27.11.2025

Moser & Schelker

Mit der Selbstständigkeit haben sie noch eine Schippe draufgelegt

Vom Berner Lokalradiostudio in die Münchner Bavaria Studios und jetzt auf die ganz grosse Bühne: Das sind Simon Moser und Michel Schelker, die bekannten Unbekannten im Schweizer Medien- und Showgeschäft.
Moser & Schelker: Mit der Selbstständigkeit haben sie noch eine Schippe draufgelegt
Die Podcaster Michel Schelker und Simon Moser bei einem Live-Auftritt in Das Zelt. Nun geht es auf die grosse Bühne der neuen Berner Festhalle. (Bild: Thilo Larsson)

Es klingt nach einer Mischung aus Belustigung und Irritation. Vielleicht ist es auch nur gut gespielt. «Also excusez! Ich möchte das einfach nicht bei uns, ich hätte ein komisches Gefühl», gluckst es aus ihm heraus in Folge 331 des Podcasts «Die Sprechstunde». Simon Moser kann es fast nicht glauben, dass die Blick-Redaktion den Bühnenauftritt des Podcasts «Zivadiliring» vor zehntausend Zuschauern im Zürcher Hallenstadion mit einem Live-Ticker begleitete.

Zum einen besteht durchaus Grund zur Annahme, dass der Blick oder eine andere Online-Redaktion in Versuchung geraten könnte, Moser mit Compagnon Michel Schelker tickernd zu begleiten. Schliesslich zählen sie wie Zivadiliring zur Top-Liga der heimischen Podcast-Welt mit über 50’000 Wiedergaben pro Episode auf Spotify. Und wie die drei Damen aus Zürich werden auch die beiden Buben am kommenden Wochenende ein grosses Haus gut füllen: zweimal die Bühnenshow von «Die Sprechstunde» in der neuen Berner Festhalle ergibt über 8000 Leute, die für eine Live-Produktion ihres Lieblingspodcasts Eintritt zahlen. Zum anderen ist es einigermassen unwahrscheinlich, dass eine Zürcher Redaktion einen Ticker hochfährt für einen Event in der fernen Bundesstadt. Moser mag das beruhigen. Aber geschäftlich sollte er sich sorgen.

Zu wenig bekannt in Zürich, zu gross für Bern
 
Für Nik Eugster, der Dritte im Bunde mit Moser & Schelker und ihr Manager, zeigt sich hier ein Dilemma. «Wer in Zürich einen Anlass für 8000 Leute organisiert, kommt damit in die nationalen Sponsoring-Pläne», sagt der langjährige Radiomacher. «Wenn wir das Gleiche in Bern veranstalten, dann läuft das als regionaler Anlass mit den kleineren Budgets.» Gleichzeitig sind Moser & Schelker für Bern eine Nummer zu gross, um noch als regionaler Act wahrgenommen zu werden. So fallen sie quasi zwischen Stuhl und Bank.

Beklagen wollen sich die drei aber nicht. Erstens haben sie dafür keine Zeit und zweitens entspräche das nicht ihrem grundoptimistischen Naturell. Ausserdem läuft das Geschäft gut. Dass sich die Tickets für die Podcast-Bühnenshows so gut verkaufen, liegt auch daran, dass Moser & Schelker in diesem Jahr nicht mit das «Das Zelt» unterwegs sind.

«Sie sagen uns auch, wenn sie etwas scheisse finden»

Wer sind die Leute, die zu Tausenden ihre Podcast-Lieblinge live sehen wollen? Moser & Schelker beschreiben ihr Publikum als breit gefächert, grösstenteils zwischen 20 und 40 Jahre alt, mittlerweile etwas mehr weiblich, von der Frauenärztin bis zum Coiffeur. Es sei eine richtige Community und nicht einfach eine unkritische Fangemeinde. «Die sagen uns auch, wenn sie etwas scheisse finden», sagt Michel Schelker.
 
An einem Donnerstagmittag Anfang November treffen sich Moser, Schelker und Eugster zum Mittagessen in einem Restaurant gleich gegenüber der Festhalle. Sie testen das Menu, das die Besucher ihrer Podcast-Liveshow serviert erhalten, wenn sie ein Übernachtungspaket buchen. Als Vorspeise steht Rindstataki mit Wasabi-Mayonnaise, Kräutersalat und knusprigen Zwiebeln auf dem Tisch. Zum Hauptgang folgt eine Pouletbrust gegart mit Zitrone und Rosmarin dazu Selleriepüree und gegrilltes Gemüse mit Balsamico-Glasur.
 
