16.02.2012

Urs Fischer

Ehre für Schweizer Künstler in Wien

Riesenkerze als Selbstportrait.

Pop-Art-Zitate und humorvolle Vergänglichkeit: Die Wiener Kunsthalle ehrt den Schweizer Künstler Urs Fischer mit einer grossangelegten Schau. Dem Publikum wird eine "fantastische Reise durch die Welt von Materialien und Ausdrücken" versprochen. Für gewöhnlich konzentriert sich Fischer auf neuproduzierte Werke. Die Wiener Schau "Skinny Sunrise" präsentiert hingegen eher eine Retrospektive seines Oeuvres. Lediglich zwei Objekte der knapp 70 Stücke umfassenden Schau wurden eigens für Wien konzipiert.

Eines der zentralen Werke ist dabei die lebensgrosse Selbstporträtkerze Fischers, die den Künstler in all seiner Körperlichkeit abbildet. "Das Werk hat einen Versicherungswert von 800'000 Euro - und am Ende der Ausstellung ist es weg", erklärte Kuratorin Angela Stief am Donnerstag vor den Medien. Doch nicht nur die Kerze dematerialisiert sich durch die brennende Dochte sukzessive, auch die Installationen mit Obst verrotten, die auf von der Decke schwebenden Ästen montierten Kerzen transformieren sich zu Kreisen aus Wachsflecken am Boden. "Es ist eine bewegte Ode an den Alltag", umschreibt Stief Fischers Welt.

Die ausgestellte Vergänglichkeit der Materialien wird dabei stets mit Humor und Ironie präsentiert, Makaberes und Sarkasmus durchdringen die meisten Werke. Empfangen wird der Ausstellungsbesucher von "Frozen Pioneer" (2009), einer scheinbar geschmolzenen, quietschrosafarbenen Strassenlaterne. Das für die Ausstellung titelgebende Objekt besteht aus einem Skelett, dass lasziv seinen nicht vorhandenen Hintern auf einer verdreckten Parkbank in die Höhe streckt. Und beim bereits 1999 entstandenen "Dr. Katzelberg" arrangiert Fischer Spiegelflächen - auch hier eine Entgrenzung der eigentlichen Objektgestalt. Zugleich macht der Künstler in seinem Verfremdungsbestreben vor tatsächlichen räumlichen Interventionen nicht Halt und durchbricht eine der Kunsthallenwände mit einer bewusst niedrig gehaltenen Tür.

Schliesslich ist Fischer im Wiener Ausstellungshaus ein alter Bekannter, zumal er in der Vergangenheit an mehreren Gruppenexpositionen beteiligt war. Bei "Skinny Sunrise" handelt es sich allerdings um die erste Einzelschau des 1973 in Zürich geborenen und mittlerweile in New York lebenden Künstlers in Wien. Bis Ende Mail dauert die Schau - wer Fischers Selbstporträtkerze allerdings im Ursprungszustand sehen will, sollte sich entsprechend früh zum Besuch entschliessen. (sda)


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