03.04.2013

René Burri wird 80

Mit der Kamera unterwegs in aller Welt

Fotograf feiert den 80. Geburtstag.
René Burri wird 80: Mit der Kamera unterwegs in aller Welt

Mit seinen Porträts von Che Guevara, Picasso oder Alberto Giacometti und seinen Reportagen aus aller Welt hat sich René Burri einen zentralen Platz in der Geschichte der Fotografie gesichert. Am 9. April feiert der Schweizer Fotokünstler den 80. Geburtstag. Mit Hut, gelbem Schal, schussbereiter Kamera und viel Pfiff präsentierte sich René Burri im August 2010 im Museum Bellerive in Zürich an der Eröffnung seiner jüngsten musealen Einzelausstellung in der Schweiz. Thema war Le Corbusier und dessen Architektur. Burri hat den schweizerisch-französischen Architekten und Künstler über 3000 Mal fotografiert. Einige dieser Bilder zählen zu den Ikonen in der Geschichte der Fotografie.

Ikone Che Guevara
 
Den grössten seiner Coups landete der Fotograf allerdings 1963 in Havanna, als er vom kubanischen Industrieminister Ernesto Che Guevara empfangen wurde. Bei diesem Besuch entstanden zahlreiche Porträts; eines davon mit dem bärtigen, Zigarre rauchenden Revolutionär hat unverzüglich die Reise um die Welt angetreten. Ab 5. Juni ist ein Abzug dieser Fotografie, Burris berühmtester, in Zürich zu sehen. Das Museum für Gestaltung zeigt sie in der Geburtstagsausstellung "René Burri - Doppelleben" zusammen mit weniger bekannten Porträts Che Guevaras. Acht andere Ikonen des in Paris lebenden Zürcher Fotografen - Porträts von Picasso und anderen Kulturgrössen sowie Stadtbilder - werden ebenfalls gruppenmässig präsentiert. Insgesamt sind 80 dieser Schwarzweissfotografien ausgestellt, zudem 84 farbige Bilder. Alle 164 Abzüge bereichern als Schenkung die Sammlung des Museums.

 

Mitglied bei Magnum

Mit dem Museum für Gestaltung und der heutigen Zürcher Hochschule der Künste  (ZHdK) ist der am 9. April 1933 in Zürich geborene René Burri eng verbunden. An der damaligen Kunstgewerbeschule liess er sich von 1950 bis 1953 in der Fachklasse für Fotografie bei Hans Finsler zum Fotografen ausbilden. 1955 reichte Burri seine Fotoreportage über die Arbeit der Zürcher Musikpädagogin Mimi Scheiblauer mit taubstummen Kindern bei der Fotoagentur  Magnum ein und erhielt den Zuschlag. Die Bilder wurden in der Zeitschrift "Science et vie" publiziert. 1959 nahm Magnum Burri als Vollmitglied auf. Er reiste um die Welt und publizierte seine Reportagen über die grossen politischen Geschehnisse des 20. Jahrhunderts in "DU", "Life", "Picture Post", "Stern", "GEO" oder "Paris Match".


"Die Deutschen" und andere Fotobücher

Zu Burris Werk gehören auch Fotobücher. 1959 bis 1961 bereiste er Deutschland. Die Aufnahmen unter anderem über den Mauerbau erschienen 1962 im Band "Die  Deutschen". Dieses Buch sei eine Fortsetzung von "Les Américains" (1958) des 1924 geborenen schweizerisch-amerikanischen Fotografen Robert Frank, schreibt Matthias Christen im Katalog "Schweizer Fotobücher 1927 bis heute" (2012) der Fotostiftung Schweiz. Beide Bücher handelten von einer wirtschaftlich prosperierenden Nachkriegsgesellschaft und beleuchteten mit ihren schwarzweissen Aufnahmen "die dunkleren Seiten des transatlantischen Wirtschaftswunders", schreibt Christen. Gemeinsam sei den Fotobänden "dieser kritische Blick auf die gesellschaftlichen Verwerfungen der Nachkriegszeit".


Nach "Die Deutschen" erschienen zahlreiche weiter Fotobücher, unter anderem  "The Gauchos" (1968), "Japan" (1970), "Behind the Great Wall of China" (1972),  "La Grèce" (1974), "One World. Fotografien und Collagen" (1950-1983), "Ein amerikanischer Traum" (1986) und zuletzt "René Burri Fotografien" (2004). René Burris Werk ist mehrfach ausgezeichnet worden. Zuletzt erhielt der Fotograf 2011 den mit 20'000 Franken dotierten Swiss Press Photo Life Time Achievement Award der Fondation Reinhardt von Graffenried. (sda/Karl Wüst, sfd)

Bild: red.


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