Und dann war es wieder soweit: Der Popzweig der Schweizer Musikszene durfte sich am Freitagabend auf dem roten Teppich der Swiss Music Awards präsentieren. Seven, Stress, Bligg, Baschi, DJ Antoine und einige, bei denen man den Nebenmann anstupfen und fragen musste: "Du, sorry, wer ist das schon wieder?" stellten sich einem Riesenaufgebot an hiesigen Medien. Alle im Festgewand, alle in Rede- und Posierlaune. Fast so lang wie der Teppich, der einmal durch den gesamten Eingangsbereich der grosszügigen Schiffbauhalle in Zürich West reichte, war diesmal das Aufwärmprozedere der Awardshow.
Denn neu war dieses Jahr, bei der fünften Durchführung der von der IFPI Schweiz, dem Verband der hiesigen Tonträgerhersteller veranstalteten Show, das Schweizer Fernsehen dabei. SF 2 übertrug den Anlass live und beorderte das Saalpublikum schon eine Stunde vor Sendungsbeginn in die Halle. Und so hielten die britische Acapella-Truppe The Overtones und Interviews mit den Veranstaltern den wartenden Pulk von Künstlern, Medien- und Musikgeschäftsleuten eher schlecht als recht bei Laune.

Bild: Mario Toriani und Melanie Winiger führten durch den Abend. (Alle Bilder: © Swiss Music Awards)
Als die roten Lichter der vielen Kameras dann leuchteten und das Moderatorenduo Melanie Winiger und Mario Toriani übernommen hatte ging es im Eiltempo von Award zu Award: Zwei Auszeichnungen für die abwesende englische Sängerin Adele, zwei für die im Nu aufgestiegenen Bündner von 77 Bombay Street, ein sichtlich ergriffener junger Bastian Baker als Abräumer im Ressort "Best Breaking Act National" und die Mundart-Hoffnung Dabu Fantastic aus dem Züri Oberland als "Best Talent". Es ging rasant, fast zu rasant.
Einen kurzen Moment des Innehaltens gewährte neben den Auftritten von UK-Grösse James Morrison und Anna Rossinelli, Züri West oder den Lovebugs die Übergabe des Outstanding Achievement Awards. Claude Nobs, Direktor des Montreux Jazz Festivals, ehrte Harfenist Andreas Vollenweider (persoenlich.com berichtete). "Dieser Stein sollte eigentlich das Matterhorn sein für Andreas", sagte er, ehe sich die beiden in die Arme fielen und das Publikum in Halle zu einer langen Standing Ovation ansetzte. "Ich möchte gerne meinem Schicksal danken, dass mich mit vielen wunderbaren Menschen zusammengebracht hat", erwiderte der Preisträger in seiner Dankesrede, auf eine 30-jährige Karriere zurückblickend.

Bild: Harfenist Andreas Vollenweider sagt danke. Im Hintergrund: Laudator Claude Nobs.
Dass auch so eine durchgepeitschte Liveshow von den ungeplanten, emotionalen Momenten lebt, zeigte der bereits zum sechsten Mal ausgezeichnete Rapper Stress: "...und es gibt auch noch diese Frau dort, der ich danken will", schloss er seine Dankesrede und zeigte auf seine, sichtlich bewegte ehemalige Lebenspartnerin Melanie Winiger. Die durfte ihn dann auch noch kurz interviewen: "Stress, es gibt niemanden, der so viele Swiss Music Awards gewonnen hat wie Du. Was macht Dich so extrem gut?" "Ich sehe extrem gut aus", erwiderte er schmunzelnd. "Ausserdem will ich ein Haus bauen. Da brauche ich ein paar von diesen Klötzen."

Bild: Preisträger Stress umarmt seine Ehefrau Melanie Winiger.
Noch humorvoller, aber eher unfreiwillig, gab sich der letzte Laudator des Abends: Der Zürcher Snowboardcrack Iouri "iPod" Podladtchikov verhaspelte sich mehrmals in dem ihm zugesteckten Text und gab offen zu über dessen Inhalt zu rätseln.
Nach dem gut neunzigminütigen, hektischen Award-Übergabe-Prozedere taten sich die Anwesenden an Speis und Trank gütlich und tanzten bis morgens um drei an der Afterparty. Ganz vorne mit dabei: Der Romand Bastian Baker, der sein Glück auch einige Stunden nach der Übergabe der Betontrophäe noch immer kaum fassen konnte. (ads)

Bild: Erhielten gleich zwei Awards: die Bündner von 77 Bombay Street.

Bild: Snowboard-Ass Iouri "iPod" Podladtchikov hatte Probleme mit seinem Text.

Bild: Feierte ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden: der junge Romand Bastian Baker.

