Fast sechs Jahrzehnte lang hielt Umberto Pizzi mit seiner Kamera die Gesichter, Gesten und Skandale von Italiens öffentlichem Leben fest. Pizzis Bilder erschienen in italienischen und internationalen Medien wie Time, People Magazine und Sunday Express Magazine. Später arbeitete er unter anderem mit dem Blog Dagospia und der italienischen Tageszeitung Fatto Quotidiano zusammen.
Geboren wurde Pizzi 1937 in Zagarolo bei Rom. Seine Karriere begann weit entfernt von den glamourösen Salons der Hauptstadt. Als junger Fotoreporter arbeitete er für die Welternährungsorganisation FAO und kam dabei unter anderem in den Iran, den Irak, die Türkei, nach Syrien und Jordanien.
Doch es war das Rom der «Dolce Vita», das seinen Namen bekannt machte. In den 1960er-Jahren streifte Pizzi durch die Treffpunkte der römischen Gesellschaft und fotografierte die Stars des italienischen und internationalen Kinos. Vor seiner Kamera standen Marcello Mastroianni, Vittorio Gassman und Roberto Rossellini ebenso wie Elizabeth Taylor und Richard Burton.
Es war die goldene Zeit der Via Veneto, der grossen Hotels und der Nächte, in denen Hollywood am Tiber zu Hause war. Pizzi wollte dabei nicht nur die offizielle Pose festhalten. Er wartete auf einen überraschten Blick, eine Grimasse, eine unbedachte Geste. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde aus dem Paparazzo zunehmend ein politischer und gesellschaftlicher Fotoreporter. Sein Objektiv richtete sich nun auch auf Politiker, Intellektuelle, Unternehmer und Vertreter der Finanzwelt.
Aristokraten, Politiker und Kardinäle
In den 2000er-Jahren wurde Pizzi durch seine Zusammenarbeit mit der vom Journalisten Roberto D'Agostino gegründeten Klatsch-Internetseite Dagospia einem noch grösseren Publikum bekannt. Er fotografierte Empfänge, Dinner und Partys des Jetsets.
Aristokraten, Politiker, Kardinäle, Unternehmer, Finanziers sowie Fernseh- und Filmstars wurden von Pizzi fotografiert. Doch den weisshaarigen Fotografen interessierten nicht nur die prominenten Gesichter. Auch Kleidung, Gesten und die kleinen Szenen am Rand erzählten für ihn vom Zustand der Gesellschaft.
Pizzis Archiv umfasst mehr als Paparazzi-Fotos. Es dokumentiert fast sechs Jahrzehnte italienischer Geschichte – vom Wirtschaftsboom und den gesellschaftlichen Umbrüchen bis zur Ära der permanenten Medienpräsenz. 2026 widmete Rai Cultura seinem Leben die Dokumentarserie «Profumo di Pizzi», die anhand von Fotografien, Archivmaterial und Erinnerungen seine Karriere nachzeichnete. (sda/apa/spo)

