Welche globalen Promis kommen ans ZFF?
Dieses Jahr kommen 500 Filmschaffende, wie das Festival am Mittwoch in Zürich bekanntgab. Zwischen 24. September und 4. Oktober sind Stars wie Naomi Watts, Julianne Moore, John Torturo, Olivia Colman, Juliette Binoche, Jesse Eisenberg. Tom Hiddleston oder Willem Dafoe in Zürich.
Besonders freut sich Festival-CEO Christian Jungen auf Casey Affleck, den man schon mehrere Male habe ans ZFF holen wollen, sagte er am Mittwoch in Zürich. Er stellt sein neuestes Werk «Company» vor, einen Film-Noir. Ebenso mit einem Film-Noir-Drama kommt Andy García zum Festivalabschluss nach Zürich. Er stellt «Diamond» vor, für den er die Hauptrolle spielt, Regie führte, das Drehbuch schrieb, die Musik mitverantwortet und den er produziert hat.
Der US-amerikanische Independent-Filmer Richard Linklater («School of Rock», «Before Sunrise» von 1995, der in der ZFF-Retrospektive läuft) wird für seine Karriere geehrt.
Mit dem Drehbuchautor und Regisseur Martin McDonagh kommt eine Grösse des zeitgenössischen Kinos. Der irische Oscarpreisträger hat düstere und von schwarzem Humor geprägte Filme wie «In Bruges», «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» und «The Banshees of Inisherin» realisiert. Für sein Werk wird er am ZFF mit dem Ehrenpreis «A Tribute To … Award» ausgezeichnet.
Welche Filme sollte man nicht verpassen?
Von McDonagh ist «Wild Horse Nine» im Rahmen einer Gala-Premiere zu sehen. Er nimmt Zuschauende ins Chile im Jahr 1973, kurz vor dem Militärputsch. Auch hier darf man sich auf schwarzen Humor und einen erstklassigen Cast freuen: Im Agentenfilm sind John Malkovich und Sam Rockwell in den Hauptrollen zu sehen.
Stark ist dieses Jahr der deutsche Film. Doris Dörries Tragikomödie «Frau Winkler verlässt das Haus» hat hier ihre Weltpremiere sowie Andreas Dresens Buchverfilmung «Alte Liebe». Das deutsche Kino, sagte Jungen am Medienanlass, sei aktuell sehr französisch und nah beim Menschen.
Ein Blick in die Spielfilm- und Dokumentarfilm-Wettbewerb lohnt sich. Hier konkurrieren je 14 erste, zweite oder dritte Regiearbeiten aus aller Welt um das mit 25'000 Franken dotierte Goldene Auge. Der Mystery-Thriller «Black Church Bay» dürfte mit Joe Locke in der Hauptrolle anziehen, der durch die Netflix-Serie «Heartstopper» bekannt wurde. Ausserdem steche das nordische Familiendrama «The Guest» von Mads Mengel mit dem dänischen Star Trine Dyrholm in der Hauptrolle heraus, lässt sich Festivaldirektorin Reta Guetg in einer Mitteilung vom Mittwoch zitieren.
Wie ist das heimische Kino vertreten?
Kurz: Sehr gut. 21 der insgesamt 133 Filme am ZFF sind Schweizer (Ko-)Produktionen – das ist bisheriger Rekord.
Drei Westschweizer Filme laufen in den beiden grossen Wettbewerben: Im Spielfilm-Wettbewerb sind das «Sevda» von Ufuk Emiroglu und «Serife Tavsan» von Tareq Daoud. Beide würden lustigerweise in der Türkei spielen, sagte Festivaldirektorin Reta Guetg gegenüber Keystone-SDA. «Doch sie könnten nicht unterschiedlicher sein.» Während «Sevda» ein Thriller sei, in der sich eine Juristin im Haifischbecken der Immobilienbranche behaupten muss, handle die Komödie «Serife Tavsan» von einer älteren Frau, die sich durch den Tod ihres Mannes von den eigenen Kindern und ihrer Rolle emanzipiert.
«Schreckschraube» («Vieille Peaux») ist das Debüt des Filmemachers Simon David, der über Jahre mit der Kamera seine Grosstante porträtierte. Der Film wird im Dokumentarfilm-Wettbewerb laufen.
Weitere Schweizer Beteiligung im Wettbewerb bildet der Dok über den Übertourismus in den Cinque Terre, «The Siege of Paradise». Der Film des irischen Regisseurs Gar O’Rourke ist eine Schweizer Koproduktion. Ausserdem wird «Dua» von Blerta Basholli im Spielfilm-Wettbewerb laufen. Die kosovarisch-schweizerische Koproduktion ist Kosovos offizieller Oscar-Beitrag.
Die Zürcher Schauspielerin Luna Wedler wird als jüngste und erste Schweizerin mit einem Goldenen Auge ausgezeichnet. Wedler ist dieses Jahr einerseits mit ihrer Stimme in «De Rägebogefisch», eine Kinderbuchverfilmung mit der Augsburger Puppenkiste, zu hören. Andererseits spielt sie in «Eurotrash» mit, der als Gala-Premiere zu sehen ist. Regisseurin Frauke Finsterwald hat damit den Erfolgsroman von Christian Kracht verfilmt.
Die schweizerisch-französische Schauspielerin Ella Rumpf ist dafür im französischen Adoptions-Drama «Des Preuves D'Amour» in der Hauptrolle zu sehen, das im Spielfilm-Wettbewerb läuft.
Das ZFF zeigt ausserdem «111 – Echoes from Halifax», den Spielfilm von Mauro Mueller über den Swissair-Absturz. Es sei «der grosse Schweizer Film des Jahres», sagte Festival-CEO Christian Jungen.
Was ist neu?
Erstmals steht das Festival unter einem Motto: «Dream Big». «Wir wollen damit dem allgemeinen Trübsal der Gegenwart etwas entgegensetzen», sagte Jungen vor den Medien. Dazu passen Filme wie das Biopic «I Play Rocky» über Sylvester Stallone, der Schweizer Dokumentarfilm von Daniel Schifferli, «A Long Shot», über den Olympiatraum des Gründers des Sexshops Amorana oder der Eröffnungsfilm «Tenzing» über die Erstbesteigung des Mount Everest. (sda/cbe)

