Mit "you" macht man nichts falsch - oder? Vielleicht doch, denn selbst im Englischen gibt es ein komplexes System von Anredeformen. Die Nuancen zwischen Höflichkeit und Vertrautheit in verschiedenen Sprachen diskutieren Sprachexperten auf einer internationalen Tagung in Berlin.
Nur noch das Pronomen "you"
"Auch das Englische hatte einst eine Abstufung von Höflichkeitsformen wie 'thou' (du) und 'you' (Sie)", erklärte Tagungsleiter Horst Simon in einer Mitteilung der Freien Universität (FU) Berlin. Die vertraute Form sei jedoch kurz nach Shakespeares Epoche verloren gegangen, heute gebe es nur noch das Pronomen "you", erläuterte der Professor für historische Sprachwissenschaft an der FU.
Ob es auch im Deutschen eines Tages nur noch eine Form der Anrede mit Pronomen geben könnte, gehört zu den Forschungsfragen der seit Donnerstag laufenden Tagung. In Europa sei eine immer stärkere Verbreitung der "familiären Form" - also des "du" - zu beobachten, erklärte Simon. So sei im benachbarten Dänemark die Höflichkeitsform mittlerweile fast völlig verschwunden.
Irritierendes "Du"
Dass das Duzen irritieren kann, belegen Vorträge zu folgenden Phänomenen: Finnische Kunden der Filiale einer US-Kaffeehauskette in Helsinki etwa reagierten zuweilen verunsichert und gereizt, wenn sie mit ihrem Vornamen aufgerufen würden. Deutsche Verkäufer in Ikea-Filialen siezen ihre Kundschaft konsequent, auch wenn in der internen Kommunikation der schwedischen Möbelhaus-Kette nur geduzt wird.
In manchen nicht-europäischen Sprachen geht es bei der Anrede des Gegenübers heute noch deutlich formeller zu: Im Japanischen etwa werden selbst unpersönliche und allgemeine Aussagen wie "es regnet heute" dem Status des Gesprächspartners entsprechend formuliert. (sda/afp)

