Wohnoper fürs Heimkino: Die Abteilung Kultur von Schweizer Fernsehen (SF) überträgt am 29. September aus dem Berner Gäbelbachquartier Giacomo Puccinis Oper "La Bohème" live. Die Schauplätze sind ein Hochhaus sowie das Einkaufszentrum Westside. Mit der Produktion "La Bohème im Hochhaus" wolle man "den grössten Erfolg, den wir je hatten" - nämlich die Übertragung der Oper "La Traviata" aus dem Zürcher Hauptbahnhof vor einem Jahr fortsetzen, sagte SF-Kulturchef Rainer M. Schaper am Dienstag vor den Medien in Zürich.
Allerdings wähle man diesmal ganz andere Schauplätze. Nach dem "öffentlichsten Ort der Schweiz", dem Zürcher HB, verlege man das Geschehen mehr oder weniger in die eigenen vier Wände. Laut dem scheidenden Redaktionleiter Thomas Beck ist Puccinis Werk "eine Wohnoper", in der beispielsweise eine WG, ein Vermieter sowie Liebende vorkommen. Zu Becks Grundidee vom "klingenden Hochhaus" lieferte Produzent Christian Eggenberger die Location. "In der Nacht leuchten die drei Blöcke des Gäbelbachquartiers wunderbar in der Landschaft", sagte Eggenberger.
Das Einkaufszentrums Westside, entworfen vom amerikanischen Architekten Daniel Libeskind, funktioniere als Gegenwelt zum Hochhausquartier. Dort ist auch das Berner Symphonieorchester stationiert. Die Schweizer Sopranistin Maya Boog verkörpert Mimi, die Rolle ihres Liebhabers Rodolfo singt Saimir Pirgu. Wer das Geschehen im Hochhaus live mitverfolgt, hört das Orchester nicht, sondern nur den Gesang. "Das Gesamterlebnis hat nur der TV-Zuschauer." Die Produktion sei "extrem schwierig, aber kein Selbstzweck", sagte der Produzent. Aber die Magie, die beim Aufeinanderprallen von Oper und Alltag entstehen könne, sei nur bei einer Live-Produktion möglich.
"La Bohème im Hochhaus " ist am 29. September, 20.05 Uhr auf SF 1, TSR 1, RSI 1 und Arte zu sehen. Moderiert wird die Sendung von Sandra Studer, Michel Cerutti und Alice Tumler. (sda)

