Wie die Berner Plattform J als Erste vermeldete, ist Fritz Kobi im Alter von 87 Jahren verstorben. Kobi war bekannt als Mitgründer der Werbeagentur Contexta, später auch als Gastronom, Maler und Schriftsteller.
Bereits in der fünften Klasse schrieb er für seine Mitschüler und Freunde Abenteuerromane. Die Lehrer der Sekundarschule hielten seine wilden Geschichten allerdings für Schund, erinnerte sich Kobi 2020 im Gespräch mit dem Regionaljournal Bern Freiburg Wallis von Radio SRF.
In eine Eisenbahnerfamilie geboren, begann Fritz Kobi seine berufliche Laufbahn bei den SBB als Betriebstechniker. Doch bei den Bundesbahnen hielt er es nicht lange aus. Als er nach Salgesch im Wallis hätte versetzt werden sollen, entschied er sich für den Weg in die Werbung. Schon während der Arbeit bei den SBB hatte Kobi damit begonnen, für Firmen und Turnvereine Werbetexte zu schreiben. Später bildete er sich zum Werbefachmann aus.
Werbepionier und Unternehmer
1968 gründete er zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Alex Milani die Werbeagentur Milani & Kobi. Angefangen hatte sie mit je einem Kunden. Kobi brachte Marti-Reisen und Milani Tilsiter-Käse, wie Kobi einmal der Berner Zeitung sagte. 1972 erfolgte der Ausbau zur BSW-Agentur Contexta, als mit Heinz Hersberger ein dritter gleichwertiger Partner hinzukam.
Doch Kobi war weit mehr als ein Werber. Zusammen mit seinen Geschäftspartnern gründete er 1973 das Restaurant «Lorenzini» und die «Quick»-Bar, die schnell zu einem zentralen Treffpunkt für Künstler, Politiker und die Werbebranche avancierte.
Vom Krimi bis zum Satire-Thriller
1978 veröffentlichte Fritz Kobi seinen ersten Kriminalroman «Mama, entweder du oder ich!», basierend auf der wahren Geschichte eines Kollegen, der ständig im Konflikt mit seiner Mutter stand. In den folgenden Jahrzehnten brachte er ein gutes Dutzend Bücher heraus, geschrieben vor allem in der Nacht.
2018 legte er mit «Das Chaos erwartete dich» und «Das Chaos vernichtete dich» zwei dystopische Romane vor, die Europa im Jahr 2050 zeichneten – eine apokalyptische Vision von Umweltzerstörung und gesellschaftlichem Zerfall. «Eine gewisse Angst ist entstanden, wie es der Welt geht», kommentierte er diese Werke. Er habe gehofft, die Leute würden sich sagen: «Eigentlich hat er da noch recht, aber hoffentlich kommt es nicht so.» Sein letztes Werk, der Satire-Thriller «Schweinheim – ein Dorf dreht durch», erschien 2020. Eine Geschichte über eine verfilzte, korrupte Gemeinde.
Die Freiheit zu gehen, wann er will
Im Gespräch mit dem Regionaljournal sprach Fritz Kobi 2020 offen über das Älterwerden. Als Exit-Mitglied hatte er sich längst Gedanken zum Lebensende gemacht. Die Freiheit, selbst zu bestimmen, wann es gut sei, wollte er für sich in Anspruch nehmen. «Wenn ich nicht mehr laufen kann, kaum mehr reden kann, kaum mehr zuhören kann, kaum mehr eine Freude machen, kaum mehr jemanden besuchen gehen kann – dann will ich nicht mehr leben», sagte Kobi vor fünf Jahren. (nil)

