18.10.2026

Sven Regener

«Ich finde das Thema KI eher uninteressant»

Vor 25 Jahren landete der sonst als Musiker bekannte Sven Regener mit «Herr Lehmann» einen Bestseller. Nun erscheint mit «Frankie und Freddie» der siebte Band der Reihe. Am Dienstag liest der Autor im Kaufleuten vor und erklärt im Interview, warum sein Buch kein «Berlin-Roman» ist.
Sven Regener: «Ich finde das Thema KI eher uninteressant»
«Ich gebe zu, dass ich viel Spass daran hatte, mich an diese alten Sachen zu erinnern», so Autor und Musiker Sven Regener. (Bild:

Herr Regener, mit der U-Bahn unter Ostberlin fahren, das Wettertelefon «Null-eins-eins-sechs-vier», Zigaretten Eckstein No. 5: alles historische Augenzwinkern für das Westberlin der 1980er-Jahre, die in «Frankie und Freddie» vorkommen. Sind Sie ein Nostalgiker?
Nein, aber «Frankie und Freddie» ist gewiss ein historischer Roman. Nostalgie hat viel mit Verklärung zu tun, das ist meine Sache nicht. Ich gebe aber zu, dass ich viel Spass daran hatte, mich an all diese alten Sachen zu erinnern. Es ist ja dann doch eine komplett versunkene Welt – bei allen Spuren, die sie heute noch hinterlässt.

Sie wehren sich gegen die Aussage, dass Sie «Berlin-Romane» schreiben. Mit «Frankie und Freddie» bekommen die Lesenden aber auch ein ziemlich gutes Bild der Westberliner Geografie, insbesondere der U-Bahn. Wieso ist das Buch trotzdem kein Berlin-Roman?
Romane handeln immer von Menschen, nicht von Städten. Aber natürlich haben die Orte, in denen sie spielen, Einfluss auf die Handlung. Ich möchte aber nicht, dass man die Romane etwa von Simone de Beauvoir oder Raymond Queneau «Paris-Romane» nennt, wiewohl sie dort spielen. Und bei mir lehne ich das dann auch ab.

Sie sind ungefähr gleich alt wie die Hauptfigur Ihrer Erfolgsromane und auch in Bremen aufgewachsen. Wie viel von Ihnen steckt in Frank Lehmann?
Etwa 37 Prozent. Das gilt aber auch für alle anderen Figuren in meinen Romanen, egal welchen Alters oder Geschlechts. Ich glaube, wir haben als Menschen alle mehr miteinander gemein, als wir glauben. Das macht es aber auch als Leser oder Leserin möglich, dass wir uns, wenn wir wollen, mit den Helden oder Heldinnen der Romane identifizieren. Ich habe ein solches Identifikationsgefühl mit allen meinen Figuren, bei jeder aber aus anderen Gründen und mit einer anderen Schnittmenge.

Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Gripoflex plus C?
Sie meinen Grippemittel, die aus einem Schmerz- und einem Aufputschmittel bestehen? Die sind in Musikerkreisen besonders auf Tournee gefragt, wenn man sich erkältet hat und die Konzerte natürlich nicht absagen will. Wenn man Glück hat, kann man sich damit bis zum nächsten Offtag hangeln. Wenn man Pech hat, klappt man irgendwann zusammen, auch das haben schon Freunde von mir erlebt.

«Frankie und Freddie» ist der siebte Band aus der Lehmann-Reihe. In der Chronologie platziert er sich unmittelbar nach «Der kleine Bruder» von 2008. Was war der Auslöser dafür, die Geschichte der beiden Brüder jetzt zu schreiben?
Ich möchte, was die reine Chronologie betrifft, widersprechen: Zwischen «Der kleine Bruder» und «Frankie und Freddie» gibt es noch «Wiener Strasse» und «Glitterschnitter», aber die sind keine reinen Lehmann-Romane, weil sie multiperspektivisch angelegt sind. Und durch alle diese Romane zieht sich das Warten Frank Lehmanns darauf, dass sein Bruder endlich aus dem Medikamentenversuchsprojekt entlassen wird und mir war immer klar, dass das ein guter Ausgangspunkt für eine sehr interessante Geschichte sein konnte.

Der Roman spielt quasi in Echtzeit – über einen Tag, den 23. Dezember 1980. Was hat Sie an diesem Ansatz gereizt?
Das war nicht unbedingt so geplant, das hat sich so ergeben. Da ist viel Spontaneität im Spiel, wenn man so einen Roman schreibt.

«Das Gute in der Kunst ist ja, dass alles möglich ist, aber nichts muss»

Der Grundstein der Erfolgsreihe, «Herr Lehmann», ist vor 25 Jahren erschienen. Damals gab es noch keine generative KI. Hat die Technologie Ihre Arbeitsweise verändert? Wenn ja, inwiefern?
Gar nicht. Ich habe damit nichts zu tun. Ich wüsste auch nicht, wieso.

In Frankreich tobt gerade eine Debatte über KI in der Literatur. Wenn ein Buch richtig gut ist, spielt es eine Rolle, wie viel KI drinsteckt?
Das weiss ich nicht. Ich weiss auch nicht, was das bedeutet, dass KI drinsteckt. Wie sowas praktisch aussehen soll. Ich muss ehrlich sagen: Das Thema KI geht voll und ganz an mir vorbei, ich finde das eher uninteressant.

Wissen Sie jetzt schon, ob Sie die Geschichte von Frank Lehmann und seiner Bande irgendwann weitererzählen möchten? Und wenn ja, haben Sie bereits eine konkrete Idee?
Das Gute in der Kunst ist ja, dass alles möglich ist, aber nichts muss. Das versuche ich mir zu bewahren. Sonst wird man zur Geisel des eigenen Tuns, das wäre schade.

Am Dienstag lesen Sie im Kaufleuten aus «Frankie und Freddie» vor. Welche sind Ihre Lieblingspassagen?
Das kann ich so einfach nicht sagen. Aber ich denke mal, dass die, die ich lese, dazugehören.


«Frankie und Freddie» (2026) von Sven Regener ist im Galiani Verlag erschienen. 


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