10.01.2011

Faye Dunaway

Hollywoodstar wird 70

Jubiläum für die Grande Dame oder das Biest - ein Blick auf die Karriere.

Faye Dunaway war eine der letzten grossen Leinwand- Verführerinnen. Am Freitag wird sie 70. Wer eine wirklich heisse Filmszene sehen will, sollte sich "Thomas Crown ist nicht zu fassen" von 1968 anschauen. In diesem Krimi zelebriert Faye Dunaway während eines Schachduells mit Steve McQueen das wohl erotischste Vorspiel der Filmgeschichte. Da brennt die Luft, ohne dass die Frau auch nur einen Knopf öffnen muss.

Leider aber fiel die Karriere der 1941 in Florida geborenen Dorothy Faye Dunaway in eine Zeit, in der die Traumfabrik sich gerade anschickte, ihre Göttinnen auszumustern. Die junge Broadway-Schauspielerin, seit frühester Kindheit von ihrer ehrgeizigen Mutter zum Star gedrillt, erregte dennoch ob ihrer Schönheit und ihres Talentes schnell die Aufmerksamkeit von Hollywoodmogul Otto Preminger.

Schon ihr dritter Film "Bonnie and Clyde" von Arthur Penn 1967 war ihr künstlerischer Durchbruch - und zugleich ein Meilenstein der Filmgeschichte, der die gesellschaftskritische "New Hollywood"-Ära einläutete.

Das knallharte Drama um ein marodierendes Verbrecherpärchen schockierte mit expliziten Sex- und Gewaltszenen. Faye Dunaway als Gangsterbraut Bonnie ist mit Baskenmütze und glänzendem Pagenkopf zur verführerischen Revolverlady gestylt, die am Ende im Kugelhagel stirbt. Von da an bestand die Gefahr, dass die Schauspielerin mit der rassigen Aura in "Kleiderständer-Rollen" verheizt wurde.

Im folgenden Film "Thomas Crown ist nicht zu fassen" spielt die Südstaatenschönheit an der Seite von Steve McQueen ein smartes Luxusweib mit toupiertem Blondhaar, mondänen Hüten und topmodischen Kostümen. Im Westernhit "Little Big Man" 1970 mit Dustin Hoffman bekam sie laut Selbstauskunft "die nette kleine Rolle einer Pfarrersfrau, die eine Nutte wird". Im Kostümfilm "Die drei Musketiere" tritt sie als tödlich verführerische Lady De Winter auf.

Eine zwiespältigere Femme fatale durfte sie in Roman Polanskis "Chinatown" 1974 geben, wo sie ein brutales Ende findet. Der Gipfel dieser Hexenrollen war ihr Part in der Mediensatire "Network" 1976 als biestige Karrierefrau, die selbst beim Sex an die Einschaltquoten denkt. Dafür bekam Dunaway einen Oscar.

Doch ab Mitte der 70er waren Katastrophen- und Actionfilme angesagt, in denen Faye Dunaway meist als Schauwert, etwa in "Die drei Tage des Condors" mit Robert Redford oder "Flammendes Inferno" mit Steve McQueen eingesetzt wurde. 1981 porträtierte sie in "Meine liebe Rabenmutter" die einstige Diva Joan Crawford: Hollywood liess sie einen Star spielen, aber keiner mehr sein. In den 80ern konnte die zweimal geschiedene Schauspielerin, die zeitweise mit Alkoholproblemen kämpfte, nicht mehr an ihre früheren Erfolge anknüpfen.

In den 1990ern hatte Faye Dunaway originelle Auftritte etwa in Emir Kusturicas Tragikomödie "Arizona Dream", in Volker Schlöndorffs düsterem Zukunftsthriller "Die Geschichte der Dienerin" und in Luc Bessons "Johanna von Orléans". Bis heute ist sie in Fernsehserien wie "Alias" und "Grey's Anatomy" und in kleineren Kinorollen präsent. Das schmeichelhafteste Lob zollte ihr ausgerechnet die 1977 verstorbene Joan Crawford: "In meinen Augen hat nur Faye Dunaway das Talent, die Klasse und den Mut, die einen wahren Schauspieler ausmachen." (sda)


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