ist gesetzt, kein Star bestätigt. Aber in der Tendenz wird es immer etwas leichter für uns, tolle Premieren zu bekommen, weil man uns nach 21 Jahren halt sehr gut kennt in Hollywood, Paris und München. Wir haben überall Fürsprecher, und viele Filmschaffende wollen gerne nach Zürich kommen, auch weil unsere Stadt am See so schön und übersichtlich ist.

