27.05.2008

Strategiewechsel in Hollywood

Weniger Risiko, weniger Belohnung

Bei "Indy 4" kassiert Paramount nur 12,5 Prozent der Einnahmen.

Viele der grossen Hollywood-Studios kämpfen derzeit mit Finanzierungsproblemen, die vor allem aus rückläufigen Umsatzzahlen des Vertriebs ihrer Filmproduktionen resultieren. Um schwindende Einnahmen in diesem Bereich besser kompensieren zu können, suchen Studiobosse deshalb verzweifelt nach neuen Wegen, wie sie die eigene finanzielle Belastung so niedrig wie möglich halten können. Wie weit sie in dieser Hinsicht bereit sind zu gehen, zeigt das aktuelle Beispiel des Kino-Blockbusters "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels", der Ende vergangener Woche in den heimischen Kinos gestartet ist.

Dem Film, der bereits an seinem ersten Wochenende weltweit an die 311 Mio. Dollar an Umsätzen erzielen konnte, liegt ein ganz besonderes Geschäftsmodell zu Grunde. Das verantwortliche Filmstudio, Paramount Pictures, hat Produzent George Lucas, Regisseur Steven Spielberg und Hauptdarsteller Harrison Ford an den Herstellungskosten des Streifens beteiligt. Als Gegenzug erhalten sie einen Grossteil der durch den Film erwirtschafteten Einnahmen und Paramount selbst muss sich mit 12,5 Prozent Vertriebshonorar zufrieden geben.

"Klarerweise ist der Profit, den ein Studio im Rahmen derartiger Geschäftsabkommen einstreifen kann, nicht mit dem vergleichbar, was möglich ist, wenn ein Blockbuster-Film selbst produziert wird", stellt Rob Moore, stellvertretender Vorsitzender von Paramount, gegenüber dem Wall Street Journal fest. Solche neuen Geschäftsansätze würden aber gut zur Unternehmensstrategie des Hollywood-Studios passen und hätten ihre Vorteile. "Wir haben mit 'Iron Man' beispielsweise den Vertrieb eines sehr erfolgsversprechenden Films übernommen, der sich bislang als sehr lukrativ herausgestellt hat", erläutert Moore.

Keine selbstproduzierte Blockbuster

Obwohl Paramount diesen Sommer keine selbstproduzierten Blockbuster im Angebot hat, werde das Studio durch die eingegangenen Partnerschaften einen "signifikanten finanziellen Auftrieb" erfahren, ist Moore überzeugt. Gleichzeitig könnten aber auch die jeweiligen Kooperationspartner von dem neuen Ansatz profitieren. "Die Veröffentlichung grosser Kassenschlager ist eine unglaublich wichtige Ergänzung zu den von unseren Partnern selbst gelaunchten Projekten", so Moore.

Dass das Beispiel Indiana Jones kein Einzelfall ist, sondern vielmehr repräsentativ für einen Umschwung der Unternehmensstrategie von Paramount zu sehen ist, beweist eine Reihe weiterer Filmprojekte des Studios. So setzt man beispielsweise grosse Erwartungen in den Anfang Mai gestarteten Kinofilm "Iron Man" und den noch für dieses Jahr angekündigten Animationsstreifen "Kung Fu Panda". Beide Titel werden nicht selbst von Paramount produziert, sondern von den Marvel Studios im einen und von DreamWorks Animation im anderen Fall.

Die Aufgabe Paramounts beschränkt sich bei beiden Projekten auf den Vertrieb des fertiggestellten Filmmaterials. Für dessen Abwicklung erhält das Studio lediglich einen kleineren prozentualen Anteil an den erzielten Einnahmen. Den Grossteil davon können hingegen die produzierenden Geschäftspartner in ihre Taschen stecken. (pte)


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