07.01.2026

So wird 2026

Solidarität und Zusammenhalt sind gefragt

Der Ausblick der Branche zeigt einige Unsicherheiten. Da gilt es, Unterstützung zu bieten, die Interessen zu vereinigen und gemeinsam Haltung zu zeigen, zum Beispiel im Kampf gegen die drohenden Werbeverbote. Das ist der dritte und letzte Teil unserer Neujahrsumfrage.

Linda Leuenberger, JJS


Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2026 in Ihrem Bereich?
Die grösste Herausforderung dieses Jahr wird sein, den Mut nicht zu verlieren. Wir sind mit dem Credo aufgewachsen, dass wir mit harter Arbeit unsere Ziele erreichen können. Das stimmt nicht mehr. Im Umfeld von JJS gibt es eine Menge grossartiger Leute, die sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass ihnen der Berufseinstieg trotz ihres Engagements, ihrer Diplome und ihrer Hingabe zum Journalismus misslingen kann – ohne dass sie mit ihrem Einsatz etwas daran ändern könnten. Die Kürzungen und Entlassungen der vergangenen Jahre erschweren und verunmöglichen den Berufseinstieg. Die Konkurrenz um wenige Stellen ist riesig. Darum hängt auch die Halbierungsinitiative wie eine Gewitterwolke über uns.

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
JJS wird 20 Jahre alt! Es tut gut, Teil eines Netzwerks zu sein, das seit zwei Jahrzehnten Bestand hat. Wir entwickeln uns immer weiter. Kürzlich haben wir eine Anlaufstelle lanciert, bei der sich junge Journis melden können, wenn sie Hilfe oder ein offenes Ohr brauchen. Damit und mit unserem bisherigen bewährten Programm wollen wir sicherstellen, dass sich junge Medienleute ausserhalb der Redaktionen weiterbilden und vernetzen können. Das Interesse ist nämlich ungebrochen. Auf freiwerdende Vorstandsämter bewerben sich beispielsweise immer viel mehr Leute, als wir aufnehmen können. Auch unser dreitägiges Medienfestival «Journalismus Jetzt» war wieder ausgebucht. Darauf bauen wir.



 

Matthias Kiess, Präsident IAA Swiss Chapter


Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2026 in Ihrem Bereich?
Ich sehe gerade mit etwas Besorgnis den Entwicklungen in unserem Markt entgegen. Strukturelle Veränderungen, durch wirtschaftlichen Druck und KI bedingt, schaffen Unsicherheit. Unsicherheit führt einerseits zu Orientierungslosigkeit, andererseits aber auch zu Transformationsdruck. Zweiteren sollen wir zum Anlass nehmen, unsere Prioritäten zu hinterfragen und uns neu auszurichten. Dabei sollten wir auch unsere ganz eigenen Marktverhältnisse (alle Werbetreibende!) berücksichtigen und wieder mehr Gemeinsamkeiten identifizieren, die uns ausmachen. Gemeinsamkeiten bedeutet auch Vereinigung von Interessen. Interessen aller Marktpartizipanten des Schweizerischen Werbemarktes. Diese sollten wir wieder vermehrt wahrnehmen und gemeinsam Verantwortung übernehmen, dass die Vielfalt unseres Marktes nicht verloren geht. Des Weiteren sollten wir in Angesicht von KI auch die Frage nach kreativer Exzellenz stellen. Wie gewährleisten wir zukünftig Qualität und Stand-out für unsere Marken? Wie verhindern wir, dass Slop unsere Kanäle flutet?

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
Viele Lichtblicke sehe ich nicht. Einzig fällt mir auf, dass es ein entstehendes Bewusstsein vieler gibt, dass wir etwas tun müssen, um unseren Markt zu schützen und Qualität zu fördern. Das Interesse und die Gesprächsbereitschaft nehmen zu und Partikularinteressen werden eher wieder etwas in den Hintergrund gestellt. Trotz der opportunistischen Versuchung, KI als den Heilsbringer zu sehen, wird man sich auch hier, je länger, je mehr, auch der Grenzen von KI bewusst. Das stimmt mich optimistisch, dass menschliche Impulse unseren Markt weiterhin wesentlich formen werden.
 



