Die Bündner Regierung hat bestätigt, dass die diesjährige Bilderberg- Konferenz in St. Moritz stattfindet. An diesen verschwiegenen Konferenzen treffen sich seit 1954 einflussreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Militär, Medien, Politik und Adel. Am Treffen im Oberengadin anwesend sein werden auch der Bündner Regierungspräsident Martin Schmid und Justizdirektorin Barbara Janom Steiner. Ansonsten hüllte sich die Regierung in Chur am Dienstag an der monatlichen Zusammenkunft mit Medienvertretern zu Fragen über den Zeitpunkt und den genauen Veranstaltungsort der Konferenz in Schweigen.
Unbestätigt blieben Medienberichte, wonach die Konferenz vom 9. bis 12. Juni im Luxushotel Suvretta House in St. Moritz veranstaltet wird. Es handle sich um einen privaten Anlass, zu dem keine weiteren Auskünfte erteilt würden, sagte Justizdirektorin Barbara Janom Steiner.
Graubünden ist zuständig für den Personenschutz. Justizdirektorin Janom Steiner erklärte, der Kanton übernehme in Absprache mit dem Bundessicherheitsdienst den Schutz völkerrechtlich geschützter Personen. Weitere Angaben, etwa über den Sicherheitsaufwand oder die Kosten, erteilte die Regierungsrätin unter Hinweis auf den privaten Charakter der Veranstaltung nicht.
Bilderberg ist der Name eines Hotels in Holland, wo im Mai 1954 die erste Konferenz durchgeführt wurde. An den Treffen, über die nie etwas nach aussen dringt, geht es nach Angaben der offiziellen Webseite der Konferenz vor allem um Aussenpolitik und internationale Wirtschaftsfragen. Die Liste der jeweils rund 120 Teilnehmenden wird im Anschluss an die Treffen veröffentlicht. Aus diesen Listen geht hervor, dass es sich bei den Teilnehmenden um einflussreiche Persönlichkeiten vor allem aus Europa und Nordamerika handelt. Der Schweizer Banker Josef Ackermann war mehrere Male dabei, Novartis- Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella war 2010 mit von der Partie. Ein sehr häufiger Konferenz-Besucher war der frühere US-Aussenminister Henry Kissinger. Auch Bill Clinton war schon an einer Konferenz, ebenso die niederländische Königin Beatrix, der ehemalige italienische Ministerpräsident Romano Prodi sowie die früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder.
Die Schweiz war bisher zwei Mal Gastgeberland der Bilderberg-Gruppe. Letztmals 1995 und davor 1981 fand die Konferenz auf dem Bürgenstock über dem Vierwaldstättersee statt. Normalerweise tagen die "Bilderberger" nicht mehrmals am gleichen Ort. Der Bürgenstock bildete die Ausnahme, weil er sich verhältnismässig leicht abschirmen lässt. Letztes Jahr wurden die Zusammenkunft in Spanien bei Barcelona abgehalten. Die Jungsozialisten Graubünden (JUSO) wollen während der Bilderberg-Konferenz in St. Moritz eine Gegenveranstaltung durchführen unter dem Motto: "Mensch vor Markt - Mehr Demokratie wagen". Der Anlass soll am 11. Juni auf dem St. Moritzer Dorfplatz über die Bühne gehen, wie die Partei mitteilte. Ein entsprechendes Gesuch sei bei den St. Moritzer Behörden eingereicht worden. (sda)

