Die Schweizer Festival-Saison ist angelaufen. Für Musikfans ist es tendenziell teurer geworden. Eine Auswertung der Nachrichtenagentur AWP zeigt, dass sich Mehrtagespässe vieler grosser Festivals in den vergangenen zehn Jahren teils um mehr als die Hälfte verteuert haben.
Das Openair St. Gallen zeigte die Entwicklung Ende Juni exemplarisch: Ein regulärer Vier-Tagespass kostete 2026 laut offizieller Preisliste 299 Franken, ein Drei-Tagespass 275 Franken und ein Zwei-Tagespass 239 Franken. Im Preis enthalten sind unter anderem Camping, die ÖV-An- und Rückreise sowie ein Klimabeitrag.
Die Preisentwicklung ist deutlich. Laut der Auswertung von AWP-Data kostete der Vier-Tagespass beim Openair St. Gallen 2016 noch 210 Franken. Im Zehnjahresvergleich entspricht das einem Plus von rund 42 Prozent. Der Zwei-Tagespass verteuerte sich von 155 auf 239 Franken, also um gut 54 Prozent. Der Ein-Tagespass stieg von 90 auf 109 Franken.
Deutlich über Inflation
In der Auswertung ergibt sich über alle Festivals und Ticketkategorien hinweg eine mittlere Preissteigerung von gut 41 Prozent. Besonders kräftig legten Mehrtagespässe zu. Damit liegt die Entwicklung klar über der allgemeinen Teuerung, die sich seit März 2015 auf 7,7 Prozent beläuft.
Beim Open Air Gampel stieg der Vier-Tagespass von 219 auf 399 Franken, ein Plus von gut 82 Prozent. Beim Open Air Frauenfeld verteuerte sich der Drei-Tagespass von 199 auf 319 Franken, der Zwei-Tagespass von 149 auf 249 Franken. Auch beim Gurtenfestival liegen die Aufschläge je nach Ticketkategorie zwischen knapp 38 und gut 54 Prozent.
Am anderen Ende der Skala stehen kleinere oder anders positionierte Anlässe wie B-Sides. Dort wurden einzelne Kategorien nur moderat teurer.
Höhere Gagen und mehr Infrastruktur
Die Festivalbetreiber verweisen auf eine Mischung aus höheren Kosten und einem veränderten Produkt. Das Openair St. Gallen spricht von markant gestiegenen Gagen, höheren Produktionskosten für Technik, Infrastruktur, Logistik und Energie sowie strengeren Sicherheits- und Bewilligungsauflagen. Hinzu kämen steigende Personal- und Dienstleistungskosten.
Gleichzeitig veränderten sich laut den Organisatoren die Erwartungen des Publikums: Komfort, Sicherheit, Nachhaltigkeit, Infrastruktur und Rahmenprogramm seien heute zentraler Bestandteil des Festivalerlebnisses. Die «Experience» sei ein entscheidender Faktor für den Ticketkauf. 2026 habe man die Preise nicht erhöht, betonten die Organisatoren zudem.
Zahlen des Verbands der professionellen Schweizer Veranstalter (SMPA) deuten auf einen anhaltenden Druck hin: Der Verband weist für die Festivals seiner Mitglieder 2025 einen durchschnittlichen Ticketpreis von 95.90 Franken aus, nach 93.60 Franken im Jahr davor.
Gleichzeitig sank im letzten Jahr die Zahl der verkauften Tickets leicht, während die Zahl der bezahlten Helfenden um knapp 20 Prozent stieg und jene der freiwilligen Helfenden zurückging. Der Index ist allerdings keine statistische Erhebung des gesamten Schweizer Veranstaltungsmarkts, sondern umfasst nur die SMPA-Mitglieder.
Ausbau der Anlässe
Beim Paléo Festival in Nyon verweist man darauf, dass die Preise zwischen 2015 und 2019 stabil geblieben seien. Die Erhöhung nach der Pandemie sei wegen stark gestiegener Produktionskosten, Show-Ausgaben, Infrastrukturkosten und Künstlergagen nötig geworden. Laut AWP-Data kostet ein Tagesticket dort aktuell 109 Franken, nach 70 Franken im Jahr 2015. Das entspricht einem Plus von rund 56 Prozent.
Paléo betont, als nicht subventionierter Non-Profit-Verein müsse die Preispolitik auf einen ausgeglichenen Haushalt ausgerichtet sein. Zudem sei das Festival seit Corona weiterentwickelt worden, unter anderem mit einem neu gestalteten Gelände und einer zusätzlichen Bühne.
Festival als «Gesamterlebnis»
Ähnlich argumentiert das Openair Gampel. Die Entwicklung sei kein isoliertes Phänomen, sondern spiegle die Veränderungen in der Veranstaltungsbranche der vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre wider. Die Digitalisierung habe den Musikmarkt verändert: Weil Einnahmen aus Tonträgern durch Streaming stark zurückgegangen seien, seien viele Acts stärker auf Liveauftritte angewiesen. Das habe die Gagen und die Anforderungen an Produktionen steigen lassen.
Hinzu kämen intensiverer Wettbewerb unter Veranstaltern, höhere Sicherheitsauflagen und gestiegene Erwartungen des Publikums an Camping, Hygiene, Gastronomie und Aufenthaltsqualität. «Das Festival ist der Headliner», heisst es beim Walliser Openair.
Preise dürften weiter steigen
Beim Greenfield Festival fällt die Einschätzung schliesslich noch deutlicher aus. Man habe die Preise in den vergangenen Jahren moderat erhöht und gleichzeitig die Leistungen verbessert. Die Kosten seien im gleichen Zeitraum aber um rund 50 Prozent gestiegen, insbesondere nach Corona.
Festivals stünden derzeit stark unter Druck, die Ticketpreise seien «sicherlich zu tief», heisst es. Die Preise würden weiter steigen. (awp/sda/cbe)
Von Yannick Züllig, AWP

