07.07.2026

Todesfall

Moritz de Hadeln ist verstorben

Der einflussreiche Festivalmacher prägte über Jahrzehnte das internationale Kino – nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.
Todesfall: Moritz de Hadeln ist verstorben
Wurde 85 Jahre alt: Moritz de Hadeln, hier 2020 an der 70. Berlinale. (Bild: Keystone/DPA/Michael Kappeler)

Moritz de Hadeln, langjähriger Leiter einiger der bedeutendsten internationalen Filmfestivals, darunter Berlin, Locarno und Venedig, sowie Gründer von «Visions du Réel», ist tot. Er verstarb im Alter von 85 Jahren nach längerer Krankheit.

Diego Demougeot, mitverantwortlicher Kommunikationsleiter des Filmfestivals in Nyon, bestätigte den Todesfall am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. De Hadeln verstarb in einem Spital nach Komplikationen nach einem chirurgischen Eingriff.

De Hadeln wurde am 21. Dezember 1940 in Exeter GB in eine Familie mit Verbindungen zur Kunstwelt geboren. Er wuchs in Italien, Frankreich und der Schweiz auf und kam schon in jungen Jahren mit der Fotografie und dem Kino in Berührung.

Gründer von «Visions du Réel»

Nach dem Studium besuchte er in Paris eine experimentelle Filmwerkstatt und Kurse des Regisseurs Raimond Rouleau. Er begann seine Karriere als Fotograf und Dokumentarfilmer. 1963 drehte er den Dokumentarfilm «Le Pèlé», 1966 folgte «Ombres et Mirages». In jenen Jahren arbeitete er auch als Cutter und Regieassistent.

Der Durchbruch gelang ihm 1969, als er gemeinsam mit seiner Frau Erika von dem Hagen in Nyon das Internationale Dokumentarfilmfestival gründete, heute bekannt als «Visions du Réel». Es hat sich im Laufe der Zeit zu einer der wichtigsten internationalen Veranstaltungen für den Dokumentarfilm entwickelt.

1972 wurde de Hadeln zum Direktor des Internationalen Filmfestivals von Locarno ernannt, ein Amt, das er bis 1977 innehatte. Er stärkte das internationales Profil dieser Veranstaltung, erweiterte das Programm für das unabhängige Kino und etablierte die Open-Air-Vorführungen auf der Piazza Grande. Sie sind im Laufe der Jahre zum Symbol des Tessiner Festivals geworden.

Von 1980 bis 2001 leitete de Hadeln die Internationalen Filmfestspiele Berlin. In diesen 21 Jahren festigte das Festival seine Rolle als eines der weltweit führenden Filmfestivals. Im Jahr 2000 begleitete er den Umzug des Festivals an den neuen Standort am Potsdamer Platz.

Im März 2002 wurde er zum künstlerischen Leiter der Internationalen Filmfestspiele von Venedig berufen und war damit der erste ausländische Direktor in der Geschichte des Festivals. Er nahm das Amt wenige Monate vor Beginn der Veranstaltung an und stellte ein Programm zusammen, das fünf Miramax-Filme von Harvey Weinstein umfasste, darunter «Frida» und «The Hours».

Berater und Jurymitglied

Als der Produzent in den Skandal um sexuelle Belästigung verwickelt wurde, wurde de Hadeln heftig kritisiert, weil er den mittlerweile ehemaligen Magnaten als einen der wenigen in Hollywood, die das Kino wirklich liebten bezeichnet hatte und sich zudem über die öffentliche Verurteilung beklagte, der Weinstein ausgesetzt war.

Die von Spannungen und politischem Druck geprägte künstlerische Leitung dauerte bis 2003, als de Hadeln durch Marco Müller abgelöst wurde. In den folgenden Jahren war er weiterhin als Berater in der Filmbranche tätig. Mit seiner Frau hatte er eine Firma gegründet, die sich auf die Organisation von Veranstaltungen und die Beratung für internationale Festivals spezialisiert hatte.

De Hadeln war Mitglied zahlreicher internationaler Festivaljurys. Im Laufe seiner Karriere erhielt er zahlreiche internationale Auszeichnungen. (sda/akr/cbe)


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