08.01.2013

Pussy Riot

Milo Rau inszeniert Prozesse neu

Auch die "Weltwoche" wird in Zürcher Theatern zum Thema.

In Weimar hat der Schweizer Autor und Regisseur Milo Rau einen Theaterskandal ausgelöst. Sein neustes Projekt nennt sich "Moskauer Prozesse". Dabei inszeniert Rau die Gerichtsverhandlungen gegen die Punk- Aktivistinnen von Pussy Riot - mit offenem Ausgang. Sei es über den Völkermord in Ruanda oder über die letzten Tage des rumänischen Diktators Ceausescu - Milo Rau zeichnet in dokumentarischen Projekten strittige Momente der Geschichte nach. Eine heftige Kontroverse entfachte im vergangenen Herbst auch die von Rau geplante Verlesung von "Breiviks Erklärung". Das Deutsche Nationaltheater in Weimar hatte sich von der Lesung distanziert. Milo Rau verlegte daraufhin die Lesung vom Theater in ein privates Kino.

Nächste Station ist im März das Moskauer Saratow-Zentrum, das zu einem Gerichtssaal für den Schauprozess umfunktioniert wird, wie es in einer Medienmitteilung des International Institute of Political Murder (IIPM) vom Dienstag heisst. Rau ist der Leiter der 2007 gegründeten Theater- und Filmproduktionsgesellschaft IIPM. Die Verurteilung der Punk-Aktivistinnen der Gruppe Pussy Riot zu zwei Jahren Straflager für ihre Protestaktion in einer Moskauer Kirche sei nur der Endpunkt von Schauprozessen gegen Künstler und Dissidenten. In die "Moskauer Prozesse" werden Berufsrichter, Anwälte, Politiker, Kirchenführer, Künstler und Zeugen einen inszenierten Schauprozess durchleben. Ein Schöffengericht aus Moskauer Bürgern fällt schliesslich das Urteil: für oder gegen die Demokratie, für oder gegen die Freiheit der Kunst. In der Gessnerallee Zürich wird vom 14. bis 16. März eine Filmfassung gezeigt. Danach reist das Projekt an die Wiener Festwochen. Abschluss des Projekts ist vom 14. bis 16. Juni 2013 das Konzert Theater Bern. Dort sollen Auswirkungen der Aktion mit Dokumentarfilm, Diskussionen und der Ausstellung "Der dunkle Kontinent" beleuchtet werden.

Schauprozess gegen "Die Weltwoche"

Vom 3. bis 5. Mai wird Rau am Theater Neumarkt in Zürich das Format des theatralen Schauprozesses noch einmal auf der Bühne erproben. In den "Zürcher Prozessen" werde es um die in der Schweiz und im angrenzenden Ausland immer wieder kontrovers diskutierte Zeitschrift "Die Weltwoche" gehen, heisst es weiter. (sda)


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