04.02.2024

Izzy Projects

«Der Film ist im Izzy-Style gemacht»

Social-Media-Star Cedric Schild und sein Team von Izzy Projects wagen sich an ein Langformat. Im Interview erzählt er, warum er Enkeltrickbetrügern an den Kragen geht und wie viel Journalismus in seinem Film steckt. Zudem spricht er über sein neues Bühnenprogramm.
Izzy Projects: «Der Film ist im Izzy-Style gemacht»
«Wir suchen immer, wem wir auf den Schlips treten können»: Cedric Schild. (Bild: zVg)
von Sandra Porchet

Cedric Schild, Sie sind ein Meister des Telefonstreichs. Und dabei imitieren Sie häufig eine alte Männerstimme. War Super-Cedi prädestiniert, um Enkeltrickbetrügern das Leben schwer zu machen? Oder wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Es lag nicht nur an meiner Fähigkeit, die alten Männerstimmen nachzumachen, sondern an den Fähigkeiten des ganzen Izzy-Teams hinter dem Projekt. Wir suchen immer nach dem, was schiefläuft. Oder welche Person oder Organisation es verdient hätte, dass man ihnen auf den Schlips tritt. Das Thema Enkeltrickbetrug hatten wir schon vor ein paar Jahren auf dem Schirm. Wir wollten einen von den Geldabholern der Enkeltrickmafia zu uns bestellen. Damals war das technisch aber noch nicht möglich.

Was war das Problem?
Man kann die Enkeltrickbetrüger nicht einfach anrufen und probieren, sich über den Tisch ziehen zu lassen. Man muss es schaffen, dass sie dich anrufen. Dafür mussten wir viele Telefonnummern eintragen, was früher nicht möglich war.

Habt ihr von Beginn an gewusst, dass es aus dem Experiment einen Film geben würde?
Nein. Nach drei oder vier Monaten haben wir es geschafft, den ersten Betrüger zu überführen. Da dachten wir: Jetzt haben wir unser Video eingetütet. Aber die Enkeltrickbetrüger haben nicht aufgehört anzurufen. Wir haben also weiter telefoniert, weitere Leute verhaftet, weiter recherchiert. Dann haben wir angefangen, mit Ermittlern und Betroffenen zu reden. Wir haben gemerkt, dass das Thema riesengross ist, dass unglaublich viel Geld erbeutet wird. Mit der Zeit haben wir so viel gutes Material gehabt und uns entschieden, einen längeren Film daraus zu machen.


 

Vom Enkeltrickbetrug sind ja vor allem ältere Leute betroffen. Also nicht wirklich das Profil der Izzy-Follower. Der Film ist auch mit Unterstützung von Pro Senectute entstanden. Warum soll ihn ein jüngeres Publikum schauen?
Der Film ist im Izzy-Style gemacht. Er ist unterhaltsam und hat, wie viele unserer Videos, eine Message, weil das Thema ernst ist. Wir bringen es aber mit Lockerheit, Klamauk und Witz. Viele Leute fallen immer noch auf den Enkeltrickbetrug rein. Und jeder junge Mensch hat auch ältere Personen im Umfeld wie eine Grosi und mit denen sollte man darüber sprechen. Oder noch besser, den Film mit ihnen schauen.

Muss der Ton leicht und lustig sein, um ein junges Publikum anzusprechen?
Ich glaube nicht, dass er muss, aber in unserem Fall wird das wohl von uns ein bisschen erwartet. Und das ist auch, wie wir unsere Inhalte gerne machen, unser Markenzeichen. Es ist unsere spezielle Art, wie wir wichtige und schwere Themen transportieren, dass sie von den Jungen gerne geschaut werden. Das Thema Enkeltrick bietet sich super dafür an.

Der Enkeltrickbetrug ist schon lange bekannt. Was trägt der Film Neues bei?
Natürlich gibt es viel Prävention zum Enkeltrick. Viele Menschen denken: «Mir würde das nie passieren.» Der Film zeigt aber, dass man die Maschen nicht unterschätzen darf. Wenn das Telefon läutet und auf der anderen Seite die Staatsanwaltschaft dran ist, und vorher noch dein Kind, das dir sagt, dass es einen schlimmen Autounfall hatte, was macht das mit dir als Mensch? Du fällst in eine Schockstarre und man wird verwundbar für den Betrug.

«Wir haben bis zu drei Anrufe pro Woche von Betrügern erhalten»

In den 80 Minuten lernt man sehr viel über die Betrugsmaschen. Was hat euch am meisten erstaunt während der Recherche?
Wir haben bis zu drei Anrufe pro Woche von Betrügern erhalten. Das heisst, dass jeden Tag Tausende von Telefonaten in der Schweiz getätigt werden. Da ist uns aufgefallen, dass es ein riesiges Problem ist. Die Dunkelziffer von Menschen, die Geld verloren haben und sich zu fest schämen und gar nicht zur Polizei gehen, muss gross sein. Letztes Jahr sind allein im Kanton Zürich 5,8 Millionen Franken so verschwunden, und das ist nur von den gemeldeten Fällen.




