Steve Lee, Frontmann der Rockgruppe Gotthard, ist tot. Er starb am Dienstag (Ortszeit) 47-jährig nach einem unverschuldeten schweren Motorradunfall in der Nähe von Las Vegas. Seine Plattenfirma Nuclear Blast bestätigte entsprechende Medienberichte. Lee war mit einer Reisegruppe, in der auch seine Lebensgefährtin, Ex-Miss Schweiz Brigitte Voss-Balzerini und Gotthard-Bassist Marc Lynn waren, auf Bikes unterwegs in Nevada. Während die Gruppe auf einem Pannenstreifen Regenmontur anziehen wollte, erfasste ein LKW-Anhänger einige parkierten Motorräder, von denen eins Lee traf.
Mit dem letzten Samstag gestarteten Trip auf der Harley Davidson durch die Staaten hatte sich Lee einen langgehegten Traum erfüllen wollen, teilte seine PR-Agentur Rosenheim Rocks mit. Lee und seine Partnerin waren anfangs August bereits in der Nähe von Florenz in eine Auto-Massencarambolage geraten. Voss erlitt Rückenverletzungen, Lee blieb unverletzt. "Ich hatte offensichlich einen Rockliebenden Schutzengel mit dabei", schrieb Lee damals auf der Gotthard-Website.
Steve Lee wurde am 5. August 1963 in Horgen als Sohn eines Briten und einer Schweizerin geboren. Er wuchs im Tessin auf und machte eine Lehre als Goldschmied. Lee war Schlagzeuger in verschiedenen Tessiner Bands. Bei "Krak", die nach dem Beizug von Produzent und Ratgeber Chris von Rohr in "Gotthard" ungetauft wurden, wurde Lee zu einem der besten Hardrock-Sänger der Gegenwart. Die Band schrieb mit Titeln wie "Heaven" und "One Live one Soul" Schweizer Rockgeschichte.
Seit Februar waren Gotthard auf ihrer diesjährigen Tournee "Need to Believe". Unter anderem rockten sie in Moskau und St. Petersburg, in Kopenhagen und Oslo. In der Schweiz gaben sie acht Konzerte, das letzte am 22. August am Gampel Openair. Nachher unterbrachen sie die Tour für einige Wochen. Der nächste Auftritt stand am 26. Oktober in Langen (D) auf dem Programm. Anschliessend sollte die Tour nach Bremen, Bamberg, Göppingen führen, und wäre am 31. Oktober in Regensburg zu Ende gegangen.
Ihr aktuelles Album "Need to Believe" brachte der Gruppe Platin ein. Lee plante, nächstes Jahr ein Solo-Album heruaszubringen. Nach 19 Jahren als Songschreiber habe er einige Songs beisammen, die nicht zu Gotthard passen, begründete er das gegenüber der "Berner Zeitung".
Grösste Rockstimme der Schweiz ist verstummt
Für den Musikjournalisten H. Elias Fröhlich ist mit Steve Lee "die grösste Rockstimme der Schweiz verstummt". Die Nachricht über den tödlichen Unfall habe ihn "völlig umgehauen", sagte Fröhlich am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. "Ich habe es auf dem Weg zum Mittagessen erfahren. Ich konnte nichts mehr essen, sondern ging in den Wald. Dort musste ich mich sammeln", sagte Fröhlich gegenüber der SDA. Steve Lee sei seit über zwanzig Jahren ein guter Freund von ihm gewesen. "Mit ihm ist einer der feinsten Menschen gestorben, die es in dem Haifischbecken Rockbusiness gibt."
Harter Rocker, sanfter Privatmann
Auf der Bühne der harte Rocker, war Steve Lee privat sensibel und feinfühlig, wie seine Sprecherin im Communiqué betont. "Alkohol oder Feiern waren für ihn Dinge, denen er mit sehr viel Besonnenheit begegnete". In Interviews gab er stets Bonsai züchten und Sport als Hobbies an. "Mehrere Millionen Alben hat der Sänger im Laufe seiner Karriere mit Gotthard verkauft, diverse Alben wurden mit Platin, Doppel- oder Dreifachplatin ausgezeichnet. Und dennoch stand all dies in keinem Verhältnis zu der menschlichen Grösse, die Steve Lee tagtäglich bewies", teilte seine Sprecherin Sandra Eichner mit.

