Christof Kaufmann, insgesamt wurden in Cannes weniger Arbeiten eingereicht. Die Schweiz hat dieses Jahr aber laut neusten Zahlen 164 Arbeiten nach Cannes geschickt, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Freut Sie das?
Ja, das freut uns sehr. Diese Entwicklung ist ein positives Signal für die Sichtbarkeit der Schweiz auf der internationalen Kreativbühne.
Auch bei den ADC Awards wurden mehr Einreichungen verzeichnet als im Vorjahr. Boomt die Schweizer Kreativszene?
Es zeigt zumindest, dass die Schweizer Kreativszene aktiv ist, sich entwickelt und an Dynamik gewonnen hat. Das spricht für die Vielfalt, Innovationskraft und Qualität, die hier entsteht.
«Unser Engagement für die Cannes Lions wird breiter wahrgenommen»
Thjnk hat beim ADC mit der «Ortsschilder»-Kampagne für die Migros den Grand Prix geholt, ausserdem noch zweimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. Was sagen Ihnen diese Resultate über die Qualität der Schweizer Kreativarbeit?
Wenn kreative Originalität und strategische Relevanz auf hohem Niveau zusammenkommen, entsteht herausragende Werbung. Das ist zweifelsohne bei dieser Kampagne eingetroffen.
Weischer vertritt die Cannes Lions seit 2017 offiziell in der Schweiz. Was hat sich in diesen fast zehn Jahren verändert – in der Art, wie die Schweizer Kreativszene das Festival wahrnimmt und nutzt?
Unser Engagement für die Cannes Lions wird breiter wahrgenommen. Sowohl als Kreativfestival und somit internationale Plattform für Inspiration, Weiterbildung, Vernetzung, Austausch über aktuelle und zukünftige Themen. Auch, dass wir mit den Young Lions regelmässig drei bis vier Teams in Cannes haben, um für Schweizer Löwen zu kämpfen. Ebenso stellen wir aus der Schweiz fest, dass vermehrt Vertreter von Auftraggeberseite teilnehmen.
Bisher wurden 22 Shortlists veröffentlicht – die meisten dieses Wochenende. Fünf Schweizer Arbeiten haben zehn Shortlist-Nominationen geschafft. Reicht das als Basis für eine erfolgreiche Festivalwoche?
Wir gehen schon davon aus, dass bei einer Mehrzahl von Einreichungen die Chancen steigen. Wir drücken auf alle Fälle die Daumen.
Ein Classic-Pass kostet dieses Jahr umgerechnet rund 5000 Franken, und auch Unterkünfte und Restaurants sind in den letzten Jahren teurer geworden. Ist das Festival noch erschwinglich für kleinere Agenturen?
Cannes bleibt für viele Agenturen eine wichtige Investition in Wissen, Inspiration und internationale Vernetzung. Wir stellten auf alle Fälle bei den Delegates kein Gefälle zwischen Vertretern von Gross- und Kleinagenturen fest. Auch in diesem Jahr nicht.
«Wer frühzeitig plant, kann die Woche gut organisieren»
Wer nach Cannes reist, muss mittlerweile auch damit rechnen, dass Hotels oder Restaurants kurzfristig absagen, weil lukrativere Buchungen reinkommen. Haben Sie das selbst schon erlebt, und was macht das mit der Festivalstimmung?
Die grosse internationale Nachfrage zeigt, welche Bedeutung Cannes für die Branche hat. Wer frühzeitig plant, kann die Woche gut organisieren.
Das Swiss BBQ an der Côte d’Azur ist mittlerweile eine Institution. Es findet wieder am Mittwochmittag statt. Was bedeutet Ihnen dieser Anlass persönlich?
Ein Höhepunkt der Festivalwoche. Seit fast zehn Jahren ist es ein fester Bestandteil und Treffpunkt für die Schweizer Delegation geworden.
Mehr Einreichungen, starke ADC-Resultate – darf die Schweizer Kreativszene am Ende dieser Saison stolz auf sich sein?
Ja. Es entsteht kontinuierlich hochwertige kreative Arbeit, so zumindest meine Beobachtung.
Ihr ganz konkreter Tipp: Wie sieht die Bilanz der Schweiz Ende der Werbe-WM-Woche in Cannes aus – in Zahlen?
Zwei Löwen mehr als 2025. Also zwei.
Alle Berichte über das Cannes Lions International Festival of Creativity 2026 finden Sie auf der entsprechenden Landingpage.

