06.09.2012

ZFF

Mehr Geld, mehr Filme, mehr Prominente

Interview mit Direktor Karl Spoerri.

Der Zurich Film Festival (ZFF) wächst weiter: Bei der 8. Ausgabe vom 20. bis 30. September gebe es mehr Filme, mehr Mitarbeitende, mehr prominente Gäste und mehr Preise, sagte Geschäftsführerin Nadja Schildknecht am Donnerstag vor den Medien. Das Festival habe sich "einen grossen Schritt weiterentwickelt". Es sei aber noch immer ein Festival der kurzen Wege mit einem "nicht überbordenden Programm". Das Budget wuchs gegenüber dem Vorjahr von 4,9 auf 5,7 Millionen Franken an. Der Anteil von Geldern aus der Privatwirtschaft sei mit 80 Prozent so hoch wie bei keinem anderen Schweizer Filmfestival.

Eröffnung mit Oliver Stones

Unter den 111 in Zürich präsentierten Filmen aus 22 Ländern sind neun Weltpremieren. Als Stargäste angekündigt werden Richard Gere, Susan Sarandon, John Travolta, Oliver Stone und Tom Tykwer. Zur Prominenz, die nach Zürich kommt, gehören auch Emmanuelle Riva, Carlos Leal, Julia Jentsch, Asghar Farhadi, Jerry Weintraub und Herbert Grönemeyer. Die Zahl der eingeladenen Gäste sei von 215 im Vorjahr auf 350 angestiegen, sagte Schildknecht.

Eröffnet wird das Festival am 20. September mit Oliver Stones "Savages", in dem John Travolta die Hauptrolle spielt. Bundesrat Johann Schneider-Ammann werde die Eröffnungsrede halten, kündigte Schildknecht an. Als weitere Gala-Premieren erwähnte der künstlerische Direktor Karl Spoerri den Cannes-Gewinner "Amour" von Michael Haneke und "Arbitrage" von Nicholas Jarecki an. Mit der Europapremiere von François Ozons "Dans la maison" wird das Festival am 30. September abgeschlossen.

23 Erstlingsfilme in den Wettbewerben

Vier Wettbewerbe für Spiel- und Dokumentarfilme, in denen "Goldene Augen" als Auszeichnungen vergeben werden, bilden laut Spoerri das Herzstück des Festivalprogramms. Unter den 39 Wettwerbsbeiträgen sind 23 Erstlingsfilme. Der Schweizer Film ist in Zürich mit fünf Weltpremieren vertreten. Im internationalen Spielfilmwettbewerb läuft der Erstling "Avanti" der Genfer Videokünstlerin Emmanuelle Antille. Die Komödie "Leuchtturm, Leichen & Pasteten" von Matthias J. Michel ist im deutschsprachigen Spielfilmwettbewerb zu sehen. Im deutschsprachigen Dokumentarfilmwettbewerb konkurrieren der Musikfilm "Appassionata" von Christian Labhart und Das Biopic "Paul Bowles: The Cage Door is Always Open" von Daniel Young um ein "Goldenes Auge". Als Spezialaufführung läuft schliesslich Markus Welters "Der Teufel von Mailand" nach dem Roman von Martin Suter.

Stärker im deutschsprachigen Markt etablieren

Das Festival will sich laut Spoerri noch stärker im deutschsprachigen Markt etablieren. Erstmals durchgeführt wird für Filmeinkäufer die "ZFF Filmboutique" mit einer Auswahl von neuen Filmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In vier Retrospektiven werden wichtige Filme der diesjährigen Preisträger gezeigt: Die "Ocean's"-Trilogie des US-Produzenten Jerry Weintraub, "American Gigolo" und "Pretty Woman" mit Richard Gere, "Lola rennt" und "Das Parfüm" von Tom Tykwer und "Saturday Night Fever" und "Pulp Fiction" mit John Travolta. Eine Programmreihe mit elf Filmen ist dem Gastland Schweden gewidmet. Erstmals gibt es einen internationalen Filmmusikwettbewerb. Bereits zum siebten Mal bietet die Veranstaltung "Zurich Master Class" Filmbegeisterten Gelegenheit zum Kontakt mit internationalen Filmemachern. Anlässlich der Medienkonferenz gab Karl Spoerri gegenüber persoenlich.com weitere Details bekannt:

Herr Spoerri, am Donnerstag haben Sie das Programm des diesjährigen Zurich Film Festival vorgestellt. Können Sie es für uns in wenigen Sätzen greifbar machen? Gibt es einen gemeinsamen Nenner?

Der grosse gemeinsame inhaltliche Nenner ist die 'Veränderung'. Formal nutzen Dokumentarfilme immer häufiger narrative, fiktionale Elemente um der Wahrheit näher zu kommen. Im Gegenzug dazu nutzen Spielfilme dokumentarische Formen um Geschichten authentischer zu machen. Letztlich geht es ja immer darum, den emotionalen Punkt bei uns zu treffen und das machen die Filmemacher, welche dieses Jahr das ZFF gestalten, hervorragend.

Dieses Jahr finden viele grosse Namen und Filme aus allen Winkeln der Welt den Weg nach Zürich. Wie gehen Sie als Programmgestalter genau vor?

Wir reisen viel und sichten im Programmteam ca. 2000 Filme. Es ist wie ein grosser Trichter den man füllt und am Ende schaffen rund 40 Filme den Weg in den Wettbewerb. Die Delegierten unterstützen uns dabei mit Vorschlägen.

Ziel des Festivals ist es ebenfalls, die Vernetzung zwischen Produzenten und Regisseuren zu fördern. Ist Zürich bereits zum Treffpunkt der internationalen Filmszene geworden?

Ja, unbedingt! Film ist Teamarbeit und braucht den Austausch. Das ZFF ist mittlerweile ein grosser Treffpunkt und wächst weiter.

Ihr persönliches Festivalhighlight in diesem Jahr?

Jerry Weintraub.

Haben Sie selbst eine Frage an den grossen Jerry Weintraub, der heuer eine Masterclass leiten wird?

Wie überzeugt man George Clooney, Brad Pitt und Matt Damon drei Mal hintereinander zusammenzuarbeiten? Das kann nur ein sehr überzeugender Verkäufer - und ich denke, Jerry ist darin wirklich der Grösste.

Interview und Text: Adrian Schräder, sda


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