In einem grossen Interview in der Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) kritisiert Roger de Weck, ehemaliger SRG-Generaldirektor und früherer Chefredaktor von Zeit und Tages-Anzeiger, die Schweiz nach dem amerikanischen 39-Prozent-Zoll-Hammer. De Wecks Fazit: «Kein Land war so ‹trumpianisch› wie die Schweiz. Umso dramatischer die Fallhöhe.» Die Differenz von 24 Prozent zur EU sei auf deren Nichtmitgliedschaft zurückzuführen.
Neutralität ist Lebenslüge
Die Schweiz sei ein «Gernegross», der sich immer als «Sister Republic» der USA gesehen habe. Diese Illusion sei jetzt zerstört worden. Arg in die Kritik geht de Weck mit der SVP, die sich immer mehr radikalisiere und den amerikanischen Republikanern annähere. Deren Politikerinnen und Politiker, wie Medienminister Albert Rösti oder Nationalrätin Martullo-Blocher, aber auch FDP-Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, die sich zuletzt trump- und USA-freundlich geäussert hätten, seien in ihrer Wahrnehmung nun bitter enttäuscht worden. Die Stimmungslage nach den Trump-Zöllen beurteilt de Weck als anfänglich fassungslos und voller Selbstmitleid und jetzt verharmlosend.
De Weck plädiert deswegen erneut für eine Annäherung an die EU: In einer unfreundlichen Welt, so der Publizist, werde die Schweiz nicht gedeihen. Deswegen brauche sie verlässliche Partner. Und da gäbe es nur einen – die EU. Diese sei der beste Partner, den die Schweiz je hatte. «Die Neutralität», so de Weck im Interview, «ist eine Lebenslüge». (ma)
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19.08.2025 13:50 Uhr
19.08.2025 07:47 Uhr