Die Szene ist typisch für Moser & Schelker. Sie machen vieles selber, was sie auch delegieren könnten. Vor etwas mehr als zwei Jahren haben sie zusammen mit Nik Eugster als Trio die Firma «Lucky Lark» gegründet, ihre Anstellung bei Radio Energy gekündigt und sich selbständig gemacht (persoenlich.com berichtete). Seither geben sie Gas. Im Prinzip machen sie das Gleiche wie schon immer. Einfach mehr davon. «Unsere Formate unterscheiden sich ja nicht grundlegend voneinander», sagt Simon Moser. «Im Zentrum steht immer die Interaktion zwischen uns beiden.» Zwei grundsätzlich gmögige Berner, aber doch unterschiedlich genug, dass sich Spannungen aufbauen: Schelker fährt Motorrad, Moser Velo (oder er behauptet es zumindest). Schelker ist in der Armee, Moser nicht. Schelker ist unverheiratet in einer kinderlosen Partnerschaft, Moser ist Familienvater. «Wir sind authentisch, sonst würde es nicht funktionieren», sagt Michel Schelker.

Aktuell zählt der Podcast 333 Folgen
 
Inzwischen produzieren Moser & Schelker sechs Medienformate mehr oder weniger parallel: Ihre Morgenshow auf Radio Energy läuft seit einer gefühlten Ewigkeit. Seit bald sieben Jahren produzieren sie wöchentlich «Die Sprechstunde». Aktuell zählt der Podcast 333 Folgen. Damit treten sie auch regelmässig live auf grossen Bühnen auf. Mit der «Musiktherapie», einem Spin-off ihres Podcasts, sieht man sie im Rahmen der Migros-Jubiläumsveranstaltungen. Und dann noch Fernsehen: Als sich die beiden vor gut zwei Jahren selbstständig gemacht haben, war die Präsenz auf dem grossen Bildschirm ihr erklärtes Ziel. Seither produzierten sie für den CH-Media-Sender 3+ drei Staffeln «Buddy Bucket List» und eine erste Staffel mit fünf Folgen von «Wer will Wochenende?».
 
Mit dieser Show erfüllten sich Moser & Schelker einen Kindheitstraum. «Fernsehen mag nicht das aktuellste Unterhaltungsmedium sein», räumt Michel Schelker ein. «Aber für Medienmacher wie uns ist es immer noch etwas Besonderes, quasi die Champions League.»
 
«Wer will Wochenende?» ist eine klassische Samstagabendshow. Für die Produktion der fünf Folgen der ersten Staffel ging es in die Bavaria Studios; aus pragmatischen Gründen und nicht wegen des prestigeträchtigen Namens. «In München war alles vorhanden, was wir brauchten, in der Schweiz hätten wir das alles irgendwo zuerst aufbauen müssen», begründet Nik Eugster die Studiowahl.

Erinnerungen an «Spiel ohne Grenzen» 

2025 wirkt das Format etwas aus der Zeit gefallen. Im Zentrum stehen Moser & Schelker, die gegeneinander antreten. Das machen sie mit Spielen, die an den TV-Klamauk aus den 1970er-Jahren im Stil von «Spiel ohne Grenzen» erinnern. Ein Quiz darf natürlich auch nicht fehlen. Das eigens aus der Schweiz angekarrte Publikum macht munter mit; die eine Hälfte ist angehalten, Moser lautstark zu unterstützen, die andere Schelker.
 
Am Ende muss der Kandidat mit weniger Punkten für Berufsleute einspringen, die sonst am Wochenende arbeiten – und diese dürfen zwei freie Tage geniessen. Zum Beispiel eine Puffmutter oder ein Rohrreiniger. Da sieht man dann Schelker im Bordell, wie er Dildos reinigt. Ein gefundenes Fressen für die Boulevardmedien und eine ungewohnte Situation für den Medienmacher, der plötzlich darüber Auskunft geben soll, was er von Prostitution hält. Vermutlich erreichte «Wer will Wochenende?» damit ein grösseres Publikum als vor dem Fernsehbildschirm.


 
Moser & Schelker ist durchaus bewusst, dass sie mit ihren Fernsehproduktionen nicht die grossen Massen erreichen. Das hätte auch anders herauskommen können. Am Anfang ihres Fernsehabenteuers konnten sie ihre Pläne auch bei SRF vorstellen. Da wäre es um eine Late-Night-Show gegangen. Aber sie kamen wohl etwas zu spät und das Schweizer Fernsehen hatte schon Stefan Büsser engagiert. Bei 3+ sind Moser & Schelker aber ganz glücklich. Schon mit «Buddy Bucket List» und nun auch mit «Wer will Wochenende?» geniessen sie viele Freiheiten und ein grosses Vertrauen beim Sender. «Wir können mehr oder weniger das machen, was wir wollen», sagt Simon Moser.
 
Und bisher machten sie auch so viel, wie sie wollten. Der ganze Aufwand beginnt den beiden langsam zuzusetzen. Mehr wird es bestimmt nicht mehr. Sie wollen aber eher die Frequenz der einzelnen Formate anpassen als ein Projekt ganz einzustellen. Schliesslich stehen sie nach zwei Jahren erst am Anfang. Und so lange die beiden einander aushalten und sich noch etwas zu sagen haben, wird es Moser & Schelker geben.


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