Thomas Wildberger, Präsident ADC


Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2026 in Ihrem Bereich?
Der ADC ist ja auch ein Spiegel der Kommunikationsbranche. Deren Protagonisten waren zwar immer sehr flexibel, aber jetzt muss die Branche einen perfekten Spagat schaffen. Einerseits müssen Agenturen KI in ihre Arbeitsprozesse integrieren, gleichzeitig aber aufpassen, die Hoheit über die aussergewöhnliche Idee zu behalten. Und dafür auf Menschen zu setzen, die wissen und zeigen, wie das geht. Wer dieses Alleinstellungsmerkmal aufgibt, kann seine Kunden gleich an die Tech-Konzerne weiterreichen.

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
Kein Lichtblick, sondern geradezu ein Lichtstrahl ist der 50. Geburtstag des ADC. Das Jubiläum des Clubs ist der eindeutige Beweis, dass frische, ungewöhnliche, menschengemachte Ideen seit jeher den Unterschied machen. Wir werden jeden Bestandteil, der zu exzellenter kreativer Kommunikation beiträgt, das ganze Jahr über zelebrieren und der Kreativität gipfelnd in einer kompletten Creative Week eine grosse Bühne bieten. Mögen wir möglichst viele damit erhellen und ein Zeichen in Richtung der nächsten 50 Jahre setzen.
 



 

Andreas Hugi, Präsident LSA


Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2026 in Ihrem Bereich?
Budgetdruck und härtere Einkaufsprozesse fordern auch 2026 unsere Mitglieder, aber das kennen und können wir. Gleichzeitig bleibt auch das Thema KI omnipräsent: Als Kommunikationsbranche waren wir aber immer dann am stärksten, wenn Technologie uns herausgefordert hat. KI ist hier, um zu bleiben – und das ist gut so, denn sie unterstützt uns enorm. Gleichzeitig ist klar: Kreativität, strategische Klarheit, Netzwerk, Markenführung und mutiges Denken lassen sich nicht automatisieren. KI kann Varianten liefern, aber nicht den Kern, der Menschen bewegt. Eine weitere Herausforderung bleiben Wettbewerbspräsentationen (Pitches), die oft zu komplex und zu wenig transparent sind. Auch zunehmende Regulierungen sowie Werbeverbote fordern unsere Branche weiterhin.

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
Die Nachfrage nach Kreativität, Exzellenz und intelligenter Beratung über den Tellerrand hinaus bleibt. Agenturen, die hier ihre Kunden gut begleiten, werden auch im Jahr 2026 Lichtblicke erleben. Vorwärts geht es dort, wo unsere Mitglieder Menschen und Ideen pragmatisch verbinden und echte Kommunikationsprobleme lösen. KI beschleunigt unsere Analysen und Varianten, doch der menschliche Kompass unserer Mitglieder bleibt entscheidend für Relevanz, Wirkung und Markenführung. Bei den Wettbewerbspräsentationen (Pitches) werden wir seitens LSA im Jahr 2026 mit neuen Guidances für Werbeauftraggebende und Agenturen zu mehr Transparenz, Fairness und Effizienz beitragen. Und bei Werbeverboten und Regulierungen gilt: gemeinsam Haltung zeigen, konstruktive Lösungen erarbeiten und die gesellschaftliche wie wirtschaftliche Relevanz von Kommunikation unterstreichen. Wer so vorangeht, wird 2026 gewinnen.
 



 

Roger Wermelinger, Präsident Agenturnetzwerk ASW


Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2026 in Ihrem Bereich?
Für das Jahr 2026 sehe ich die grösste Herausforderung an unsere Branche in der wachsenden Unsicherheit. Märkte, Technologien und Kundenbedürfnisse verändern sich schneller als je zuvor, vieles ist kaum noch planbar. Die Kunst wird darin bestehen, einen kühlen Kopf zu bewahren, nicht in Aktionismus zu verfallen und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Wer jetzt in Panik verfällt oder übereilte Schnellschüsse macht, verliert den Blick für das Wesentliche. Dabei dürfen wir nie vergessen, wie privilegiert wir sind, in einer der kreativsten und spannendsten Branchen überhaupt zu arbeiten. Es geht darum, den Blick nach vorn zu richten – ohne ins Jammern über Vergangenes zu verfallen oder «die guten alten Zeiten» zu verklären. Wer in der Lage ist, dies zu wahren, bleibt auch im Jahr 2026 innovativ, agil und erfolgreich. Unsicherheit ist Teil unserer Realität, doch sie birgt gleichzeitig Chancen für diejenigen, die gelassen, reflektiert und kreativ handeln. Wer diese Haltung lebt, gestaltet nicht nur Kampagnen, sondern die Zukunft der Branche aktiv mit. 