Ihr deckt auf, wie die Schockanruf-Betrüger operieren. Ihr habt es sogar geschafft, fünf Geldabholer verhaften zu lassen. Die Verarscher werden zu den Verarschten. Im Film präsentiert ihr euch als «fünf Journalisten aus Zürich». Wo ordnet ihr eure Arbeit ein: Ist es Journalismus mit Humor oder Streich mit Mehrwert?
Beides. Auf der einen Seite haben wir lustige Elemente, wie wir die Betrüger an der Nase herumführen. Wir zeigen die verschiedenen Maschen auf, das hat man, so glaube ich, noch nirgends gesehen. Und auf der anderen Seite haben wir recherchiert, wie andere Journalistinnen und Journalisten auch. Wir haben mit Betroffenen gesprochen, die viel Geld verloren haben, Interviews geführt, mit Ermittlern geredet. Wir haben Informationen von den Behörden angefordert. Es steckt also sehr viel Journalismus im Film drin, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht.


In Deutschland decken die Undercover-Reporter vom «Team Wallraff» schwere Missstände auf. Ist das ein Vorbild für euch?
Wir schauen schon, was die anderen machen. Ich persönlich schau gerne Wallraff. Unsere Herangehensweise ist etwas anderes, aber das ist auch themenbedingt.

Den Film kann man für 3.90 Franken auf der Website enkeltrickbetrueger.ch streamen. Die technische Hürde ist für die älteren Semester womöglich hoch. Wird er auch auf konventionellen Kanälen zu sehen sein?
Bis jetzt ist eine Fernsehübertragung nicht geplant. Für uns ist das Pay-per-view-Modell auch ein Experiment. Aber wenn jemand es schafft, sich durch die Paywall vom Tagi durchzuklicken, dann schafft man es auch, unseren Film zu schauen. Ebenfalls ist der Film bei Blick+ verfügbar.

Sie scheinen einen guten Draht zu älteren Leuten zu haben. Viktor Giacobbo führt die Regie bei Ihrer neuen Bühnenshow. Die ersten Vorstellungen haben letzte Woche stattgefunden. Wie waren die Reaktionen?
Wir sind noch in der «Try-out»-Phase. Das heisst, wir probieren das Programm vor einem kleinen Publikum aus. Das erste Mal war am Samstag vor einer Woche im Kleintheater Luzern. Es waren 250 Leute da. Sie haben Freude gehabt und gelacht. Aber es müssen noch ein paar Sachen angepasst werden vor der Premiere, am 21. März im Casinotheater Winterthur. Und ich lerne natürlich mit jeder Vorstellung dazu.

«Es gibt viel Interaktion mit dem Publikum»

In der Show lassen Sie bekannte Charaktere von Ihnen auftreten. Es gibt auch journalistische Beiträge und Interaktion mit dem Publikum. Improvisieren Sie?
Es gehört ein bisschen zu meinem Naturell, dass nicht alles eins zu eins vom Papier abgelesen wird. Es gibt viel Interaktion mit dem Publikum. Das kann man vorher nicht gut planen. Es ist immer ein bisschen Improvisation dabei. Wie Sie wissen, bin ich nicht abgeneigt, ältere Männerstimmen nachzumachen und in eine Rolle zu schlüpfen. Das heisst, ich spiele auch die eine oder andere Figur auf der Bühne und verkleide mich.

Sie erzählen auch von Ihrem Leben.
Ja, es gibt auch viele Stand-up-Elemente, wo ich auch ein bisschen aus meinem Privatleben erzähle: was ich zum Beispiel alles mit der Polizei erlebe oder zu meinen Frauengeschichten. Und wahrscheinlich gibt es bei einigen Menschen die Erwartungshaltung, dass meine Show eine Message haben muss. Dementsprechend haben wir auch hier einen journalistischen Teil eingebaut.

Wie bringt man einen journalistischen Inhalt auf die Bühne?
Man nimmt einen Sachverhalt, von dem man denkt, dass er wichtig ist und dass die Leute darüber Bescheid wissen müssen, und redet drüber. Aber kommt das Programm schauen und findet es raus.

Das würde ich gerne, aber es ist leider ausverkauft.
Auf den Herbst kommen neue Spieldaten raus und entsprechend auch weitere Tickets. Diese sollten ab März auf cedischild.ch verfügbar sein.

Der US-Comedian Hasan Minhaj hat kürzlich einen Backlash erlebt, weil er laut dem New Yorker nicht ganz faktentreu von seiner Erfahrung als Muslim in Amerika auf der Bühne erzählte. Wenn Sie von Ihrem Leben erzählen, wie wichtig ist der Wahrheitsgehalt?
Man muss schauen, in welchem Setting man etwas erzählt. Bei journalistischen Beiträgen, wie beispielsweise dem Enkeltrickbetrüger-Film, müssen die Fakten und der Inhalt natürlich stimmen. Es ist anders, wenn ich auf einer Bühne stehe und von einem Date mit einer Frau in einem Restaurant erzähle. Diese Mündigkeit muss man dem Zuschauer zusprechen, dass er dazwischen unterscheiden kann. Was auf der Bühne erzählt wird, stimmt logischerweise nicht 100 Prozent. Es wird geschrieben, man sucht nach einer Pointe.

Aber basieren die Anekdoten auf Wahrem?
Absolut. Die Grundidee vom Stand-up ist, dass es echt ist. Bei einer Nummer habe ich sogar einen Videobeweis, dass meine eher unwahrscheinliche Geschichte wirklich so passiert ist. Und dann gibt es auch Elemente, die offensichtlich erfunden sind, aber lustig. Man kann sich selbst eins und eins zusammenzählen.

Mit dem Izzy-Team produzieren Sie auch regelmässig gesponserte Videos. Sehen Sie da keine Gefahr, dass journalistische Inhalte und Werbung vermischt werden?
Unsere Werbevideos sind auch echt. Die Geschichte ist echt, es steckt einfach ein Sponsor dahinter, der das Video mitträgt. Aber die Geschichten sind gleichwertig.



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