Der Verband hatte Patrick Fischer im April 2026 freigestellt, nachdem SRF enthüllt hatte, dass er für die Olympischen Spiele 2022 in Peking ein gefälschtes Covid-Zertifikat verwendet hatte (persoenlich.com berichtete).
Nun erklärt Fischer auf seinem YouTube-Kanal, dass der Verband ihm im Herbst 2021 einen Vertrag mit einer Covid-Klausel vorgelegt habe, die ihn zur Wahrnehmung sämtlicher Einsätze als Nationaltrainer verpflichtete. «Der Vertrag sah hohe finanzielle Sanktionen vor, falls ich aufgrund des fehlenden Impfzertifikats bestimmte Verpflichtungen in der Funktion als Head Coach nicht wahrnehmen könnte.» Im Interview nennt Fischer konkret einen Betrag von über einer halben Million Franken. Rückblickend bezeichnet er den Entscheid als falsch: «Rückblickend wäre es der richtige Entscheid gewesen, den Vertrag nicht zu unterschreiben und die Konsequenzen zu tragen.»
Das Gesundheitsrisiko während der Olympischen Spiele in Peking habe er laut begleitender Medienmitteilung als vertretbar eingeschätzt: «Weil wir vor der Abreise, bei der Einreise und während der gesamten Olympischen Spiele täglich getestet wurden. Positive Fälle wurden sofort isoliert.»
Im Gespräch mit Journalist und Ex-Blick-Chefredaktor Peter Röthlisberger schildert Fischer ausführlich, warum er am Mittagstisch gegenüber dem SRF-Journalisten Pascal Schmitz so offen gesprochen habe. Nach zehn Jahren enger Zusammenarbeit habe er SRF als vertrauenswürdig eingeschätzt, die Medienschaffenden fast als Freunde betrachtet. Die Gespräche während des Mittagessens seien nicht Teil der Dreharbeiten gewesen und ausdrücklich als «off the record» deklariert worden.
Als Beleg verweist er auf eine E-Mail von Schmitz vom 19. März 2026 an Finn Sulzer, Medienchef des Schweizer Eishockeyverbands: «Ich schreibe dir bezüglich unseres Off-the-Record-Gesprächs am Mittagstisch in Altstetten … Mir ist die Bedeutung einer Off-the-Record-Vereinbarung sehr bewusst, und ich nehme dies ernst.» Umso mehr habe ihn die spätere öffentliche Aussage des SRF-Chefredaktors irritiert, wonach kein Off-the-Record-Gespräch stattgefunden habe. Fischer dazu: «Entweder wurde hier vorsätzlich gelogen oder mir fahrlässig Unrecht getan.»
SRF widerspricht auf Anfrage von persoenlich.com dieser Darstellung und hält an seiner bisherigen Version fest.
«Zwischen Stuhl und Bank»
Den Tag der Konfrontation durch das SRF schildert Fischer im Interview als persönliches Chaos: Er sei mit seinen Kindern und seinem Vater unterwegs gewesen, habe Gäste zu Hause gehabt und sich «zwischen Stuhl und Bank» gefühlt. Die darauffolgende proaktive Kommunikation des Verbands habe die Situation zusätzlich verschärft. Fischer gesteht im Rückblick, dass er dabei überreagiert habe.
Zum sportlichen Erbe hält Fischer fest, dass die Schweiz drei WM-Finals in Folge erreicht und während des Turniers erstmals die Nummer eins der Weltrangliste belegt habe. «Das erreicht man nicht zufällig. Das ist das Resultat von harter Arbeit, Vertrauen und einer aussergewöhnlichen Mannschaft.»
Bewegt zeigt sich Fischer von der Unterstützung: «Die Solidarität war überwältigend. Meine Familie und ich haben unzählige Nachrichten erhalten.» Beruflich will er künftig seine Erfahrungen aus Spitzensport, Führung und Mentaltraining weitergeben.
Riccardo und Dayana Signorell (Signorell GmbH), die das Interview produziert haben, arbeiten seit sechs Jahren an dem Dokumentarfilm «Spirit of Hockey» mit Roman Josi, Nico Hischier, Nino Niederreiter, Patrick Fischer, Mark Streit und Timo Meier. Der Film kommt im Verleih von Ascot Elite ab Oktober in die Schweizer Kinos. (pd/cbe)


