27.10.2026

Roger Schawinski

Medienpionier beim Reformator

Grosser Publikumsaufmarsch im Zürcher Grossmünster: Medienpionier Roger Schawinski sprach sehr offen über sich und seinen jüdischen Glauben und präsentierte dabei eine ungewöhnliche Idee.
Roger Schawinski: Medienpionier beim Reformator
Roger Schawinski (links) und Pfarrer Christian Walti im Zürcher Grossmünster. (Bild: Marc Jäggi)

Was verbindet Huldrych Zwingli und Roger Schawinski? Beide sind Rebellen, beide veränderten Zürich auf ihre Weise, beide traten im Grossmünster auf. Rund 600 Leute versammelten sich am Montagabend in Zürichs wichtigster Kirche, als der Radio-1-Chef im Rahmen der Gesprächsreihe «Persönlich» von Pfarrer Christian Walti zu seinem Leben und seinem jüdischen Glauben befragt wurde. Frühere Gäste waren unter anderem Bundesrätin Karin Keller-Sutter, Bundesrat Guy Parmelin, der ehemalige Nationalbankchef Philipp Hildebrand und Regierungsrätin Natalie Rickli.

Schawinski betonte zu Beginn des Gesprächs, dass er sich nicht als religiösen, sondern eher als spirituellen Menschen empfinde. So seien die Zehn Gebote aus der Bibel immer der Leitfaden seines Handelns gewesen. Obwohl er traditionell jüdisch im Zürcher Kreis 4 aufgewachsen sei, habe er in seiner Jugend keinen Antisemitismus gespürt. Gleichzeitig sei ihm bewusst gewesen, dass man als Jude immer unter besonderer Beobachtung stehe. Bei Trump beispielsweise, so der 81-Jährige, frage man nie nach dessen Religion. Seine jüngste Tochter habe ihm die Religion wieder nähergebracht und ihn auf religiöse Feiertage hingewiesen, die er sonst nicht gefeiert habe. Schawinski erzählte, dass er als Jugendlicher in den Sechstagekrieg habe ziehen wollen, die Anreise aber abgebrochen habe, da der Krieg bereits vorbei gewesen sei. Heute hofft Schawinski auf einen Regierungswechsel in Israel.

Die Lehre von Émile Coué

Als erste wichtige Bezugsperson nannte er seinen Vater. Obwohl dieser in ärmlichen Verhältnissen lebte, habe er als Anhänger der Lehre des französischen Psychologen Émile Coué nur das Positive gesehen und sich mit Autosuggestion täglich verbessern wollen. Berührend war der Moment, als Schawinski den Tod seiner Mutter beschrieb, die bei ihrem Ableben sehr entspannt und zufrieden mit sich und ihrem Umfeld gewesen sei. Das sei sehr eindrücklich gewesen. Deshalb sei es wichtig, so der Medienpionier abschliessend, wie man seinen Mitmenschen in Erinnerung bleibe. Er selbst habe in diesem Leben weitaus mehr erreicht, als er sich je hätte vorstellen können. Auf den fast gleichaltrigen Donald Trump angesprochen, meinte Schawinski, dass dessen Karriere auf Tricks und Lügen beruhe. Das sei kaum der Sinn des Lebens.

Verzicht auf die 13. AHV-Rente

Am Schluss lancierte Schawinski einen ungewöhnlichen Vorschlag, der im Gespräch mit Filippo Leutenegger, derzeit Präsident der FDP des Kantons Zürich, entstanden sei: Besserverdienende, zu denen er sich selbst zähle, sollten freiwillig auf die 13. AHV-Rente verzichten, um ein weiteres Milliardendefizit zu vermeiden. Er mache die Öffentlichkeit nun zum ersten Mal auf diesen Vorschlag aufmerksam, in der Hoffnung, Gleichgesinnte zu finden. Nach dem Gespräch zeigte sich Schawinski sehr zufrieden und auch berührt von seinem Auftritt an Zwinglis Wirkungsstätte. Nur das Thema UKW, meinte er lakonisch, habe er im Gespräch vermisst.


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