06.02.2007

"Es nimmt mich wunder, wer einen einhodigen Mann spielen will"

Der Münchner Produzent Ulrich Limmer ("Schtonk", "Gripsholm") hat sich die Rechte an Güzin Kars Erfolgsroman "Ich dich auch" für einen Kinofilm gesichert. Die Drehbuchautorin, Regisseurin und Weltwoche-Kolumnistin schreibt die Vorlage für den Film selbst und ist auch für die Regie im Gespräch. "Schlussendlich ist es mir wichtiger, dass der Film gut wird, als dass auf dem Regiestuhl mein Name steht", erklärt Kar im Gespräch mit "persoenlich.com". Dabei wird aber deutlich, dass sie beim Film auf ein grosses Mitspracherecht Wert legt. Das Interview:
"Es nimmt mich wunder, wer einen einhodigen Mann spielen will"

Sie haben die Rechte am Stoff Ihres Buches Ulrich Limmer verkauft. Hat er am meisten Geld geboten?

Nein, ich habe mich für Ulrich Limmer entschieden, weil ich ihn schon lange kenne und seine Arbeit sehr schätze. In meinen Augen fand er den richtigen Zugang zum Buch und besitzt auch den richtigen Humor für den Stoff.

Es stimmt aber, dass auch andere Angebote vorlagen?

Die ersten Angebote habe ich bekommen, noch bevor das Buch erschienen ist. Das waren Produzenten aus der Schweiz und auch aus dem Ausland. Es handelte sich aber nicht um Tausende von Anfragen, insgesamt waren es drei.

Warum haben Sie sich erst jetzt für einen Produzenten entschieden?

Ich habe mir bewusst Zeit gelassen, weil ich erst einmal abwarten wollte, wie das Buch beim Publikum ankommt. Nach der guten Resonanz war die Zeit jetzt reif, um eine Entscheidung zu treffen.

Hatten Sie beim Schreiben des Buches bereits eine Verfilmung im Hinterkopf?

Überhaupt nicht, das wäre auch absolut falsch. Ich habe bei den Weltwoche-Kolumnen nicht an ein Buch, und beim Buch nicht an einen Film gedacht. Mein Ziel ist es jeweils, die Arbeit, mit der ich gerade beschäftigt bin, gut zu machen.

Sie schreiben das Drehbuch für die Verfilmung von „Ich dich auch“ selbst. War das eine Bedingung oder hätten Sie auch jemand anderes an den Stoff herangelassen?

Ich wäre auch bereit gewesen, den Stoff einem anderen Drehbuchautor zu überlassen. Bedingung wäre allerdings gewesen, dass ich bis am Schluss ein Mitspracherecht habe und mir die Drehbuchfassungen jeweils vorgelegt werden.

Haben Sie noch andere Bedingungen gestellt?

Ich überlege mir, einen Co-Autor hinzuzuziehen, damit jemand mit einem fremden Auge und Distanz dazukommt. Zudem habe ich mir auch ein Mitsprachrecht bei der Wahl des Regisseurs ausbedungen.

Sie arbeiten gegenwärtig am Kinofilm "Nichts wie weg!", bei dem Sie nicht nur das Drehbuch geschrieben haben, sondern auch Regie führen. Werden Sie auch bei "Ich dich auch" die Regie übernehmen?

Ulrich Limmer hätte es tatsächlich am liebsten, wenn ich die Regie selber übernehmen würde. Entschieden ist aber noch nichts. Zuerst wollen wir einmal das Drehbuch schreiben, dann schauen wir, welcher Regisseur geeignet ist. Bei der Wahl muss man uneitel genug sein, um die beste Entscheidung für den Film zu treffen. Schlussendlich ist es mir wichtiger, dass der Film gut wird, als dass auf dem Regiestuhl mein Name steht.

Fürchtet man sich als Drehbuchautorin davor, dass der Film am Ende nicht so heraus kommt, wie man sich das vorgestellt hat?

Diese Angst spielt immer mit. Für mich ist der Job mit dem Abliefern eines Drehbuchs nicht vorbei. Es ist mir nicht egal, was mit dem Stoff weiter passiert. Bei der Verfilmung eines meiner Drehbücher dachte ich tatsächlich, das hätte ich als Regisseurin anders inszeniert. Bei "Ich dich auch" befürchte ich dies nicht, weil ich eng mit dem Produzenten zusammenarbeite. Ulrich Limmer ist bewusst, dass ich bei diesem Projekt sehr viel Wert darauf lege, bis zuletzt ein Mitspracherecht zu haben. Er weiss, dass ich auch im Schnittraum dabei sein werde.

Haben Sie Wunschvorstellungen was die Schauspieler für "Ich dich auch" anbelangt?

Ich werde beim Schreiben nicht an bestimmte Schauspieler denken. Das Casting dürfte aber lustig werden. Es nimmt mich wunder, wer einen erfolglosen Filmer oder einen einhodigen Mann spielen will.

Wenn Sie aus allen Filmen auswählen könnten, zu welchem hätten Sie gerne das Drehbuch geschrieben?

"Heat" von Michael Mann -- das ist mein absoluter Lieblingsfilm -- oder "Sea of Love". Ich würde auch mal gerne selber das Drehbuch zu einem Thriller schreiben. Leider bin ich aber in dieser Sparte völlig unbegabt.

Darf ich aus der Antwort schliessen, dass Sie Hollywood reizt?

Als ob Hollywood auf mich warten würde! Dort wäre ich nur eine von vielen Auftragsschreibern. Ich schreibe aber lieber für gute europäische Filme als für durchschnittliche Auftragsproduktionen in Hollywood.

(Interview: Stefan Wyss / Foto: Barbara Graf)

Das Buch "Ich dich auch -- Ein Episodenroman für Paarungsgestörte"


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen