16.06.2011

Filmförderung

Filmproduzenten rüffeln Burkhalter

IG legt Konzept für Filmförderung vor.

Die Interessengemeinschaft unabhängige Filmproduzenten kann mit der sanften Kurskorrektur, die Kulturminister Didier Burkhalter in der Filmpolitik vorgenommen hat, wenig anfangen. Von einer "Phase der Restauration" war am Donnerstag vor den Medien in Bern die Rede. Um den aus Sicht der IG bedenklichen Trend in der Schweizer Filmlandschaft zu brechen, sei ein "Paradigmenwechsel" nötig, erklärte der Branchenverband. Dessen Leitungsausschuss präsentierte ein Konzept für die Filmförderung in den kommenden Jahren, das den Erfolg bei der Verteilung der Mittel stärker berücksichtigen soll.

Der Anteil der erfolgsgebundenen Fördergelder würde demnach von 10 auf 40 Prozent erhöht. Das Milizsystem, bei dem Branchenvertreter in Expertenkommissionen über die Vergabe eines Teils der Gelder entscheiden, soll nach den Vorstellungen der IG abgeschafft werden. Die Aufgabe käme unabhängigen Experten zu. Das Bundesamt für Kultur (BAK) arbeitet derzeit am neuen Konzept für die Filmförderung in den Jahren 2012 bis 2015. Mitte Juli würden Branchenvertreter über die Absichten des BAK informiert, war am Donnerstag zu erfahren.

Bundesrat Burkhalter versucht seit seinem Amtsantritt 2009, die erhitzten Gemüter in der Filmbranche abzukühlen. Unter anderem setzte er einen Streitschlichter ein. Zum Nachfolger des umstrittenen BAK-Filmchefs Nicolas Bideau bestimmte er Ivo Kummer, den bisherigen Direktor der Solothurner Filmtage. Produzent Christian Davi vom IG-Leitungsausschuss kann - im Gegensatz zu Exponenten der drei andern Schweizer Filmverbände - den bundesrätlichen Bemühungen nicht viel abgewinnen. "Es geht nicht darum, Zufriedenheit in der Branche herzustellen, sondern die Bedingungen für gute Filme zu schaffen", betonte Davi. Und nach Auffassung der IG versagt die aktuelle Filmpolitik. Die Verteilung der Fördermittel nach dem "Giesskannen-Prinzip" lasse den Produzenten "zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben", hiess es. Das Schweizer Filmschaffen könne unter diesen Umständen mit dem Filmschaffen etwa Österreichs oder Dänemarks nie mithalten.

Die Auseinandersetzung um das geeignetste Förderkonzept ist laut IG-Produzent Thierry Spicher auch ein Generationenkonflikt, wobei die 2009 gegründete IG mit ihren 21 Mitgliedern für sich in Anspruch nimmt, die jüngere Generation zu vertreten. Als Anhänger eines rein kommerziell ausgerichteten Kinos wollen sich die Vertreter des Verbandes nicht titulieren lassen. Ein solches sei in der Schweiz gar nicht machbar, sagte Davi. Erfolg wird im IG-Konzept auch nicht nur wirtschaftlich verstanden, was ein Anknüpfungspunkt für Kompromisse sein könnte. Wenn die IG allerdings schreibt, dass bei der Förderung der Festivalerfolg eines Films mitberücksichtigt werden solle, denkt sie dabei lediglich an die grossen Veranstaltungen wie Cannes. Die mittleren und kleineren Festivals an denen Schweizer Filme üblicherweise reüssieren, tauchen in der Rechnung nicht auf.

Sowohl Davi wie Spicher betonten am Donnerstag die Dringlichkeit ihres Anliegens, Produzenten, die sich als erfolgreich erweisen, stärker zu fördern. Mit dem bisherigen, auf Ausgleich bedachten System drohe die Schweiz den Anschluss ans Ausland zu verlieren. "Der Sonderfall schafft Höhlenmenschen", sagte Spicher. Davi erklärte, dass auf eine Phase der Restauration üblicherweise die Revolution folge. Klar scheint bereits, dass Ivo Kummer, der sein neues Amt als BAK-Filmchef noch gar nicht angetreten hat, mit einer Schonfrist nicht rechnen kann. (sda)


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