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
Als Werber schaffen wir positive Welten: Wir kreieren Träume, erzählen Geschichten und wecken schöne Gefühle. Natürlich erleben wir alle in dieser Branche derzeit keine einfachen Zeiten, doch gerade jetzt spüre ich eine enorme Solidarität und gegenseitige Unterstützung – sowohl innerhalb der Branche als auch in unserem Verband, dem Agenturnetzwerk ASW. Selbst wenn es mal schwierig wird, ist dieses Miteinander ein starker Rückhalt. Ich bin überzeugt: Entscheidend ist, wie wir denken. Unsere Haltung, unsere Einstellung, beeinflusst alles – sie entscheidet, ob wir Chancen erkennen, Lösungen finden und Positives gestalten. Jeder Trend erzeugt auch Gegenbewegungen, aber wenn wir die positive Haltung, die wir in unseren Projekten ausleben, bewusst auf uns selbst und unsere Unternehmen übertragen, schaffen wir Fortschritt und Stabilität zugleich. Diesen Trend spüre ich gerade stark, und er stimmt mich zuversichtlich für 2026.


Urs Flückiger, Geschäftsführer IAB Switzerland


Was sind die grossen Herausforderungen für das Jahr 2026 in Ihrem Bereich?
Für mich zeichnen sich für das Jahr 2026 drei zentrale Herausforderungsfelder ab, die über die künftige Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Digitalstandorts entscheiden werden: An erster Stelle steht die konsequente Integration und der operative Einsatz von künstlicher Intelligenz. Dabei geht es längst nicht mehr nur um punktuelle Experimente, sondern um die tiefgreifende Implementierung von KI-gestützten Systemen in die gesamte Wertschöpfungskette der digitalen Werbung – von der strategischen Planung über den automatisierten Einkauf bis hin zur präzisen Echtzeit-Aussteuerung der Kampagnen. Des Weiteren wird 2026 das entscheidende «Jahr der Wahrheit» für neue Identitätslösungen. Nach dem Wegfall herkömmlicher Tracking-Methoden müssen nationale und marktübergreifende ID-Konzepte nun ihre Praxistauglichkeit im skalierten Betrieb unter Beweis stellen. Wir werden hier ein besonderes Augenmerk auf die Etablierung von Lösungen legen, die einerseits Datenschutz gewährleisten und andererseits die Unabhängigkeit des digitalen Marketing in der Schweiz sichern. Ein dritter kritischer Punkt betrifft die Transformation von SEO und SEA. Wir müssen davon ausgehen, dass sich bis 2026 die ersten belastbaren Vergütungsmodelle für Werbeplatzierungen innerhalb von KI-generierten Umgebungen abzeichnen. Dies ist eine existenzielle Frage für Publisher und das gesamte Open Web: Als Verband müssen wir darauf drängen, dass diese neuen Monetarisierungsansätze nachhaltig funktionieren und eine faire Refinanzierung von Qualitätsjournalismus und digitalen Inhalten ermöglichen.

Wo sehen Sie Lichtblicke, wo geht es vorwärts?
Ein wesentlicher Lichtblick ist für mich die Evolution hin zum «Agentic Advertising». Ich sehe hierin die logische Weiterentwicklung des Programmatic Advertising, die durch autonome KI-Agenten eine völlig neue Stufe der Effizienz erreicht. Werbung wird dadurch nicht mehr nur ausgespielt, sondern von intelligenten Systemen situativ und mit echtem Mehrwert für den Nutzer gesteuert. Ein weiterer entscheidender Impuls kommt aus dem Bereich der Digital Responsibility. Ich sehe es als grosse Chance für den Schweizer Markt, Verantwortung und digitale Resilienz als echte Wettbewerbsvorteile zu etablieren. Wenn wir KI verantwortungsvoll einsetzen, gewinnen wir das Vertrauen der Konsumenten zurück und schaffen die Basis für nachhaltiges Wachstum. Ich sehe das Jahr 2026 somit als den Zeitpunkt, an dem die Symbiose aus technologischer Kraft und menschlicher Urteilskraft zum neuen Standard für unser digitales Ökosystem wird.



In der dreiteiligen Umfrage «So wird 2026» fragen wir Vertreter der Medien-, Werbe- und Kommunikationsbranche, welche Herausforderungen und Lichtblicke im neuen Jahr zu erwarten sind. Das ist die Übersicht


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