«Das ist eine gute Sache», sagte Gesundheitsminister Alain Berset letzte Woche, als er vor den Medien die nationale Impfwoche vorstellte (persoenlich.com berichtete). Am Montag ist sie gestartet – und zwar ziemlich lautstark. Dies nicht etwa wegen der Trycheln, an die man sich in den letzten Wochen fast schon gewöhnt hat. Es waren Klänge von Künstlerinnen und Künstlern wie Dabu, Danitsa, Kunz, Stefanie Heinzmann, Stress und Sophie Hunger. Am Abend gaben sie in Thun ein Open-Air-Konzert und eröffneten so die «Back on Tour». 500 Besucherinnen und Besucher waren dabei – geimpfte und ungeimpfte. Vier weitere Konzerte sollen bis Samstag noch folgen – in Lausanne, Sion. St. Gallen und Luzern.
«Back on Tour» ist eine Informations- und Konzerttournee und als solche eine einmal etwas andere Kommunikationsmassnahme innerhalb der Impfoffensive des Bundes. Die fünf Konzerte finden in Kantonen mit eher tiefen Impfquoten statt und sollen dabei die Sehnsucht des Publikums nach Normalität wecken. «Und zwar indem sie uns daran erinnern, wie wir alle vor zwei Jahren ohne jegliche Bedenken und Limiten an Konzerte gingen und unser gesellschaftliches und kulturelles Leben ohne jegliche Einschränkungen genossen», sagt Marco Meroni, Geschäftsleitungsmitglied bei Rod Kommunikation, jener Agentur, die auch schon die ganze Impfkampagne im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) umsetzte.
Exemplarisches Anschauungsbeispiel
An den fünf Open-Air-Konzerten werden jeweils 500 Besucherinnen und Besucher zugelassen. Der Impfstatus spielt keine Rolle. «Die Konzerte unterstehen den aktuell geltenden, coronabedingten Regelungen für Veranstaltungen im Freien ohne Zertifikats- und Sitzpflicht», so Michael Beer, Verantwortlicher Impfwoche beim BAG, gegenüber persoenlich.com. «Mit dem Line-up der ‹Back on Tour› könnten die Künstlerinnen und Künstler auf einer Tour von dieser Grösse tausende Fans begeistern. Dass dies im Moment nicht möglich ist, soll weit in die Bevölkerung hinein veranschaulichen, wie stark uns das neue Coronavirus noch immer einschränkt», sagt Beer weiter.
2500 Tickets gibt es also insgesamt für die spezielle Konzerttournee. Tickets, die gratis abgegeben wurden. Innert kürzester Zeit waren sie weg, alle Konzerte sind ausgebucht. In den vergangenen Tagen wurde teils Kritik laut an den hohen Kosten pro Konzertbesucherin oder -besucher. Beer betont, dass die Künstlerinnen und Künstler neben ihren Auftritten zusammen mit medizinischen Fachpersonen zahlreiche Gelegenheiten wahrnehmen würden, «um die Bevölkerung von der Wichtigkeit zu überzeugen, es gemeinsam möglichst schnell aus der Pandemie zu schaffen».
Geplant sind in dieser Woche nämlich eine Vielzahl von Medienterminen. Auf dieser «Promotour» werden Fragen zur Impfung erläutert. Ebenso wird über die zusätzlichen niederschwelligen Beratungs- und Impfangebote informiert, welche die Kantone während der laufenden Impfwoche organisieren. An den Konzerten steht jeweils ein Impfbus zur Verfügung. So können Besucherinnen und Besucher nicht nur Musik hören, sondern sich auch gleich impfen lassen.
Am Montag startete die Tournee vom Bundesplatz in Bern. Losgeschickt wurde der Tross von Bundespräsident Guy Parmelin. «Ich habe Vertrauen, dass wir Erfolg haben werden», sagte Parmelin vor den Medien. «Jetzt ist die Zeit, um zu sagen: Ich lasse mich impfen – für die Familie, für das Land, für die Personen, die in den Spitälern arbeiten.» Alternativen sehe er keine. Nur die Impfung könne aus der Pandemie helfen.
«Musik ist immer eine gute Idee»
Organisiert wird die Konzerttournee von der Gadget abc Entertainment Group. Diese hat die fünf Konzerte innerhalb eines Monats aus dem Boden gestampft. «Wir konnten von der Erfahrung und unserem Netzwerk als grösster Veranstalter und führender Managementagentur der Schweiz profitieren», sagt Oliver Rosa, Director Artists and Brands bei Gadget abc Entertainment Group, auf Anfrage.
Der Antrieb sei «jede Menge Herzblut» für das Projekt. «Die Pandemie lähmt unsere Branche seit fast zwei Jahren. Wir wollen uns einbringen und Flagge zeigen, um so schnell wie möglich da rauszukommen», so Rosa. Musik bringe Menschen zusammen, sie vereine. «Die informative Komponente der Impfwoche mit Konzerten verschiedenster Schweizer Künstlerinnen und Künstler zu kombinieren, erschien uns sinnvoll.» Musik sei immer eine gute Idee.



