Das Bundesamt für Kultur (BAK) erhält eine national bekannte Politikerin als neue Chefin. Die Freiburger Staatsrätin und EDK-Präsidentin Isabelle Chassot ist am Mittwoch vom Bundesrat zur Direktorin des Bundesamtes ernannt worden.
Die 48-jährige Chassot tritt am 1. November die Nachfolge von Jean-Frédéric Jauslin an. Dieser hatte seinen Rücktritt Mitte Februar angekündigt. Künftig wird er als Botschafter in Paris die Schweiz bei der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) repräsentieren.
Die CVP-Politikerin Chassot wechselt damit nach zwölf Jahren in der Politik wieder in die Verwaltung. Chassot war 2002 in die Freiburger Kantonsregierung gewählt worden, in der sie seither die Direktion für Erziehung, Kultur und Sport leitet.
National machte sie sich einen Namen als Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) EDK, der sie seit 2006 vorsteht. Erfahrungen in der Bundesverwaltung sammelte Chassot zuvor als persönliche Mitarbeiterin der Bundesräte Arnold Koller und Ruth Metzler.
Neuer Job mit Tiefe
Sie freue sich, nach ihrer politisch aktiven Zeit im neuen Job wieder vermehrt in die Tiefe der Sache gehen zu können, sagte Chassot vor den Medien in Bern. Sie wolle auf einer anderen Ebene andere Aufgaben übernehmen.
Ihre derzeitige dritte Legislatur wäre ihre letzte als Staatsrätin gewesen, sagte sie weiter. Sie werde auf Ende Oktober zurücktreten, damit rechtzeitig eine Nachfolge gewählt und eine Vakanz verhindert werden könne.
Das Bundesamt für Kultur kenne sie unter anderem vom Nationalen Kulturdialog, in dem sie als EDK-Präsidentin engagiert ist. Nun werde sie die Seite des Tisches wechseln. Sie habe beim Dialog motivierte Mitarbeiter angetroffen, eine "Vision" für das Amt habe sie aber noch nicht.
Kultur leiste einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt eines mehrsprachigen Landes, sagte Chassot zu ihren neuen Aufgaben. Dabei leiste das Bundesamt eine wichtige Funktion.
Anfrage von Berset
Kulturminister Alain Berset forderte Chassot nach eigenen Angaben auf, sich für den Posten zu bewerben. Danach habe sie aber das normale Prozedere durchlaufen. Überzeugt habe sie durch ihre Fähigkeiten in der kulturellen Reflexion und ihr Verstehen der Kultur. Zudem könne sie ein grosses Amt leiten. Chassot sei ausserdem in politischen und kulturellen Kreisen bekannt.
Dass sie als Frau und Westschweizerin gleich zwei Minderheiten auf der obersten Kaderstufe der Bundesverwaltung verstärke, sei zusätzlich erfreulich, sagte der Freiburger SP-Bundesrat Berset.
Kein Interesse an Staatssekretariat
Chassot war bereits für einen anderen Chefbeamtenposten beim Bund im Gespräch. Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann hatte vor über einem Jahr bei Chassot sondiert, ob sie Interesse an der Leitung des neuen Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation hege. Chassot lehnte eine Kandidatur ab. Diese Aufgabe hätte nicht zu ihr gepasst, sagte Chassot dazu.
Ursprünglich war geplant, dass Jauslin das BAK leitet, bis er im September seine Funktion bei der UNESCO übernimmt. Dazu kommt es nun nicht: Jauslin tritt die Führung bereits ab dem kommenden Freitag an den stellvertretenden Direktor Yves Fischer ab. Schon ab sofort soll Chassot in alle strategischen Entscheide eingezogen werden. (sda)
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